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| 19:17 Uhr

Such-Experten aus Guben sind begehrt
DRK-Suchdienst probt den Ernstfall über Ländergrenzen

 Christiane Brußig vom Görlitzer KAB bekam bei der Übung Unterstützung vom Gubener KAB-Leiter Joachim Hübscher. 
Christiane Brußig vom Görlitzer KAB bekam bei der Übung Unterstützung vom Gubener KAB-Leiter Joachim Hübscher.  FOTO: DRK / Ute Richter
Görlitz/Guben. Gubener unterstützen die jüngere Görlitzer Einheit mit ihrer Erfahrung bei der Suche nach Angehörigen.

Es ist ein schreckliches Szenario:  Bei einer Jugendveranstaltung am Wochenende  in der Kulturfabrik Görlitz kam  es zu einer schweren Explosion. Noch ist unklar, wie viele junge Leute dabei verletzt wurden. Wichtig ist: Bei der Rettung der Verletzten zählt jetzt jede Sekunde.

Gottseidank war dies nur eine Übung, wo Gubener den Görlitzern zur Seite standen. Damit im Ernstfall Verletzte und Angehörige zusammengeführt werden können, trainierte kürzlich die Suchdienstgruppe des Roten Kreuzes in Görlitz mit Unterstützung der Gubener Kameraden den Ernstfall. Zum dritten Mal arbeiten die Sachsen mit den Brandenburgern länderübergreifend zusammen. „Den Suchdienst in Guben gibt es schon viele Jahre. Die Görlitzer ziehen seit ein paar Jahren nach. Deshalb greifen wir ihnen etwas unter die Arme und absolvieren die Übung jährlich wechselnd in Guben und Görlitz“, so Joachim Hübscher, Leiter des KAB in der Neißestadt. Die Einsatzleitung vor Ort in Görlitz hatte DRK-Mitarbeiterin Christiane Brußig.

Die Aufgabe der Übung: Während Rettungsdienst, Technisches Hilfswerk (THW) und Feuerwehr versuchen, die Personen aus den Trümmern der Kulturfabrik zu bergen, melden sich die ersten Angehörigen im Kreisauskunftsbüro (KAB) des Kreisverbandes Görlitz des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Görlitz. Dort laufen die Informationen über Verletzte, Retter, die vor Ort sind, und Angehörige zusammen, denn im Katastrophenfall wird das Kreisauskunftsbüro zum Suchdienst. Das Netzwerk muss im Ernstfall funktionieren.

Es ging darum, vor Ort bei der Suche nach Angehörigen zu helfen, egal ob persönlich oder telefonisch. Die Daten müssen exakt aufgenommen werden, um Vermisste auch finden zu können. Um 9 Uhr saßen die Görlitzer gemeinsam mit den Gubenern an ihrem Platz. Ansprechpartner für die persönlich Suchenden standen bereit. Daten wurden aufgenommen. Um alles so realistisch wie möglich zu gestalten, wurden die „Komparsen“ als fiktive Angehörige angehalten, sich so aufgeregt wie möglich zu verhalten. Das soll die Suchdienstmitarbeiter schulen, im Ernstfall beruhigend auf die Suchenden einzuwirken. Auch bei der telefonischen Suchannahme wurde realitätsnah gearbeitet. Hier gingen auch Anrufe aus Guben ein, denn oft  sind auf solchen Veranstaltungen auch Besucher von außerhalb. Wichtig für die KAB-Mitglieder: Ruhe bewahren. Fragen wie „Wen suchen Sie? Wann hatten sie das letzte Mal mit ihm Kontakt?“ mussten die Angehörigen beantworten. Aber auch  Namen, Adresse, Geburtsdatum, körperliche Merkmale wurden mit Meldungen der Krankenhäuser und der Notunterkunft abgeglichen.

An mehreren Computern lief alles zusammen. Das interne Datennetz Xenios  verbindet die Partner der Personenauskunftsstelle miteinander. Je nach Schadenslage ist die Xenios-Vernetzung lokal, landes-, aber auch bundesweit möglich. Dieses Mal sogar wieder länderübergreifend. Es stellte sich bei der Übung heraus, dass die Görlitzer gerade in technischer Hinsicht noch Nachholbedarf haben. Zusätzlich wird alles auf Karteikarten erfasst. Über die gemeinsame Übung sagt Christiane Brußig: „Es ist in der heutigen Zeit nicht unrealistisch, dass so ein Szenario eintreten kann. Viele wissen gar nicht, dass es den Suchdienst überhaupt gibt. Wir sind froh, dass uns die Kollegen aus Guben so gut unterstützen. Sie haben schon mehr Erfahrung, die sie in solchen Übungen an uns weitergeben.“ Die KAB arbeiten in derartigen Fällen im Auftrag der jeweiligen Landkreise.