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| 02:39 Uhr

Drei Gubener Arztpraxen schließen

Guben. Drei Mediziner schließen zum Jahresende 2014 in Guben ihre Praxen. Betroffen sind die Patienten von zwei Haus- sowie einem Facharzt für Nervenheilkunde. An Nachfolgelösungen wird gearbeitet. Die Gubener Region gilt laut Kassenärztlicher Vereinigung Brandenburg (KVBB) als "Gebiet mit drohender Unterversorgung". Silke Halpick

"Für die Patienten der Hausärzte gibt es Aufnahmekapazitäten bei anderen Praxen in der Stadt", sagt Christian Wehry, Pressesprecher der KVBB. Viele Betroffene haben sich bereits gekümmert und sind tatsächlich bei anderen Medizinern untergekommen, wie die RUNDSCHAU auf Nachfrage erfuhr. "Für welchen Arzt sich der Patient entscheidet, liegt in seinem eigenen Wahlrecht", betont Wehry.

Schwieriger gestaltet sich hingegen die Nachbesetzung der Praxis für Nervenheilkunde. Hier gibt es den Angaben zufolge einen Antrag auf "Übernahme mit halbem Versorgungsauftrag" von einer Fachärztin für Psychiatrie. "50 Prozent der Patienten können also weiterhin versorgt werden", so Wehry. An einer Lösung für die andere Hälfte werde gearbeitet. Zunächst müssten sich die Betroffenen an andere Praxen wenden. In Guben gibt es insgesamt vier Psychiater. Der nächste Neurologe sitzt jedoch erst in Eisenhüttenstadt oder Cottbus.

Warum die Mediziner ihre Praxen aufgeben, ist nicht in allen Fällen bekannt. "Der Zulassungsausschuss fragt keine Beendigungsgründe ab", sagt der KVBB-Pressesprecher. Vermutet wird jedoch, dass es sich in zwei Fällen vorrangig um altersbedingte Gründe handelt. Die Hausärztin in der Medizinischen Einrichtungsgesellschaft (MEG) des Naemi-Wilke-Stiftes wechselt jedoch nach Cottbus.

"Die Fachärztin für Innere Medizin ist Cottbuserin und bisher jeden Tag gependelt", erklärt Pastor Stefan Süß, Rektor des Wilke-Stiftes. Die freie Stelle soll nun mit einem Mediziner "aus dem eigenen Haus" wiederbesetzt werden.

Im Krankenhaus des Wilke-Stiftes arbeiten insgesamt 30 Ärzte. In der angeschlossenen Medizinischen Einrichtungsgesellschaft gibt es weitere zehn Arztpraxen, darunter auch das KV RegioMed-Zentrum.

Bei diesem Modell sind die niedergelassenen Ärzte Angestellte der Kassenärztlichen Vereinigung (KV). Für die Mediziner entfällt das finanzielle Risiko einer eigenen Praxis. Für die KV ist es das Rezept gegen die Arztflucht auf dem Land. Die Gubener Praxis mit einem Haus- und einem HNO-Arzt hat sich bewährt, aber es gibt noch Kapazitäten, so Wehry. Die Eröffnung eines weiteren KV-Zentrums sei auch angesichts der aktuellen Situation nicht geplant.

In der Neißestadt gibt es 35 Mediziner laut KVBB-Angaben, darunter 14 Hausärzte. Die Zahl der Allgemeinmediziner im gesamten Mittelbereich Guben liegt bei 18 Ärzten. Versorgt werden müssen 32 473 Patienten. Das entspricht einem Versorgungsgrad von 87,2 Prozent. Zum Vergleich: In Frankfurt (Oder) liegt der Versorgungsgrad bei 113 Prozent, in Cottbus bei 114 Prozent.

"Der Mittelbereich Guben wurde in der Gruppe der Haus- und Frauenärzte vom Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen als ein Gebiet mit drohender Unterversorgung deklariert", sagt Wehry. Als Grund für diese Einschätzung wird die Altersstruktur der ambulant tätigen Mediziner angegeben. Der Großteil der Mediziner ist 50 Jahre und älter, das zeigt auch der aktuelle Bericht der Stadtverwaltung zur medizinischen Versorgung in Guben. "Wir bemühen uns grundsätzlich um Nachbesetzungen", betont Wehry.

"Es werden wieder Ärzte nach Guben kommen", sagt Ruchi Kassem, Sprecher der niedergelassenen Ärzte der KVBB in Guben. KVBB, Bürgermeister, Wilke-Stift und Ärzte arbeiten seinen Angaben zufolge schon seit Längerem gemeinsam daran, weitere Mediziner in die Neißestadt zu locken.

Der Erfolg spricht für sich: Im vergangenen Jahr hatten sich vier Ärzte neu niedergelassen. Im Januar 2014 eröffnete eine Tagesklinik für Geriatrie (Altersheilkunde).