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| 02:44 Uhr

Ein Modell für ein modernes Europa

Guben/Gubin. Die sichtbar fortschreitende deutsch-polnische Sanierungsbaustelle der ehemaligen Gubener Stadt- und Hauptkirche in Gubin wird zunehmend zu einem modernen "Wallfahrtsort". Denkmal- und Sanierungsexperten aus Europa treffen sich regelmäßig zum Erfahrungsaustausch im Herzen der Eurostadt Guben-Gubin. Gestern war Florian Mausbach da. Beate Möschl

Mausbach war seit 1995 als oberster Bauchef der Bundesrepublik für den Umbau der Hauptstadt Berlin zum repräsentativen Regierungssitz zuständig. Er hat in dieser Eigenschaft sämtliche großen Bauvorhaben initiiert und durch Wettbewerbe vorbereitet, angefangen vom Reichstag bis zu den neuen Bundesbauten entlang der Spree sowie allen Bundesministerien in Berlin. In der Eurostadt Guben-Gubin hat er sich auf Anhieb wohl gefühlt. Diesen Eindruck vermittelte ein kurzes Gespräch im Infozentrum des Fördervereins zum Wiederaufbau der ehemaligen Stadt- und Hauptkirche nach einem ersten Rundgang in der Ruine der spätgotischen Backsteinkirche. Der gemeinsame Wiederaufbau fasziniert: "Ich finde die Idee sehr überzeugend. Die architektonische Gestaltung des Kirchenschiffs ist der nächste Schritt. Er sollte auf höchstem Niveau erfolgen", sagt Mausbach. Er sieht Potenzial als Modellprojekt für ein modernes Europa, wenn es gelingt, Altes und Neues geschickt zu verbinden.

In diesem Sinne rät der erfahrene Fachmann, gut zu überlegen, ob man wieder ein Kirchenschiff baut, wie es mal war, oder ein anderes Dach und das komplett oder nur teilweise, sodass der Charakter der Ruine, "ein Teil der Wunden dieser Stadt", erhalten bleibt und erinnert. Der Wiederaufbau kann die Doppelstadt enorm bereichern, ist Mausbach überzeugt. "Es ist eine schwierige Lage hier im Grenzraum. Die Stadt ist schön, aber sie ist leer. Es muss wieder ein wirtschaftliches Fundament entwickelt werden. Wenn man so auf sich aufmerksam macht, zieht das auch andere Unternehmen an", sagt er.

Auf das Projekt gestoßen ist er eher durch Zufall, als er eine Fachtagung mit Stadtplanern in Stettin organisiert hat, erzählt er. Und über Jakub Bartczak, Gründungsmitglied der Stiftung Kirche Gubin und Projektleiter bei PepComm für die deutsch-polnische Unternehmensberatung. Und weil er sich für das Verhältnis zwischen Deutschland und Polen interessiert. Mausbach ist überzeugt: "In den nächsten 20 Jahren wird Polen eine wichtige Rolle einnehmen als Bindeglied zwischen West- und Osteuropa."

Am Mittwoch war er ein begehrter Gesprächspartner auf Gubener und auf Gubiner Seite. Geht es doch um die Vorbereitung des internationalen Architekturwettbewerbes zur Gestaltung des Kirchenschiffs. Die Auslobung soll im Januar 2013 erfolgen. Bis dahin muss jedes Steinchen des weiteren Wiederaufbaus berücksichtigt sein, wie Anna Dziadek von der Bauhütte Kirche Gubin zum Ausdruck bringt. "Die Vorbereitung des Wettbewerbs ist die wichtigste Phase, wir müssen wissen und sagen, was wir wollen. Wir sind sehr froh und stolz, dass wir dabei auf renommierte Experten aus ganz Europa bauen können, und dass sich Florian Mausbach für unser Projekt interessiert."

Von polnischer Seite waren am Mittwoch Vertreter des Denkmalschutzamtes aus Zielona Gora (Grünberg), Architekten aus Polen, der Leiter des Schlesischen Zentrums für Kulturgüter, Prof. Jacek Owczarek vor Ort sowie Barbara Bielinis-Kopec, Konservatorin aus Zielona Gora, der Gubiner Bürgermeister Bartlomiej Bartczak und seine Mitarbeiter Krzysztof Olifirowicz-Kalinowicz und Anna Wrobel. Die Gubener Seite war durch Fördervereinschef Günter Quiel und Gubens amtierenden Bürgermeister Fred Mahro vertreten.