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Gubener Bäckerei kooperiert mit Müllroser Mühle
Dreißig setzt auf regionale Zutaten

Streuselschnecken werden am Band bei Dreißig produziert. Der Gubener Bäcker verarbeitet nur noch Mehl aus Brandenburg.
Streuselschnecken werden am Band bei Dreißig produziert. Der Gubener Bäcker verarbeitet nur noch Mehl aus Brandenburg. FOTO: Silke Halpick
Guben. Die Bäckerei Dreißig in Guben setzt jetzt noch stärker auf Regionalität und will nur noch mit Mehl aus Brandenburg backen. Das kündigt Betriebsleiter Markus Dreißig beim Besuch des Landwirtschaftsministers Jörg Vogelsänger (SPD) am Mittwochnachmittag in Guben an. Silke Halpick

Kooperiert wird mit den Oderland Mühlenwerken Müllrose und der Agrargenossenschaft Neuzelle.

"Regional ist das neue Bio", sagt Jörg Vogelsänger. Lebensmittel aus der Heimat stehen auch in der Gunst der Verbraucher ganz oben. Durch die Zusammenarbeit der drei Akteure entsteht jetzt ein regionaler Wirtschaftskreislauf, der vom Korn auf dem Feld bis hin zum Brötchen in der Bäckerei reicht und derzeit noch einzigartig in Brandenburg ist. "Wir hoffen, dass auch andere Bäckereien diesem Beispiel folgen", sagt Hanka Mittelstädt von Pro Agro, dem Verband zur Förderung des ländlichen Raumes in der Region Brandenburg-Berlin.

Bis in die 1990er-Jahre hinein wurde die 1911 gegründete Bäckerei mit Weizen- und Roggenmehl aus Mühlen in der Region beliefert. Nach der Wende wurde "global eingekauft", wie Markus Dreißig erzählt. Nun folgt die Rückbesinnung auf "hochwertige Produkte aus der Region".

Das "Brandenburger Mehl", das künftig in allen Dreißig-Produkten stecken soll, kommt von den Oderland Mühlenwerken Müllrose, die diese Spezialmarke seit Februar 2017 herstellen. Verarbeitet wird dafür ausschließlich Weizen und Roggen, gewachsen auf Brandenburgs Äckern. "Unser Mehl hat eine bessere Qualität als das in Industriemühlen produzierte", sagt Geschäftsführer Thomas Ludwig selbstbewusst. 70 000 Tonnen Mehl werden in Brandenburgs größter Handwerksmühle pro Jahr hergestellt und circa fünf Prozent davon nach Guben geliefert.

Für den Müller hat die Zusammenarbeit mit der Gubener Bäckerei auch ganz praktische Vorteile. "Hier kann man über den Preis reden und wird sich am Ende auch einig", sagt er. So erspare er sich harte Verhandlungen mit großen Handelsketten um Kampfpreise von teilweise 13 Cent pro Kilogramm. "Wir zahlen rund zehn Prozent über dem marktüblichen Preis", bestätigt Bäckerei-Inhaber Peter Dreißig. Das Unternehmen hat 850 Mitarbeiter, davon sind 180 in Guben beschäftigt.

Rund 83 Prozent aller Rohstoffe kauft die Bäckerei eigenen Angaben zufolge bei Zulieferern innerhalb des eigenen Vertriebsgebietes, das von Berlin bis nach Sachsen reicht. Bei den Brötchen sind es sogar 96 Prozent der Zutaten, wie Markus Dreißig betont. Damit will man "für den Kunden authentisch" sein.

Zu den Zulieferern gehört die Agrargenossenschaft Neuzelle. Von hier kommt der Roggen fürs Mehl, aber auch Bockwurst und Bouletten, die in Dreißigs Filialen verkauft werden. "42 Tonnen Bockwurst sind das mittlerweile", sagt Frank Matheus, Vorsitzender der Agrargenossenschaft. Er ist stolz darauf, dass sein Betrieb mit 5000 Schweinen seit mehr als 30 Jahren in keinen Futtermittelskandal verwickelt war. Der Grund: Hier wird das Futter noch selbst zusammengestellt, wie er betont.

Für Landwirtschaftsminister Vogelsänger "passt das alles zusammen". Nachhaltigkeit beginnt für ihn mit der Etablierung regionaler Wirtschaftskreisläufe. "Diese sorgen nicht nur für Arbeit und Einkommen im Land, sie sind wegen der kurzen Wege vom Rohstoff bis zum Produkt auch gut für die Umwelt", erklärt er.