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Guben
Ehrentafel für Gubener Autor

Zahlreiche Bücher von Klaus Herrmann gibt es auch in der Gubener Bibliothek auszuleihen. Annegret Fichtner zeigt einige der bekanntesten.
Zahlreiche Bücher von Klaus Herrmann gibt es auch in der Gubener Bibliothek auszuleihen. Annegret Fichtner zeigt einige der bekanntesten. FOTO: Silke Halpick / LR
Guben. Klaus Herrmann wurde vor 115 Jahren geboren. Seine Werke waren in der DDR sehr bekannt. Von Silke Halpick

Der Schriftsteller Klaus Herrmann wurde vor 115 Jahren in Guben geboren. Zu DDR-Zeiten gehörte er zu den meist gelesenen Autoren von Unterhaltungsliteratur. Den Gubenern bekannt ist vor allem der Roman „Die guten Jahre“ rund um eine Tuchfabrikantenfamilie. Anlässlich des Geburtstagsjubiläums soll es Ende September eine Festveranstaltung in der Gubener Bibliothek geben. Dann wird auch eine Ehrentafel eingeweiht.

Dass sich Klaus Herrmann das verdient hat, steht für Günther Lohse vom Gubener Kunst- und Kulturbeirat ohne jeden Zweifel fest. „Er ist der einzige wirklich bekannte Schriftsteller der Stadt“, begründet er. Seit dem Jahr 1990 trägt auch die ehemalige Leninallee in der Obersprucke den Namen Klaus-Herrmann-Straße. Damals bekamen auch andere Straßen die Namen von Gubener Persönlichkeiten wie Hugo Jentsch, Karl Gander, Corona Schröter, Johann Crüger oder Dr. Alfred Glücksmann verliehen.

In seinem Leben hat Klaus Herrmann mehr als 35 Bücher geschrieben, meist historische Romane, daneben aber auch Erzählungen und Theaterstücke. Oft erzählt er seine Geschichten an exotischen Schauplätzen und mit sozialkritischen Tendenzen. „Die Ägyptische Hochzeit wurde 13-mal aufgelegt, die haben Millionen gelesen“, sagt Lohse mit Enthusiasmus in der Stimme. „Die guten Jahre“ gelten allerdings als Hermanns bedeutendster Roman. Darin schildert er das Schicksal einer großbürgerlichen Familie vom Kaiserreich bis zum Beginn des Dritten Reiches in Guben.

Mit einer Kurzbiografie will Günther Lohse jetzt den in Vergessenheit geratenen Schriftsteller wieder ins Bewusstein der Neißestädter rücken. Gedruckt wird aktuell eine kleine Auflage von rund 20 Stück. „Für Museen und einzelne Interessierte“, sagt er.

Schon im Vorfeld der Festveranstaltung sollen sich Gubener Schüler mit Werken von Klaus Herrmann beschäftigen und dann ihre eigenen Interpretationen vortragen. Das sind zumindest die Vorstellungen von Günther Lohse. Geplant ist auch die Herausgabe eines Lesezeichens mit den wichtigsten Eckdaten des Schriftstellers, der am 4. August 1903 als dritter Sohn eines Unternehmers geboren wurde und später in Berlin und Jena studierte.

Bei seinen Recherchen stützt sich Günther Lohse auf Veröffentlichungen des Gubiner Germanisten und Historikers Krzysztof Gawronski. Dieser schrieb 1999 seine Diplomarbeit zum Thema „Klaus Herrmann als Schriftsteller und Publizist“ an der Poznaner Universität.

„Herrmann kämpfte gegen die Hitler-Diktatur und wurde immer weiter ausgegrenzt“, betont Lohse. Als freier Schriftsteller publizierte er in dieser Zeit nur sehr eingeschränkt und meist anonym. 1942 heiratete er seine Berufskollegin Luise Rinser, die den Homosexuellen durch die Scheinehe vor dem Konzentrationslager bewahrte.

In der DDR gehörte Herrmann zu den viel gelesenen Vielschreibern. Er selbst bezeichnete seine Arbeiten als „gehobene Trivialliteratur“, mit denen er sich seinen gehobenen Lebensstandard finanzierte. 1972 starb er mit 69 Jahren in Weimar.

Der Schrifsteller Klaus Herrmann soll eine Ehrentafel bekommen.
Der Schrifsteller Klaus Herrmann soll eine Ehrentafel bekommen. FOTO: FOTO-Werner