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Ein Ort umgeben von Kiefernwald und Obstbäumen

Das Schloss in Steinsdorf.
Das Schloss in Steinsdorf. FOTO: Bergmann
Guben/Steinsdorf.. Das Angerdorf ist etwa neun Kilometer von Guben entfernt. Der Radler erreicht es über Groß Breesen und Sembten. Er wird die schöne alte Kirschallee vermissen. Wo die riesigen Windräder Strom erzeugen, gab es vor 20 Jahren noch Obstplantagen. H.-Joachim Bergmann

Die neue Straße hat keinen Radweg, sie erhält aber wieder Obstbäume.
Zwischen Sembten und Steinsdorf liegen Waldgruppen und Felder, am Rande des Angerdorfes befindet sich eine alte Streuobstwiese mit gepflegten Kirschbäumen.
Das Dorf ist geprägt von der Fachwerkkirche mit barockem Turm aus dem Jahre 1749 und dem Gut. Die Eichentruhe mit Eisenbeschlägen in der Kirche dürfte aus dem 14./15. Jahrhundert sein und schon in der Vorgängerkirche gestanden haben. Eine ähnliche Truhe steht in Koporno (Küppern), die auch aus einer Vorgängerkirche stammt. Die schöne Fachwerkkirche ist Teilkirche von Bomsdorf. Zum Kirchspiel gehörte früher auch Schwerzko.
Steinsdorf wird im Jahr 1310 urkundlich erwähnt. Im Jahre 1387 hieß es Stensdorff. Von 1280/81 bis 1817 gehörte das Dorf zum Kloster Neuzelle. Es wird lange Zeit verpfändet, so im 16. Jahrhundert an die von Bomsdorf und von Luck, dann im 17. Jahrhundert an die von Kiekepusch (Kiekebusch). Im Jahr 1587 ist Joachim von Kiekebusch vom Abt bewilligt worden, das Schulzengut „zur besserung des Vorwergks“ aufzukaufen. Es lag in unmittelbarer Nähe des Rittergutes, gegenüber der Kirche.
Zur Pfandsherrschaft gehörten ein „Fincken herdt“ (Vogelfangplatz), eine Schäferei (1580 eingerichtet) und ein Weinberg (1590 in Richtung Coschen gelegen). Der Gutspark wurde in der Mitte des 18. Jahrhunderts angelegt.
Durch die preußische Agrarreform im Jahr 1817 wird das Gut Domäne, das mit den Vorwerken Breslack und Lau schütz verpachtet wurde. Der letzte Pächter bis zum Jahr 1945 war die Familie Ranft. Das Schloss wurde nach dem Krieg von „Umsiedlern“ (Heimatvertriebenen) genutzt. Ein Gedenkstein auf dem Hof des Schlosses erinnert daran: „Ruhm und Ehre den Befreiern vom Faschismus.“
Im Schloss wurde eine Konsumgaststätte untergebracht und eine Arztpraxis. Auch heute beherbergt es eine Zahnarztpraxis. Das Hauptgebäude ist äußerlich weitgehend saniert worden. Auf dem großen Hof sind noch ältere Gebäude und Zweckbauten, die keine Nutzung mehr haben.
Das große Schulgebäude wurde im Jahr 1962 gebaut und wird von Steinsdorfer Schülern und denen aus umliegenden Dörfern genutzt.
Von Steinsdorf aus kann der Radler verschiedene Wege nutzen, ein interessanter führt durch den Kiefernwald nach Schwerzko zur Schwerzkoer Mühle.
Steinsdorf dürfte durch Ansiedlung deutscher Bauern nach der Gründung des Klosters Neuzelle im Jahr 1268 entstanden sein. Slawische Keramik wurde hier nicht gefunden. Die Flurnamen sind überwiegend deutsch.
Der große Anger im Dorf wird von einem Graben durchzogen. Dieser führt das Wasser zum Teich. Die alten Häuser standen meist traufseitig zum Anger, eine Treppe führte zum ihm. Die zumeist sanierten Häuser bilden eine ungeordnete Ansammlung von Häusern um den Anger. Auch Steinsdorf hatte in seiner Geschichte unter Krieg und Not zu leiden. Ein Gedenkstein erinnert hinter der Kirche daran. Das hölzerne Kreuz aber zwischen Steinsdorf und Coschen ist verschwunden. Die Sage berichtet, dass ein Bauer aus Bresinchen einen polnischen Bauer erschlagen habe, weil er ihm sein Fuhrwerk abzunehmen wollte. „Das Holzkreuz ist von mitleidigen Menschen errichtet worden, vertrat dieses wohl das Mord- und Sühnekreuz, welches früher der Mörder zu setzen hatte“ , so Karl Gander.