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Eine Mini-Kita mit Zukunftssorgen

Pinnow.. Zur Erntezeit, so um 1960, war es erstmals, dass Pinnower Mädchen und Jungen in einem so genannten Erntekindergarten betreut wurden. Längst ist die Erntezeit kein Kriterium mehr dafür, ob der Kindergarten geöffnet hat oder nicht. B. Remus

Im Gegenteil: Zur besten Erntezeit, konkret ab kommenden Montag, kann die jetzige Kindertagesstätte für drei Urlaubswochen schließen. Danach sind die beiden Erzieherinnen und ihre 19 Schützlinge nur noch eine Woche zusammen, denn fünf der Mädchen und Jungen werden Abc-Schützen. „Sicher fehlen sie uns anfangs“ , sagt Kita-Leiterin Petra Richter. „Aber andererseits wird es auch Zeit, dass sie in die Schule kommen. In der Kita sind sie unterfordert“ , ergänzt sie.
In den letzten Monaten waren sie und ihre Kollegin deshalb wieder einmal mehr froh, dass vor fünf Jahren die Kita nicht nur neue Sanitäranlagen und Fenster erhalten hatte, sondern auch einen zweiten Gruppenraum. So können die Vorschulkinder separat betreut und damit an sie höhere Anforderungen gestellt werden als an die jüngeren Kinder.
Letztere sind an diesem Donnerstagvormittag in ein Vater-Mutter-Kind-Spiel vertieft, versuchen mit einem „Fotoapparat“ ihren Gruppenraum einzufangen oder haben sich ein Spiel vorgenommen. Eigentlich wollte Christa Neumann mit den Kleinen ins Freie gehen, aber der regnerische Morgen änderte den Tagesablauf etwas. Doch der Aufenthalt auf dem nahe der Kita gelegenen Sportplatz oder ein Spaziergang durch den ebenfalls nicht weit entfernten Wald gehören zum Alltag in der Einrichtung.
Dieser Tage erst waren die Steppkes aber weiter weg. Gemeinsam mit ihren Erzieherinnen und vielen Muttis besuchten sie den Cottbuser Tierpark. Tags zuvor war das Zuckertütenfest gefeiert worden. Auch für September ist wieder ein kleiner Höhepunkt geplant: ein Grillnachmittag. Wie bei vielen anderen Unternehmungen sind auch hier Eltern in die Vorbereitung eingebunden.
Doch dem neuen Schuljahr sehen die Erzieherinnen auch mit einigen Sorgen entgegen. Denn wenn die Abc-Schützen die Kita verlassen, wird zwar deren Überbelegung (Norm 16 Plätze) beseitigt, doch diese besuchen dann nur noch 14 Kinder aus Pinnow, Lübbinchen und Staakow. Fünf von ihnen sind erst zwei Jahre alt, einige Muttis zudem arbeitslos. Und Letztere müssten entsprechend dem neuen Kita-Gesetz ihre Steppkes zu Hause behalten. „Aber wir hoffen, dass die Kinder, die schon hier sind, nicht wieder herausgenommen werden müssen. Bei einigen wäre das nur eine Zwischenlösung, dann könnten sie wiederkommen. Aber dann fangen wir mit den Kindern auch wieder von vorn an. Und in wessen Interesse soll das sein?“ , fragt Petra Richter.