| 17:20 Uhr

Kriminalität
Einbruch im Wasserwerk

Die Tür am Wehr des Wasserwerkes haben die Einbrecher gleich mitgenommen. Anschließend bauten sie die Abdeckungen über den Kabelschächten ab.
Die Tür am Wehr des Wasserwerkes haben die Einbrecher gleich mitgenommen. Anschließend bauten sie die Abdeckungen über den Kabelschächten ab. FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau
Grießen. Frust in der Grenzregion an der Neiße. Kriminelle haben sich wieder einmal an einem Wehr bei Grießen „bedient“. Der Ortsvorsteher Hartmut Fort fordert endlich mehr Polizei-Streifenwagen. Von seiner Forderung nach einer „Dorfwache“ aber ist er inzwischen abgerückt. Silke Halpick

„Nun ist es wieder passiert“, sagt Hartmut Fort. Der Ortsvorsteher in Grießen ist sauer. Erst vor einer Woche hatte er die Zunahme von Einbrüchen in seinem Dorf moniert. Allerdings ist das laut Polizeistatistik nicht belegt. Jetzt haben Buntmetalldiebe am Wasserkraftwerk Zuleitungen, Abdeckungen und Kabel abmontiert und geklaut. Der Ortsvorsteher fordert mehr Polizeipräsenz in seinem Dorf.

„Zuerst dachte ich noch, es ist eine technische Störung“, erzählt Siegfried Weber. Der Betreiber des Wasserkraftwerkes in Grießen prüft regelmäßig die Neiße-Pegelstände am Wehr des Wasserkraftwerkes. „Völlig absurde Werte“ wurden ihm am Donnerstag angezeigt, wie er berichtet. Um sich ein Bild vor Ort zu machen, fuhr er „raus“. Das Wehr liegt rund 800 Meter vom Wasserkraftwerk entfernt.

Schnell war der Grund gefunden: Statt der kleinen Tür klaffte ein Loch im Zaun. Die Abdeckplatten über den Kabelschächten waren abmontiert und gestohlen. Auch Zuleitungen, Trittroste und Kabel wurden geklaut. Ein 380-Volt-Kabel war stark beschädigt. Offenbar hatten die Einbrecher versucht, es zu durchtrennen. „Vielleicht haben sie dabei einen Schlag bekommen“, mutmaßt Weber. Oder es habe sie jemand gestört – und deshalb räumten sie das Feld. Für ihn steht fest: „Das waren Profis.“ Den Schaden schätzt er auf rund 3000 Euro.

Mittlerweile ist das Wehr notdürftig instand gesetzt. Über die Anlage wird die Wasserzufuhr für das 1929 gebaute Wasserkraftwerk reguliert. Rund 3,5 Millionen Kilowattstunden Strom werden hier pro Jahr erzeugt und ins öffentliche Netz eingespeist. Mehr als 1000 Haushalte können damit versorgt werden. Weber hatte das zu DDR-Zeiten stillgelegte Wasserkraftwerk nach der Wende erworben und 1993 wieder in Betrieb genommen.

Auch im Fall eines Neiße-Hochwassers ist das Wehr wichtig. Mit der Anlage kann regulierend eingegriffen werden. Das letzte Hochwasser erlebte Grießen im Jahr 2013. Damals ist ein Damm gebrochen, der erst kurz zuvor saniert worden war. Die Wassermassen strömten über landwirtschaftliche Nutzflächen. Wohnhäuser waren nicht in Gefahr.

Der Einbruch im Wasserkraftwerk ist nicht der erste, wie Weber auf Nachfrage einräumt. Die Polizei war vor Ort und machte Fotos, wie er berichtet. „Doch was nützt das?“, fragt er. In den anderen Fällen habe er immer ein paar Monate später Post von der Staatsanwaltschaft mit der Information bekommen, dass das Verfahren eingestellt wurde. „Die meisten erstatten schon gar keine Anzeigen mehr“, sagt er.

Möglicherweise erklärt das auch die Differenz zwischen den offiziellen Zahlen der Polizei und dem Gefühl der Menschen vor Ort. Laut Polizeistatistik gab es in Grießen im vergangenen Jahr nur 16 Straftaten. Im Laufe des aktuellen Jahres hat sich die Zahl sogar nochmals halbiert. Zu den registrierten Straftaten gehören neben einzelnen Einbrüchen aber auch eine Brandstiftung, ein Verstoß gegen das Waffengesetz sowie Betrugshandlungen.

„Wir wissen doch selbst, wo überall eingebrochen wurde“, hält Fort dagegen. Für ihn hat sich die Sicherheitslage im Dorf seit rund einem Dreivierteljahr dramatisch verschlechtert. Er befürchtet sogar, dass Grießen ins Visier professioneller Einbrecherbanden geraten ist, die im Vorfeld ihre Opfer ausspionieren.

Am vergangenen Montag gab es eine Einwohnerversammlung zum Thema Kriminalität im Gemeindezentrum. „Wir haben unser Wissen zur Haussicherung aufgefrischt“, sagt Fort. Nun fordert er auch von der Polizei mehr Einsatz: zweimal pro Woche soll diese in Grießen Streife fahren, um Kriminelle möglichst abzuschrecken.

„Die Polizei entscheidet entsprechend der Prioritäten, wo Streife gefahren wird“, sagt Ines Filohn, Pressesprecherin der Polizeidirektion Süd in Cottbus. Dabei seien die „polizeiliche Lage“ und „Objektivität“ ausschlaggebend, betont sie. Filohn warnt davor, im Dorf die Stimmung anzuheizen. „Das hilft niemandem weiter“, begründet sie.

Eine Dorfwache beziehungsweise Bürgerwehr wird es in Grießen nicht geben. „Die Forderung war auch eher als Provokation gedacht“, räumt Fort nach der Einwohnerversammlung ein. Grundsätzlich haben Bürgerwehren einen schlechten Ruf, weil sich hier häufig auch Personen mit rechter Gesinnung wiederfinden.

Die Abdeckungen der Kabelführungen wurden abgebaut und gestohlen.
Die Abdeckungen der Kabelführungen wurden abgebaut und gestohlen. FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau