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Eine Million für den Leerstand

Der Abriss von Blöcken ist unvermeidbar, sagen Verwaltung und Guwo. Aber: Für 900 Wohnungen gibt es jetzt eine Alternative.
Der Abriss von Blöcken ist unvermeidbar, sagen Verwaltung und Guwo. Aber: Für 900 Wohnungen gibt es jetzt eine Alternative. FOTO: FOTO-Werner/rww1
Guben. Mehr Mut, mehr Risiko, mehr Kreativität fordert Thomas Schreiter von Peter Wiepke und Martin Reiher, den beiden Geschäftsführern der Gubener Wohnungsgesellschaft (Guwo). Neue Wohnungszuschnitte, etagenweiser Rückbau statt Komplettabriss, Attraktivierung des Bestands – das sind die Vorschläge, die das Mitglied der Bürgerinitiative "Gläsernes Rathaus" am Mittwochabend beim Stadtumbau-Forum zur Sprache bringt. Daniel Schauff / dsf

Knapp 40 Gäste hatten sich auf den Weg in die Alte Färberei gemacht - die meisten Stühle blieben allerdings leer.

Reiher rechnet vor: Würde die Guwo Wohnblöcke nur etagenweise zurückbauen, um den Überschuss von 2350 Wohnungen bis 2030 abzubauen, käme auf die Mieter in den entsprechenden Blöcken eine saftige Mieterhöhung zu - mindestens 3,50 Euro pro Quadratmeter, ein unrealistischer Preis, sagt der Guwo-Chef.

Der etagenweise Rückbau nämlich ist ungleich teurer als der Komplettabriss, die Förderung von Land und Bund reiche gerade so für Letzteres. Wiepke wollte den Vorwurf mangelnder Kreativität und Risikobereitschaft nicht auf sich sitzen lassen. Ihm gehe es darum, die Guwo finanziell auf stabile Beine zu setzen. Der aktuelle Leerstand kostet die beiden großen Wohnungsunternehmen eine Million Euro pro Jahr, sagt Reiher. "Das ist Geld, das für andere Arbeiten fehlt." Mit großen Investitionen in die Wohnblocks in Gubens potenziellen Rückbaugebieten sei nicht mehr zu rechnen.

Allerdings - das betont Heike Liebmann von der Brandenburgischen Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung (B.B.S.M.) - gehe man in der Fortschreibung der Stadtumbaustrategie von einem Überhang von "nur" 2350 Wohnungen aus. Unter Berücksichtigung der in den vergangenen fünf Jahren abgerissenen Wohnblocks seien das rund 500 weniger als in der vorhergehenden Stadtumbaustrategie.

Der Zuzug von Polen - rund 650 leben derzeit in Guben - sei ein Grund, darüber hinaus gebe es auch Zuzugspotenzial aus dem Umland, sagt Heike Liebmann. Die Haushalte würde immer kleiner. Ältere Mieter blieben oft in ihren Wohnungen, auch wenn der Partner bereits verstorben sei. Damit sinke der Wohnungsbedarf nicht so schnell wie die Einwohnerzahl.

Außerdem betrachte man in der aktuellen Stadtumbau-Strategie auch stärker das Mittel der "Stilllegung", sagt Reiher. Dabei werden Wohnblocks nicht abgerissen, sondern die oberen nicht mehr nachgefragten Etagen stillgelegt - 900 sollen es bis 2030 sein. 1450 sollen zurückgebaut werden, erläutert der Guwo-Chef.

Das Ziel liege bei zehn Prozent Leerstand bei allen Vermietern, sagt Heike Liebmann. Damit könnten die Wohnungsgesellschaften künftig weiter auf die Wünsche der Mieter flexibel reagieren.

"Wir reden längst nicht mehr darüber, ob wir zurückbauen", sagt Gubens amtierender Bürgermeister Fred Mahro. Die Frage sei nur noch, wo zurückgebaut werde. Teile der Wohnkomplexe (WK) I, II und IV sollen dem Stadtumbau zum Opfer fallen.

Zumindest für die nächsten drei Jahre plane die Gubener Wohnungsbaugenossenschaft (GWG) keinen Rückbau, sagt Vorstand Volkmar Paffenholz. Allerdings, das sagt Paffenholz ebenfalls, werde sich auch die Genossenschaft irgendwann dem Rückbau nicht entziehen können. Derzeit ist der Leerstand bei der Guwo laut Fred Mahro allerdings dreimal so hoch wie bei der GWG.

Zum Thema:
Von einem verheerenden Leerstand in Kleingärten sprach ein Gast des Forums am Mittwochabend. Die Anlagen dürften bei der Neuplanung der Stadt nicht vergessen werden. Verschöben sich die Außengrenzen Gubens, stünden viele Anlagen auf freier Fläche und seien für Erholungssuchende nur noch schwer zu erreichen. Gubens amtierender Bürgermeister Fred Mahro stimmte zu, dass auch die Gärten betrachten werden müssten. Bereits jetzt gebe es Gespräche zum Thema Leerstand mit den Vereinsvorständen. (dsf)