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| 01:14 Uhr

Ein Zentrum für die Doppelstadt favorisiert

Guben.. Sind Sie reif für die Insel? Vom 9. Mai bis 16. Juni erfuhren Gubener und Gubiner, was sich hinter dieser Frage verbirgt. Über fünf Wochen war im Internet unter der Adresse www.stadtbaukasten.de ein virtuelles Stadtspiel verfügbar, das sich um die Themen künftiger Veränderungen in der Doppelstadt Guben-Gubin drehte. (red)

Das Team des Forschungsprojekts "Stadt 2030- Doppelstadt Guben-Gubin", in des-sen Rahmen das Internetspiel entwickelt wurde, legt nun in statistischen Auswertungen erste Ergebnisse vor. Mit 311 Benutzern, die den Stadtbaukasten "spielten", waren die Zugriffszahlen höher als von den Wissenschaftlern erwartet. Auch wenn einige Teilnehmer das Spiel abbrachen, führten es 64 Prozent zu Ende und absolvierten damit alle acht Einzelspiele.
Da der Stadtbaukasten anonym war, ist es möglich, dass vereinzelt falsche Anga-ben zu Geschlecht, Alter und Wohnort gemacht worden sind. Demnach waren 63 Prozent aller Spieler aus Guben und Gubin, 37 Prozent von außerhalb. Der Anteil der Gubiner an dem deutsch-polnischen Spiel war eher gering. Die unter 50-Jährigen stellen den Großteil der Teilnehmer, wobei die größte Gruppe die der 30- bis 39-Jährigen ist, gefolgt von den Jugendlichen unter 20 Jahren.
Auch die Spielergebnisse sind nicht repräsentativ, geben aber eine Tendenz der Meinungen wider. So konnte unter anderem eine persönliche Auswahl an Motiven für die Doppelstadt Guben-Gubin in Form einer Postkarte zusammengestellt werden. Damit wurden Prioritäten gesetzt, die den Bewohnern für die Außendarstellung ihrer Doppelstadt wichtig sind. Von den neun zur Verfügung stehenden Bildern wurde die Neißeinsel mit 16,2 Prozent am häufigsten auf der Postkarte angeordnet. Danach folgt ein Bild von der Gubener Altstadt mit 13,5 Prozent und die Kirchenruine in der historischen Altstadt Gubins mit 12,5 Prozent. Am seltensten wurden das Industriegebiet Süd und das Hochhaus als Motiv gewählt. Es ergibt sich in der Zusammensetzung oft das Bild einer grünen Stadt mit historischer Bebauung.
Die Notwendigkeit, Synergien der Doppelstadt zu aktivieren und zu nutzen war das Thema des nächsten Spielbereichs. Zu neun vorgeschlagenen kommunalen Einrichtungen war der Benutzer vor dem Hintergrund knapper öffentlicher Kassen und eventuell drohender Schließungen dieser Einrichtungen aufgefordert, über eine gemeinsamen Nutzung zu entscheiden. Das Ergebnis ist eindeutig: 75,8 Prozent können sich eine gemeinsame Nutzung vorstellen. Ist die Zustimmung mit 80 bis 90 Prozent für ein gemeinsames Schwimmbad, Musikschule, ÖPNV und Galerie besonders hoch. Für ein gemeinsames Krankenhaus und Kino liegt sie unter 60 Prozent. Die Sprachbarriere war bei diesen Entscheidungen sicher mit aus-schlaggebend.
Als Antwort auf die Frage: "Was macht für Sie persönlich den Charakter der Stadt aus?" erfolgte ebenfalls eine Auswahl aus Bildern. Sie stellten Situationen des Lebens in der Doppelstadt dar. Am häufigsten wurde die Ansicht des Cafés an der Berliner Straße gewählt, gefolgt von der Grenze und dem Markt in Gubin.
Interessant sind auch Ergebnisse, die sich beim Zuordnen verschiedener Nutzungen in die Stadtbereiche ergaben. Auf einer Karte des stadträumlichen Entwicklungskorridors - angefangen bei der Sprucke über die Altstadt West und Ost in Guben bis nach Gubin - konnten verschiedene Funktionen platziert werden. Für viele Teilnehmer vorstellbar ist eine kulturelle Nutzung der Neißeinsel. Dort möchten sie auch gern flanieren und bummeln. Essen und Trinken wurde vor allem der Altstadt Ost zugeordnet, ebenso das Einkaufen. Freiräume für Aktivitäten wie Sport werden nach Meinung der Mitspieler eher in der Altstadt West gesehen. Entwicklungsschwerpunkt nach Ansicht der Teilnehmer sind die Altstadt Ost, die Altstadt West und die Neißeinsel. Das lässt den Wunsch nach einem urbanen Zentrum für die Doppelstadt erkennen.
Zum Ende des Spiels war es möglich, eigene Ideen und Initiativen zu formulieren. Die Vorschläge sind teils sehr umfangreich und vielfältig. Viele wünschten sich ein Kino oder Theater. Wichtig sind Gubenern und Gubinern vor allem die Stärkung der lokalen Wirtschaft und die Verbesserung der Bildungsangebote, aber auch die Schaffung erweiterter Angebote für Kinder und Jugendliche. Mancher möchte die Sprache des Nachbarn lernen und persönliche Kontakte aufbauen. Kanuverleih auf der Neißeinsel, zweisprachige Kindergärten, deutsch-polnischer Ra-dio- und TV-Sender, Schaffung einer Kontakt- und Ideenentwicklungsstelle - das sind einige konkrete Vorschläge.
Alle Initiativen und Ergebnisse der Teilnehmer können noch eine zeitlang unter www.stadtbaukasten.de abgefragt werden. Für das Forschungsteam Stadt 2030 steht fest: Informationsaustausch und Diskussion zwischen Kommunen und Bürgern sollten verstärkt und das Internet dafür häufiger genutzt werden.