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Eine digitale Stadt an der Neiße

Guben. Das Wort "Vorreiter" ist nicht unbedingt das allererste, mit dem man die Neißestadt Guben in Verbindung bringen würde. Es trifft aber zu – zumindest im Hinblick auf die Kommunikation der Stadt mit Bürgern übers Internet. Daniel Schauff

Dass auch kleine Städte ihre Informationen, Formulare und Bürgeramt-Öffnungszeiten auf ihren eigenen Internetseiten zur Verfügung stellen, ist ein alter Hut und trifft auf einen Großteil der Städte und Gemeinden zu. Guben allerdings ist früh einen gehörigen Schritt weiter gegangen. Der offizielle Facebook-Auftritt der Neißestadt wird in diesem Jahr stolze sechs Jahre alt. Die Forster und die Spremberger Stadtverwaltungen etwa präsentieren sich bis heute nicht auf Facebook, Gubens großer Bruder Cottbus hat es erst 2015 ins größte Soziale Netzwerk Deutschlands geschafft.

Daran wird es wohl liegen, dass der Auftritt der "Neißestadt Guben" mittlerweile 3000 so genannte "Likes" verzeichnen kann. Wer bei Facebook angibt, dass ihm die Gubener Präsenz im Netzwerk "gefällt", wird künftig automatisch mit Nachrichten aus der Verwaltung versorgt. Obwohl Guben gerade einmal ein Fünftel der Einwohner von Cottbus zählt, haben in der Lausitzmetropole gerade einmal 2394 Nutzer angegeben, dass ihnen der Auftritt des Rathauses gefällt.

"Likes" sind selbstredend nicht die einzigen Indikatoren für den Erfolg eines Facebook-Auftritts. Das gibt der Cottbuser Stadtsprecher Jan Gloßmann zu bedenken - Facebook zählt auch, wie viele Personen von einer Nachricht erreicht wurden. Wird mitten im Zentrum eine Bombe entschärft oder bricht ein Pferd auf einem gefrorenen Schwimmbecken ein, erreichen die Mitteilungen der Stadt Cottbus gerne einmal rund 20 000 Internetnutzer - der Rekord lag bei 70 000 erreichten Personen, berichtet Gloßmann. Möglich wird das vor allem dadurch, dass man an anderen Stellen im Internet auf Nachrichten anderer Nutzer hinweisen kann, sodass weit mehr als die 2394 "Abonnenten" mitlesen können.

Gang und Gäbe ist das Teilen offizieller Gubener Rathausnachrichten auch in den privaten Facebook-Gruppen in Guben - von veränderten Öffnungszeiten städtischer Einrichtungen über Straßensperrungen oder Ankündigungen von großen Festen und Märkten landen so viele offizielle Mitteilungen der Stadt an vielen verschiedenen Stellen im Internet.

Auf der offziellen Gubener Facebook-Seite beschränke man sich beim Hinweisen auf Nachrichten anderer jedoch auf die Mitteilungen der städtischen Einrichtungen wie Freibad, Musikschule oder Bibliothek, betont Gubens Stadtsprecher Bernhard Schulz. Schließlich sei die Stadtverwaltung eine Körperschaft öffentlichen Rechts - zu privaten Facebook-Auftritten von Gubenern müsse man deshalb eine Grenze ziehen, so Schulz.

Eine Grenze ziehen müsste die Pressestelle der Stadt auch, wenn Nutzer ihren Anstand in der Anonymität des Internets verlieren würden. Nicht selten gerät Facebook in Kritik wegen unsachlicher Kommentare von Nutzern. Das allerdings sei bislang kaum der Fall gewesen, so Schulz. Vielmehr bedankten sich mitunter Nutzer bei der Pressestelle, die nicht mehr in Guben leben und sich mit Facebook über ihre Heimatstadt auf dem Laufenden hielten.

Zum Thema:
Bereits zwei Monate nach dem Start der Guben-App - einer Anwendung für Mobiltelefone - kann die Stadt 1600 "Downloads" verzeichnen. Die Guben-App bietet einen schnellen Zugang zum Rathaus und den Fachbereichen, ausführliche Informationen rund um die Stadt sowie ein Branchenbuch, das derzeit noch entsteht. Ein integrierter Schadenmelder, mit dem die Stadtverwaltung zum Beispiel auf Schäden im Stadtgebiet einschließlich Belegfoto hingewiesen werden kann, werde gut genutzt, sagt Stadtsprecher Bernhard Schulz. Die App ist kostenlos für Apple- und Androidtelefone.