| 02:38 Uhr

Ein neuer Ort für Begegnungen

Erbaut 1984, restauriert 2000, zerstört 2011 – der Fischkopfbrunnen von Sigrid Noack.
Erbaut 1984, restauriert 2000, zerstört 2011 – der Fischkopfbrunnen von Sigrid Noack. FOTO: Barbara Remus
Guben. "Das Schlimmste, was man einem Künstler antun kann, ist sein Werk zu zerstören", hatte die Gubener Künstlerin Sigrid Noack noch vor wenigen Wochen zur RUNDSCHAU gesagt – und damit auch ihren Fischkopfbrunnen gemeint, der 2011 während der Umgestaltungsarbeiten an der Klaus-Herrmann-Straße zerstört wurde. Übrig geblieben waren nur die Fischköpfe. Daniel Schauff

Die sollen nun einen neuen Standort erhalten - ein neuer Brunnen soll neben der Egelneiße und gegenüber der Postsäule entstehen, unter Verwendung der noch vorhandenen Fischköpfe. Das erklärt Gubens amtierender Bürgermeister Fred Mahro auf Nachfrage, nachdem Kämmerer Björn Konetzke in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung nur kurz und knapp auf die Position im Haushaltsentwurf für 2017 und 2018 eingegangen war. "Auch dort soll etwas passieren", hatte Konetzke gesagt. Mit mindestens 80 000 Euro rechnet die Stadt zum aktuellen Zeitpunkt für den Bau des neuen Brunnens. "Eine genauere Angabe kann erst nach Fertigstellung der Leistungsbeschreibung erfolgen", so Mahro.

Die Pläne zum Bau eines neuen Brunnens sind nicht neu. Auch die Standortwahl war bereits in den vergangenen drei Jahren immer wieder diskutiert worden. Mitte 2016 hatte Fred Mahro bereits darauf verwiesen, dass Geld für einen Brunnenbau erst im aktuellen Haushalt gestellt werden könne.

Fördermittel für einen Brunnenbau gibt es nicht. Die Stadt muss aus eigener und nicht gerade prall gefüllter Tasche zahlen. Damit bleibt das Projekt zunächst nur ein Plan - die Stadtverordneten haben die Diskussion zum Haushalt noch vor sich.

Auch deshalb bleibt Künstlerin Sigrid Noack vorerst vorsichtig mit einer Reaktion auf die Pläne der Stadt. Dennoch - das betont sie, würde sie ein Neubau im Herzen der Stadtmitte freuen. Ein Brunnen, sagt sie, sei auch immer ein Ort der Begegnung. Stehe ein neuer Brunnen am Gubener Dreieck, würde er nicht nur zu einem Begegnungsort für Gubener, sondern auch für Gubiner. Nicht zuletzt während der grenzüberschreitenden Feste, dem Frühlingsfest und dem Weihnachtsmarkt, steht das Gubener Dreieck im Mittelpunkt der Begegnungen von Deutschen und Polen.

Einen weiteren Aspekt nennt Künstlerin Sigrid Noack: Der Bau eines Brunnens mit den vom Fischkopfbrunnen verbliebenen Kopf-Skulpturen wäre auch ein Zeichen dafür, dass die Arbeit des Kunst- und Kulturbeirats Erfolg habe. Der hatte sich 2014 unter anderem im Zuge der Diskussionen über den zerstörten Fischkopfbrunnen gegründet und sieht seine Aufgabe auch darin, Kunstwerke im Stadtgebiet zu schützen. Kurzfristig soll der Kunst- und Kulturbeirat auch in der Hauptsatzung der Stadt Guben verankert werden - als dem Seniorenbeirat gleichwertiges Gremium.

Der Haushalt 2017 und 2018 der Stadt Guben steht ab kommender Woche auf der Tagesordnung der Fachausschüsse. Mit einem Beschluss der Stadtverordneten rechnet der amtierende Bürgermeister erst in der übernächsten Stadtratsitzung. Dann könnte auch beschlossen sein, das Geld für den neuen "Ort der Begegnung" zur Verfügung zu stellen.

Zum Thema:
Der Fischkopfbrunnen von Sigrid Noack wurde 1984 von der Künstlerin an die Stadt übergeben. In den Jahren 1999/2000 wurde der Brunnen mit Fördermitteln saniert. Im Zuge einer geplanten Umgestaltung an der Klaus-Herrmann-Straße 2011 sollte der Brunnen abgetragen werden und wurde bei den Arbeiten zerstört. Damit wurde der Fischkopfbrunnen zum Politikum in Guben. Mit einem Neubau in der aktuellen Haushaltsperiode könnte ein jahrelanger Streit um das Gubener Kunstwerk zu Ende gehen.