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Ein Wiedersehen nach 24 Jahren

Rund 60 ehemalige Chormitglieder aus ganz Deutschland waren an die Neiße gekommen.
Rund 60 ehemalige Chormitglieder aus ganz Deutschland waren an die Neiße gekommen. FOTO: utr1
Guben. Es war ein von Emotionen und Herzlichkeit kaum zu übertreffender Nachmittag: das Treffen der ehemaligen Mitglieder des Chores "Ulrike" am Samstag im Jugendclub Comet. Nach 24 Jahren ging für die damalige Chorleiterin Evelyn Gleisert-Ohnheiser ein Traum in Erfüllung. Ute Richter / utr1

"Wir konnten uns nie richtig verabschieden. Ich konnte nie so richtig einen Schlussstrich ziehen unter meine künstlerische Arbeit in Guben", sagte sie in ihrer bewegenden Rede. "Ihr alle ward meine Familie, ja mein Leben, meine Freude und meine Träume."

Es war das erste Wiedersehen 24 Jahre nach der Auflösung des mehrfach ausgezeichneten Gubener Kinder- und Jugendchorchores "Ulrike". Gegründet hatte sich das Gesangsensemble als Kulturgruppe "Roter Stern" in der Dr. Theodor Neubauer Oberschule. Es wurde gesungen, getanzt, Kostüme wurden genäht und erste Auftritte absolviert.

Manchmal waren es 30 bis 40 Konzerte im Schuljahr, die der Chor im In- und Ausland absolvierte.

Stolz ist "Mutter Gleisert", wie sie liebevoll von ihren Sängerinnen und Sängern genannt wurde, auf die vielen Konzerte im Filmtheater "Friedensgrenze", im Volkshaus, auf die Zusammenarbeit mit dem Kulturhaus des Chemiefaserwerkes, mit der Folkloregruppe, dem Stadtchor und polnischen Künstlern. Doch nicht nur künstlerisch, sondern auch politisch engagierte sich die damals wie heute quirlige Frau. Sie trat in die LDPD ein, wurde Kreistagsabgeordnete in der Kulturkommission und in den Präsidialrat des Kulturbundes nach Berlin delegiert, wo sie in der Abteilung Chormusik tätig war und die Europa-Kantats mit begleiten durfte.

Ganz besonders freute sich "Mutter Gleisert" am Samstag über den Besuch der Familie Koob. Ihre Tochter Ulrike ist sozusagen Namensgeberin des Chores. Nach ihrem überraschenden Tod war es Evelyn Gleisert-Ohnheiser damals ein Anliegen, ihr mit der Umbenennung von "Roter Stern" in Chor "Ulrike" eine Ehre zu erweisen. Das war damals nicht ganz einfach und bedurfte nach großem Widerstand aus den SED-Reihen eines Anrufes bei Egon Krenz. "Ich bin der Familie Koob so dankbar, dass sie der Namensgebung zugestimmt haben", so die ehemalige Chorleiterin.

Doch auch ehemalige Sängerinnen erinnerten sich am Samstag an die schönen Chorzeiten. So wie Malina Schneider, die mit acht Jahren als schüchternes Mädchen zum Ensemble kam, wie sie selbst erzählte. "Ich wurde durch das Chorleben geprägt, denn Evelyn war für mich und für viele von uns nicht nur wie eine Mutter, sondern auch Freundin", sagte sie. Und weil das an diesem ganz besonderen Nachmittag viele so empfunden, kam der Wunsch und zugleich Vorschlag auf, Evelyn Gleisert-Ohnheiser als Ehrenbürgerin der Stadt Guben aufzunehmen. "Sie hat unfassbar viel für die Kulturlandschaft in Guben für alle Generationen getan", so waren sich die Teilnehmer des Chortreffens einig.