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"Ein interessantes Thema ist es ja”

Guben. Irgendwann in einer Stadtverordnetenversammlung hat Gubens amtierender Bürgermeister Fred Mahro einmal gesagt, er würde die Bürgerrunden auch dann abhalten, wenn keiner käme. Dann nehme er eben seinen Computer mit und arbeite im großen Ausstellungsraum der alten Färberei. Daniel Schauff

Seinen Computer hatte Mahro am Mittwochabend tatsächlich dabei, zum Tagesgeschäft kam der Rathauschef aber nicht. Gut 30 Gäste waren gekommen, um ihre Fragen an ihn zu stellen, mehr als doppelt so viele wie bei der ersten Auflage der Bürgerrunde.

Eine 30-Zone im Bereich Cottbuser Straße und Luxchenweg und neue Papierkörbe in der Karl-Marx-Straße - einige Beispiele dafür, dass nach der ersten themenoffenen Bürgersprechstunde in Guben in der Tat etwas passiert ist. Dafür und ganz allgemein für die Arbeit der Stadtverordneten gab es sogar ein Dankeschön eines Gastes. Nicht ganz so viel Dank erntete Mahro für das Stadtentwicklungskonzept. Von außen nach innen wird Guben zurückgebaut. Tausende Wohnungen sollen in den nächsten Jahren verschwinden. "Ein interessantes Thema ist es ja", befand einer der Gubener. Ein Bewohner der Obersprucke positionierte sich entschieden gegen die Umstrukturierungsmaßnahmen. Bewohner in den Blöcken in der Neustadt lebten bereits 50 Jahre und länger in ihren Wohnungen und wollten nicht raus - zumal einige der Bauten echte Goldstücke in Guben seien.

"Emotional kann ich alles verstehen", sagte Mahro, fügte aber hinzu: "Wer mir sagt, dass ein Block nicht abgerissen werden darf, muss mir aber auch sagen, wo die 200 Wohnungen stattdessen abgerissen werden sollen." Alternativen zum Rückbau gibt es laut Rathauschef nicht. Der künftige Leerstand, so Mahro, würde ohne Abriss auch dazu führen, dass Mieter irgendwann 70 Cent mehr pro Quadratmeter zahlen müssten. Mahro: "Das kann keiner wollen."

Kritik an der Geschäftsführung der Gubener Wohnungsgesellschaft (Guwo) wies der Rathauschef zurück. Die Gesellschaft habe sich erst unter Peter Wiepke und Martin Reiher finanziell wieder stabilisiert. Darüber hinaus sei der Leerstand bei der Guwo rund dreimal so hoch wie der bei der Gubener Wohnungsbaugenossenschaft (GWG). Da helfe es nicht mehr, einzelne Stockwerke oder Aufgänge von Wohnblöcken abzutragen.

Der Abriss von Wohnungen blieb allerdings bei Weitem nicht das einzige Thema des Abends. Der Bau des Einkaufszentrums in Gubin treibt einigen Gubenern Sorgenfalten ins Gesicht: Was passiert dann mit der Gubener Innenstadt? Es werde künftig noch mehr leer stehende Gewerbeflächen geben, sagte Mahro. Damit solle man sich zwar nicht abfinden, dem müsse man aber ins Auge sehen.

Mahro verwies zudem noch auf den zunehmenden Vandalismus in Guben, teils direkt vor den Augen von Zoll und Bundespolizei. "Wie frech kann man sein?", fragte der Verwaltungschef und erntete Zustimmung. Gute Nachrichten gab es aus dem Industriegebiet Süd. In den vergangenen drei Jahren, sagte Mahro, seien mehr Arbeitsplätze dort entstanden als je zuvor seit der Wendezeit.

Zum Thema:
Der Stadtumbau soll bei einem Bürgerforum öffentlich diskutiert werden. Angesetzt ist ein Termin am Mittwoch, 30. August, um 18 Uhr in der Alten Färberei. Der allerdings sorgte bei der offenen Bürgersprechstunde am Mittwochabend für Kritik. Schließlich liege er in der letzten Ferienwoche. Ob es nicht möglich sei, den Termin zu verschieben, frage ein Gast. Der amtierende Bürgermeister sagte zu, den Vorschlag in die Verwaltung mitzunehmen, könne eine Verschiebung aber nicht versprechen, auch wegen folgender Stadtratssitzungen.