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| 11:18 Uhr

Ein Bahnhof in der Warteschleife

Eisenhüttenstadt.. Eine am Montag in Potsdam zwischen Bahn und Land Brandenburg abgeschlossene Rahmenvereinbarung zur Modernisierung brandenburgischer Bahnhöfe hat in naher Zukunft keine direkten Auswirkungen auf Eisenhüttenstadt. Wie ein Bahnsprecher bestätigte, ist in der Liste der Bahnhöfe, die in den nächsten Jahren modernisiert werden sollen, Eisenhüttenstadt nicht enthalten. Bis zum Jahr 2007 wollen Bahn und Land 110 Millionen Euro in brandenburgische Bahnhöfe investieren. Von ANDREAS WENDT (moz)


Es gibt gute und schlechte Nachrichten. Die gute: Nach längeren Bauarbeiten müssen Bahnkunden ab kommender Woche nicht mehr mit dem Bus, also per Schienenersatzverkehr, nach Frankfurt (Oder) ruckeln und zuckeln, sondern können wieder von Eisenhüttenstadt direkt nach Berlin durchfahren. Bald auch durchrauschen, denn die Fahrtzeit wird sich schon in absehbarer Zeit auf gut eine Stunde reduzieren, weil der Regionalexpress der Linie 1 nur an den größeren Stationen halten wird. Die schlechte: auf den modernen Nahverkehrszug warten müssen die Fahrgäste auch weiter in einer Bahnhofshalle und auf Bahnsteigen, die keine Lust auf die Bahn und auf Eisenhüttenstadt machen.
Bis 2007 wollen Deutsche Bahn und Land Brandenburg 110 Millionen Euro in Brandenburgs Bahnhöfe investieren, ob aber auch der von Eisenhüttenstadt dabei ist, kann niemand so recht sagen. Bestandteil des Sofortprogramms ist er jedenfalls nicht, und das, obwohl Stadtverwaltung und EKO Stahl seit Jahren auf eine Modernisierung drängen und gern ihren Teil dazu beitragen wollen. Sogar die Vorstellungen existieren in der Verwaltung und sind zum großen Teil mit der Bahn abgestimmt. Der Mittelbahnsteig soll verschwinden und stattdessen der Zugang zum Zug über Außenbahnsteige ermöglicht werden. Vorteil: Der Fahrgast kann vom Bus direkt in den Zug einsteigen, ohne mit Koffern den beschwerlichen Weg in den schmuddeligen Tunnel und von dort wieder hinauf auf den Bahnsteig antreten zu müssen.
Doch das alles ist Zukunftsmusik. „Eisenhüttenstadt ist nicht mit in der Liste enthalten, und für den Bahnhof besteht nach unserer Einschätzung mittlerer Handlungsbedarf“ , sagt Bahn-Pressesprecher Andreas Fuhrmann. Dennoch will Fuhrmann nicht komplett ausschließen, dass nicht auch der Eisenhüttenstädter Bahnhof zu den etwa 220 Stationen gehört, die über das Programm bis 2007 modernisiert werden. Die betroffenen Bahnhöfe werden jedes Jahr einvernehmlich von Land und Bahn festgelegt. Zwei Drittel aller Bahnhöfe im Land sollen von der Modernisierungskur profitieren.
Wolfgang Perske, Geschäftsbereichsleiter Stadtmanagement bei der Kommune, kann nur hoffen, dass das Bahnhofslifting der Bahn um Eisenhüttenstadt keinen Bogen macht. Vor Pfingsten schon flatterte dem Stadtbediensteten eine Broschüre der Bahn ins Rathaus, in der der Eisenhüttenstädter Bahnhof mit aufgelistet war. Wolfgang Perske wertete dies als gutes Zeichen, dass es nun vorangehen könnte. Schließlich spukt in den Köpfen der Rathausverantwortlichen auch noch der Gedanke der Bahn herum, Eisenhüttenstadt könnte zum Haltepunkt degradiert werden. Doch das, sagt Bahnsprecher Andreas Fuhrmann, sei nicht zu befürchten und habe nichts mit dem Bahnhof an sich zu tun. „Ein Haltepunkt ist ein Bahnhof, der keine Weichen hat“ , definiert Fuhrmann. „Das sagt nichts über die Bedeutung aus. Mancher Haltepunkt ist stärker frequentiert als ein Bahnhof.“