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| 17:06 Uhr

Respeklos und gefährlich
Feuerwehr im Einsatz beschimpft

FOTO: Fotolia
Guben  . Amtierender Bürgermeister stellt Jugendlichen Ultimatum: Entschuldigung oder Anzeige. Von Michéle-Cathrin Zeidler

Die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Guben wurden während ihres Löscheinsatzes am Freitag von einer Gruppe Jugendlicher verbal angegriffen, beleidigt und beschimpft.  „Die fünf bis sechs Pöbler waren sehr stark alkoholisiert“, sagt Rico Nowka, Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Guben. Bereits kurz nach dem Eintreffen der Feuerwehr an dem brennenden Abrissgebäude in der Gubener Feldstraße gegen 2.45 Uhr starteten die Jugendlichen ihre verbalen Attacken. „Einen objektiven Grund gab es für diesen Angriff nicht“, so Rico Nowka. Aus Sprüchen wie „Ihr seid ja alle zu blöde“ entnimmt der Wehrführer allerdings, dass die Löscharbeiten den Jugendlichen scheinbar nicht schnell genug gingen. „Wir hatten Probleme den Brand zu erreichen da es keinen direkten Zugang gab“, erklärt der Wehrführer. „In solchen Fällen müssen wir uns erst einmal einen Weg suchen.“ Dies sei normal und schließlich erreichte die Feuerwehr das brennende Gebäude über einen benachbarten Hof. „Die Beschimpfungen fanden vor allem in dieser Anfangssituation statt“, rekonstruiert der leidenschaftliche Feuerwehrmann. „Als wir uns schließlich mit der Brandbekämpfung beschäftigten sind die Jugendlichen abgezogen.“ Danach sei es ruhig gewesen.

Zu seiner zeitlichen Verzögerung kam es durch die verbalen Angriffe nicht. „Natürlich fühlten sich die Kameraden sehr gestört“, weiß Rico Nowka. „Allerdings hatten wir im Einsatz keine Zeit, uns mit den Jugendlichen auseinander zu setzen. Wir haben die Gruppe so gut es ging ignoriert und unsere Arbeit gemacht.“ Wütend sei er in diesem Moment trotzdem gewesen. „Solche Beleidigungen gehen schon ein Stück weit an die Feuerwehrmannseele“, gesteht Rico Nowka. „Schließlich sind wir alle mitten in der Nacht schnell aufgesprungen, um dieses Feuer zu löschen.“

Der amtierende Bürgermeister Fred Mahro reagiert ebenfalls wütend auf die verbalen Attacken gegen die Freiwillige Feuerwehr. Er hat mit den betroffenen Feuerwehrmännern gesprochen und zieht nun Konsequenzen. „Ich erwarte innerhalb der nächsten sieben Tage eine Entschuldigung von den Jugendlichen beim Brandmeister“, so der Rathauschef. „Andernfalls werde ich die Rechtslage prüfen und Anzeige erstatten.“ Mit diesem Ultimatum will er die Feuerwehr schützen. „Es kann nicht sein, dass Kameraden, die im Einsatz ihr Leben riskieren, beschimpft werden“, betont Fred Mahro.

Es ist nicht der erste Attacke auf die freiwillige Feuerwehr in Guben. „Aus dem vergangenen Jahr sind mir keine solchen Vorfälle bekannt, aber vor drei Jahren wurden wir während eines Einsatzes in der Silvesternacht beschimpft und sogar mit Böllern beworfen“, erinnert sich Rico Nowka. Insgesamt sieht er in der Bevölkerung aber einer Wertschätzung für die  Arbeit der freiwilligen Feuerwehr.  Dazu hätten insbesondere die Einsätze während der Hochwasser beigetragen. „Auch in dieser Nacht gab es einen positiven Gegenpol zu den Beschimpfungen“, verrät Nico Nowka. „Einige Anwohner haben uns nämlich mit heißen Getränken versorgt.“ Die verbalen Angriffe der Jugendlichen sieht er daher als große Ausnahme. „Natürlich war ich im ersten Moment sauer, aber mittlerweile ist der Vorfall abgehakt“, so Nowka. „Es ist schön zu wissen, dass der Bürgermeister so fest hinter uns steht. Aber ich bin mir nicht sicher, ob ein Ultimatum und eine Anzeige etwas bringen.“