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Disco, Clogs und Schulterpolster

Helene Mierscheid kommt Freitag in die Gubener Fabrik.
Helene Mierscheid kommt Freitag in die Gubener Fabrik. FOTO: Frank Peters
Guben. Die 80er-Jahre: Damals trug man Clogs und Schulterpolster, nähte Bordüren an die Jeans, versuchte sich an der Farrah-Fawcett-Lockenmähne und anderen modischen Auswüchsen. In dieses bewegte Jahrzehnt entführt Helene Mierscheid in ihrer Lesung heute in der Gubener Fabrik. Michèle-Cathrin Zeidler

Mit im Gepäck hat sie ihr Buch "Vokuhila: Als scheiße aussehen Mode war". Ein Feuerwerk der Pointen ist angekündigt.

Helene Mierscheid ist Lebensberaterin von Beruf, früher war sie Politikberaterin. "Aber den Job hab ich wegen einer erwiesenen Sinnlosigkeit aufgegeben, Politiker lassen sich einfach nicht beraten", erzählt Helene Mierscheid im Interview mit der RUNDSCHAU. Hinter diesem Pseudonym verbirgt sich die Berliner Autorin und Kabarettistin Barbara Friedl-Stocks. Das Besondere: Sie hat wirklich zehn Jahre in der Politik gearbeitet - als Büroleiterin von Bundestagsabgeordneten. Seit zwölf Jahren ist sie nun als "Helene Mierscheid" auf Deutschlands Bühnen unterwegs und wurde mit mehreren Kleinkunstpreisen ausgezeichnet. Außerdem hat sie vier Kinderbücher geschrieben.

"Vokuhila ist mein erstes Buch für Erwachsene und passt thematisch zu meinem aktuellem Programm ‚Sex, Drugs und Hexenschuss' rund um die 80er-Jahre", sagt die Kabarettistin. Das Buch wurde von der Frankfurter Buchmesse 2015 mit dem Mops des Jahres als lustigster Titel des Jahres ausgezeichnet.

Die 80er-Jahre waren ein Jahrzehnt des Umbruchs: Die Grünen kommen nach Bonn, Deutschland singt "Ein bisschen Frieden", und mit dem Mauerfall wird das Ende der DDR eingeläutet. "Auch für mich war dieses Jahrzehnt wichtig. Es war meine Zeit des Erwachsenwerdens", sagt Helene Mierscheid. In ihrem Buch beschreibt sie autobiografisch dieses Jahrzehnt aus der Sicht als katholisches Arbeiterkind vom Lande - vom ersten Cluburlaub mit Neckermann und dem Elend der Zahnspange bis zum Ende eines Feindbildes (Franz Josef Strauß stirbt).

"Ich trug damals voller Stolz eine Prinz Eisenherz Frisur und Rundhosen - die Perversion der Schlaghose", erinnert sich die Wahlberlinerin. "Außerdem habe ich in der Disco wild zu The Housemartins getanzt und das Lied ‚Hang the DJ' geliebt." Heute wurde sie diese Klamotten nur noch anziehen, wenn ihr jemand eine Pistole an den Kopf hält. "Die Mode ließ sich schon damals nur mit Drogen ertragen", scherzt Helene Mierscheid. "Aber irgendwie sahen wir früher alle so aus - Jeans, Turnschuhe und Militärparka." Dabei war man aber politisch gegen den Krieg - nicht der einzige Widerspruch in diesem Jahrzehnt.

"Ich freue mich schon sehr auf Guben", verrät Helene Mierscheid und verspricht: "Die Gäste werden sich auf meiner Reise in die Vergangenheit mit Erschrecken wiedererkennen."

Die Lesung mit Helene Mierscheid "Vokuhila: Als scheiße aussehen Mode war" findet am heutigen Freitag um 20 Uhr im Werk Eins in der Fabrik Guben (Mittelstraße 18) in Guben, statt. Die Karten kosten 12 Euro im Vorverkauf und 15 Euro an der Abendkasse. Einlass ist ab 19.30 Uhr.