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| 18:32 Uhr

Ein kleines Mammutprojekt

Die Groß Drewitzer Landfrauen packen mit an. Für sie gibt es im Kastanienhof bald einen eigenen Raum.
Die Groß Drewitzer Landfrauen packen mit an. Für sie gibt es im Kastanienhof bald einen eigenen Raum. FOTO: Silke Halpick
Groß Drewitz. Als der Reporter kommt, gibt's Kuchen. Und Kaffee. Nicht, weil der Reporter da ist, sondern weil sich die Groß Drewitzer Landfrauen ihren Kuchen und den Kaffee redlich verdient haben. Außerdem ist Ortsvorsteher Peter Rassmann da. Auch nicht wegen des Reporters, sondern wegen des Hauses, auf dessen Hof Landfrauen und Ortsvorsteher gerade sitzen. Daniel Schauff

Jeden Montag treffen sich rund ein Dutzend Frauen hinter dem einstigen Kastanienhof, um "Steine zu klopfen". Die kommen aufs marode Dach der einstigen Gaststätte, damit der Regen nicht mehr freie Bahn in die Räume des seit rund 15 Jahren leer stehenden Gebäudes hat. "Die Landfrauen bekommen einen Raum im Haus", sagt Ortsvorsteher Rassmann. Da kann man schon mal ein paar Steine klopfen, auch wenn ein Teil der Frauen ihre 80. Geburtstage schon vor ein paar Jahren gefeiert haben.

Das letzte Stück Kuchen ist für Ulrich Heß, Malermeister aus Groß Drewitz und eine Art "Hans Dampf in allen Gassen", wenn es um das marode Gebäude auf dem Lübbinchener Weg geht. Sofern seine Handwerkskünste reichen, bringt er das Innen- und Außenleben des Hauses wieder auf Vordermann. Aus dem Maler wird dann ein Maurer, ein Installateur und Restaurator - nach Feierabend. Bis nach Mitternacht wird er werkeln. Geld dafür gibt's nicht. Schließlich sind so gut wie keine Fördermittel geflossen, um die einstige Gaststätte zu einem Begegnungszentrum für die Groß Drewitzer zu machen, wie Rassmann sagt. Für den Kauf gab es 35 000 Euro Bundesmittel für den jetzigen Eigentümer, den in Groß Drewitz beheimateten Lutzketal-Verein. Die 200 000 Euro vom Bundesfamilienministerium, die für die Errichtung eines Mehrgenerationenhauses beantragt waren, kamen nicht. Also nehmen die Groß Drewitzer das Projekt selbst in die Hand. Was Heß selbst nicht schafft, übernehmen andere Profis.

Die ersten Handgriffe, sagt Heß, habe er bereits 2015 getan, die vorläufig letzten sind im September geplant. Dann, sagt Ortsvorsteher Rassmann, würden voraussichtlich die sanitären Anlagen schon einmal in Gang gebracht sein. Nach und nach sollen im Kastanienhof dann wieder Veranstaltungen angeboten werden, von Filmabenden über Skat-Runden bis hin zu Verkehrsteilnehmerschulungen.

"Wenn du dir etwas vorstellen kannst, solltest du es unbedingt versuchen", steht auf einem Werbeplakat auf Heß' Arbeitsweg. Dem Malermeister fällt kein besserer Satz ein, um das kleine Mammutprojekt in Groß Drewitz treffend zu beschreiben, sagt er.