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| 02:34 Uhr

Eine Kirchturmspitze ruht versteckt im Garten

Der Osterspaziergang mit Andreas Peter ist in Guben beliebt.
Der Osterspaziergang mit Andreas Peter ist in Guben beliebt. FOTO: zar1
Guben. Zum traditionellen Osterspaziergang hat der Gubener Stadtwächter Andreas Peter am Sonntag eingeladen. Quer durch Gubin ging es zum Standort des einstigen Bismarckturms hoch über Engelmanns Berg. Jana Pozar / zar1

Mehrere Kilometer nahmen die Spaziergänger unter die Sohlen, doch die Informationen, die Andreas Peter preisgab, waren es allemal wert. Nicht umsonst heißen Peters Wanderungen oft "poetische Stadtführungen", hat er doch zu jedem Fleckchen der Neißestadt eine Geschichte parat, teils zum Schmunzeln, teils zum Nachdenken.

Die etwa 20 Osterspaziergänger erfuhren am heutigen Zollgebäude an der Neißebrücke, dass in diesem Haus sowohl das Café Schönberger als als auch das Zentralhotel untergebracht waren. Dort wohnte auch ein Gubener Ehrenbürger: der langjährige Chefarzt im Naemi-Wilke-Stift, Dr. Hans Ayrer. Und gegenüber, vom Eckhaus an der Kirchstraße schaute der alte Nachtwächter vom Gemäuer auf die Wanderer.

Auf der Neiße-Insel wurde natürlich an Gubens Schauspielerin und Goethes Muse Corona Schröter erinnert. Dabei erfuhren die Interessenten, dass einst auch das schwedische Königshaus Geld für die Statue Schröters zur Verfügung gestellt hatte.

100 Stufen ging es dann hinauf zur Dreifaltigkeitskirche. Unterwegs entdeckten die Osterspaziergänger die alte Kirchturmspitze in einem Garten, die unter bald erwachendem Grün versteckt ruht. Klar, dass der Stadtwächter auch dafür eine Erklärung hatte. "Der Küster fluchte in der Kirche. Als Strafe dafür fiel die Kirchturmspitze ab", erzählte er. Peter wusste auch, dass im Altarbild der Dreifaltigkeitskirche eine Silhouette der Stadt Guben zu sehen ist. Vorbei am alten Friedhof, auf dem heute noch die alten Seelen spuken sollen und der noch früher ein Weinberg war, ging es hoch auf den Osterberg. "Das passt zu Ostern und ist zudem der kürzeste Weg zum Standort des einstigen Bismackturms", erklärte Andreas Peter. Und das, obwohl der Name Osterberg nicht dem Osterfest zu verdanken ist. Dort, unmittelbar an der Osterbergschule, konnten die Wanderer am Wasserspeichers kurz verschnaufen.

Dann ging es an die letzte Etappe. Vorbei am ehemaligen Wilhelm-Pieck-Museum in der ulica Rozana ging es dann steiler bergauf. Hoch oben wartete aber zunächst Ungemach auf die Spaziergänger. Mehrere Hunde begrüßten zähnefletschend den Stadtwächter, der den Zug noch immer anführte. Ein kurzer, lauter Ton aus seinem Stadtwächter-Horn jedoch alarmierte die Herrchen. Sie hatten die Vierbeiner schnell im Griff und so konnten alle den Blick über die Neißestadt genießen. Und dann kam auch endlich Goethes "Osterspaziergang" zu Gehör.

"Andreas Peter verdient unsere Hochachtung", sagt Monika Schulz aus Guben anerkennend. Die 74-Jährige macht sich schon seit vielen Jahren mit dem Stadtwächter gemeinsam zu Ostern auf den Weg. Doch es sei niemals langweilig, im Gegenteil. "Der Stadtwächter hat immer wieder neue Geschichten und Überraschungen parat", sagt die Gubenerin.