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Ein Leben voller Musik in der Pinnower Kirche

Gunter Herrmann leitet zwei Kirchenchöre.
Gunter Herrmann leitet zwei Kirchenchöre. FOTO: utr1
Pinnow. Volkslieder aus mehr als 70 Sängerkehlen erklangen am Samstagnachmittag in der Pinnower Dorfkirche. Anlass für das Festkonzert war der 75. Geburtstag von Gunter Herrmann, der die Kirchenchöre Grano-Pinnow und Atterwasch-Kerkwitz leitet. utr1

Seinen Geburtstag feierte der quirlige, lebensfrohe Chorleiter bereits im August auf Reisen. Doch auch mit seinen Sangeskollegen wollte er diesen Geburtstag noch gebührend begehen. Auf der Bühne standen die Sänger der Kirchenchöre Grano-Pinnow, Atterwasch-Kerkwitz, der gemischte Chor Grano sowie der Männergesangsverein Noßdorf. Die Leitung übernahm natürlich das Geburtstagskind.

Musik ist sein Leben, das merkt man Gunter Hermann an. Die Musik ist es auch, die ihn jung und agil hält - und das trotz einer schweren Erkrankung seit der Kindheit. Er liebt alle Musikrichtungen - von Klassik bis Rock. Mit sechs Jahren bekam er dreieinhalb Jahre lang Klavierunterricht in Guben bei Adelheid Brose. Doch er wollte Akkorden lernen. Leider konnten ihm seine Eltern das nur eineinhalb Jahre lang finanzieren. Und so übte er alleine weiter, lernte auch Gitarre spielen und die Trompete blasen. Mit 18 Jahren gründete er seine "Elite-Band", die rund um Guben bestens bekannt war. Bis zu ihrer letzten gemeinsamen Mucke am 1. Mai 1962 haben sie in vielen Kneipen zum Tanz gespielt.

Dann wurde Gunter Herrmann zur Bereitschaftspolizei eingezogen. Doch auch dort erkannte man sein musikalisches Talent schnell. Und so stellte er selbst dort eine Band zusammen. Das Repertoire umfasste die damals neuesten Hits und die der vergangenen Jahre.

Mehr 30 Jahre lang hat Gunter Herrmann die Trompete im Posaunenchor Guben geblasen. Vor 14 Jahren kam er als Sänger zum Kirchenchor Grano/Pinnow, den er seit 13 Jahren leitet. In der Frauenkirche in Dresden haben sie ebenso gesungen wie in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin. Jeweils am 1. Advent findet traditionell ein Konzert in der Kirche in Pinnow statt, bei dem auch der Noßdorfer Männerchor dabei ist. Vor zwei Jahren hat Herrmann auch den Atterwascher Chor übernommen. "Es macht eben soviel Spaß, deshalb konnte ich nicht nein sagen", sagt er. Mindestens noch zehn Jahre will er weitermachen.

Die Chöre sangen ihm zu Ehren Lieder, die jeder kennt. Emotional wurde es zum Schluss, als das Lied "Russisches Vesper" erklang. Das Lied hatte Herrmanns Vater aus der russischen Gefangenschaft mitgebracht und bei Besuchen im Gubener Krankenhaus oft gesungen. Das ursprünglich zweistimmige Lied hat Martin Herrmann, Bruder des Jubilars und selbst Kantor, vierstimmig für die Chöre umgeschrieben.