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| 18:43 Uhr

Guben
Verletzt und vermisst

Hans-Joachim Hübscher und seine Görlitzer Kollegin Christiane Brußig hielten bei der Suchdienstübung alle Fäden in der Hand.
Hans-Joachim Hübscher und seine Görlitzer Kollegin Christiane Brußig hielten bei der Suchdienstübung alle Fäden in der Hand. FOTO: Ute Richter
Guben. DRK-Suchdienst probt den Ernstfall nach einem schwerem Unfall am Gubener Bahnhof. Von Ute Richter

„Am frühen Morgen ereignete sich am Samstag in der Nähe des Gubener Bahnhofes ein schwerer Unfall, der offensichtlich durch menschliches Versagen verursacht wurde. Ein aus Polen kommender Sonderzug kollidierte seitlich mit einem Regionalzug, der bereits in voller Geschwindigkeit Richtung Frankfurt (Oder) unterwegs war. In beiden Zügen gab es mehrere Verletzte. Insgesamt wird von 55 Betroffenen ausgegangen.“ – So oder so ähnlich könnte eine Meldung lauten, die die Leitstelle in Cottbus an Einsatzleiter Hans-Joachim Hübscher des Kreisauskunftsbüros (KAB) des Deutschen Rotes Kreuzes (DRK) meldet. Diesen möglichen Ernstfall haben am Samstag die Gubener gemeinsam mit Görlitzer Kollegen geprobt.

Es ging darum, vor Ort bei der Suche nach Angehörigen zu helfen, egal ob persönlich oder telefonisch. Passgenau und qualitativ gut müssen vor allem die Daten aufgenommen werden, um Vermisste auch finden zu können. Um neun Uhr saß jeder der 25 ehrenamtlichen Helfer an seinem Platz. Im Erdgeschoss standen die Ansprechpartner für die persönlich Suchenden bereit. Daten wurden aufgenommen, oft müssen im Ernstfall Angehörigen beruhigt werden. Gleiches geschah im ersten Obergeschoss telefonisch. Auch hier hieß es für die KAB-Mitglieder, Ruhe zu bewahren. Fragen wie „Wen suchen Sie? Von wo nach wo war derjenige unterwegs?“ mussten die fiktiven Angehörigen beantworten. Herausforderung der diesjährigen Übung: Unter den Verletzten sind auch Menschen aus Polen und Frankreich.

Die Verletzten des fiktiven Unfalls wurden ins Naemi-Wilke-Stift, ins Carl-Thiem-Klinikum in Cottbus oder in die Charité nach Berlin gebracht. Im Gubener Volkshaus wurde eine Notunterkunft eingerichtet. Nun galt es herauszufinden und die Angehörigen zu informieren, wer sich wo befindet. Die Mitarbeiter nahmen alle Daten auf und glichen diese mit Meldungen der Krankenhäuser und der Notunterkunft ab: Namen, Adresse, Geburtsdatum, körperliche Merkmale – so realitätsnah wie möglich gestaltete sich die Übung der Personenauskunftsstelle (PAST) des DRK. An mehreren Computern lief dann alles zusammen. Xenios heißt das elektronische interne Datennetz, das die Partner der Personenauskunftsstelle miteinander verbindet. Je nach Schadenslage ist die Xenios-Vernetzung lokal, landes-, aber auch bundesweit möglich. Dieses Mal sogar länderübergreifend.

Damit im Falle eines technischen Defektes nichts verloren geht, wird alles zusätzlich auf Karteikarten erfasst. Es geht darum, dass die PAST-Mitarbeiter Routine bekommen, damit im Ernstfall alles reibungslos läuft und sie besonnen reagieren. Doch ein bisschen Spaß bauen KAB-Chef Hübscher und seine Kollegin Christiane Brußig aus Görlitz stets in die Übung mit ein. Da heißt eine Suchende schon mal Sonja-Margot Honecker.

Über die Übung am Samstag sagt der KAB-Leiter: „Es ist nicht unrealistisch, dass so ein Szenario eintreten kann. Viele wissen gar nicht, dass es uns überhaupt gibt. Wir arbeiten in solch einem Fall im Auftrag des Landkreises und bringen im Ernstfall Menschen wieder zusammen“, so Hübscher. „Wir freuen uns, dass unsere Kollegen aus Görlitz heute mit vor Ort sind und uns unterstützen. Im Notfall wäre das möglicherweise nicht anders, denn unsere Personalausstattung ist begrenzt. Deshalb würden wir uns freuen, wenn sich Menschen finden, die uns unterstützen wollen. Besondere Anforderungen dafür gibt es nicht.“