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| 01:06 Uhr

Ein Besuchermagnet in der Grießener Neißeaue

Grießen.. Vor zehn Jahren nahm das Wasserkraftwerk Grießen (WKW) offiziell wieder seinen Betrieb auf. Seitdem entwickelte sich der schöne Klinkerbau außerdem zunehmend zu einer Touristenattraktion. Barbara Remus

Aussichtsturm, Oldtimerausstellung, Ruderpartie auf dem Oberwasserkanal oder Spaziergänge - alles ist möglich.
Vor allem Radwanderer streben das in der Neißeaue gelegene Kraftwerk an. Sie kommen auf den neuen Radwanderwegen aus Richtung Guben und aus Forst. Erstmals geschieht das im Jahr zuhauf zum 1. Mai, dann noch einmal zu Himmelfahrt und zu Pfingsten.
In den Sommermonaten ist sonnabends und sonntags ein Biergarten auf der Terrasse mit Blick auf den Oberwasserkanal geöffnet. Auf dem Kanal kann in südlicher Richtung auch ein Paddel- oder ein Tretboot benutzt werden.
Außer dem edlen Gerstensaft gibt es im Biergarten einen kleinen Imbiss. Wer unter der Woche mit Speis und Trank versorgt werden möchte, sollte zuvor Elfriede Fabian anrufen, Telefon (035696) 51 21. Für den großen Hunger ist die Gaststätte im Dorf geeignet.
Neben der Terrasse am Wasserkraftwerk befindet sich der Maschinensaal, in dem auch schicke Oldtimerautos und Deutz-Motoren ihren Platz haben. Und wer sich die ganze landschaftliche Herrlichkeit einmal von oben besehen möchte, steigt dazu auf den Aussichtsturm. Weit ins Land in nördlicher, östlicher und südlicher Richtung reicht von dort der Blick.
Wer sich die umliegende Flusslandschaft zu Fuß erschließen möchte, kann entlang des Oberwasserkanals die etwa 1000 Meter bis zum großen Neißewehr gehen. Der Rundweg entlang des stark gewundenen Neißeverlaufs zurück zum Kraftwerk misst etwa drei Kilometer, sagt Kraftwerksbesitzer Siegfried Weber. Mitunter versperrt jedoch ein Weidezaun den Rundweg.
Gewandert werden kann auch auf dem alten Kopfsteinpflasterweg in Richtung Grießener Kinderheim und dann durch das Dorf zurück zum Kraftwerk. Da müsse man allerdings etwa vier Kilometer Fußmarsch einplanen, sagt Weber.
In Grießen selbst lockt die unter Denkmalschutz stehende Wehrkirche zur Besichtigung. Anmeldungen sind zuvor bei der Kirchenältesten Lieselotte Helmes, Telefon (035696) 2 44, erforderlich. Und um Maschinenraum und Oldtimerausstellung im Wasserkraftwerk in Augenschein nehmen zu können, ist eine Vorabsprache unter der Rufnummer (035696) 2 13 möglich. Wer möchte, kann bei der Gelegenheit auch Interessantes aus der Geschichte des WKW erfahren.
Seit es erstmals seinen Betrieb aufnahm, sind fast 75 Jahre ins Land gegangen. Seine Errichtung hatte die damalige Niederlausitzer Überlandzentrale GmbH Calau (Nuc) weit über zwei Millionen Reichsmark gekostet. Noch im Be-triebnahmejahr lieferte das WKW damals 2,5 Millionen, im zweiten Betriebsjahr 4,5 Millionen Kilowattstunden Elektroenergie.
Im Zweiten Weltkrieg wurden Wasserkraftwerk und daneben stehendes Wohnhaus schwer beschädigt. Deutsche Pioniertruppen sprengten außerdem bei ihrem Rückzug im Februar und März 1945 die Wehranlage und das Einlaufbauwerk mit allen Schützen und Grobrechen sowie drei der vier Brücken über die beiden Kanäle und am Maschinenhaus. Doch dank großartiger Instandsetzungsarbeiten ging das Wasserkraftwerk bereits am 1. Dezember 1945 wieder in den Dauerbetrieb. Es funktionierte bis zum Mai 1968. Dann wurde es trotz General-überholung des maschinentechnischen Teils im Jahre 1964 als letzte Wasserkraftanlage des damaligen VEB Energieversorgung Cottbus außer Betrieb genommen. „Die hochwertige und historisch wertvolle Stromerzeugungsanlage des WKW wurde demontiert, zerschnitten und dem Schrottaufkommen der DDR zugeführt. Das Kraftwerks- und die Betriebsgebäude, das Wohnhaus und die wasserwirtschaftlichen Anlagen übergab man der ,Wasserwirtschaftsdirektion Spree-Oder-Neiße' zur weiteren Nutzung“ , ist in der Broschüre zu lesen, die anlässlich des 70-jährigen Bestehens des Grießener Wasserkraftwerkes im Jahre 1999 vom jetzigen Kraftwerkseigentümer erarbeitet und herausgegeben wurde. Der selbstständige Elektromeister kaufte das einstige Wasserkraftwerk im März 1992 und begann bereits einen Monat später mit seiner Wiederinbetriebnahme.
Fenster, Türen, Tore, Fassaden, Dach und Dachstuhl sowie Stauanlage und Einlaufbauwerk wurden erneuert. „Die Stauanlage erhielt nun drei hydraulische Schützentafeln und eine vom Wasserstand abhängige, elektronisch gesteuerte Doppelschützanlage. Aus dem Ober- und Unterwasserkanal mussten etwa 48 000 Kubikmeter angelandeter Neißekies ausgebaggert werden“ , ist in der genannten Broschüre zu lesen. Der Turm wurde von zwei Seiten neu ausgemauert und so wieder nutzbar.
Am 1. Juli 1993 - und damit zum dritten Mal im 20. Jahrhundert - erfolgte die offizielle Wiederinbetriebnahme des Grießener Wasserkraftwerkes. Jährlich erzeugt es 4,8 Millionen Kilowattstunden umweltfreundliche Elektroenergie.