| 02:36 Uhr

Die Zukunftsmusik wird lauter

Der Wiederaufbau der Villa Wolf am Neißeufer soll in knapp zwei Jahren starten. Rund drei Millionen Euro soll die Rekonstruktion kosten.
Der Wiederaufbau der Villa Wolf am Neißeufer soll in knapp zwei Jahren starten. Rund drei Millionen Euro soll die Rekonstruktion kosten. FOTO: ZVG
Gubin/Berlin. Florian Mausbach dreht heute noch einmal kräftig am Lautstärkeregler seiner Gubiner Zukunftsmusik. In Berlin soll sich am Morgen der Förderverein zur Rekonstruktion der Villa Wolf gründen – und das Herzensprojekt des einstigen Präsidenten des Bundesamts für Bauwesen einen ordentlichen Schritt voranbringen. Daniel Schauff

2019 soll der Bau am Neißeufer starten, sagt Mausbach, passend zum 100-jährigen Bauhaus-Jubiläum und dem 50. Todestag des Architekten Mies van der Rohe. Der hatte am Flusshang auf der heutigen polnischen Seite eine Bauhaus-Villa erschaffen, die bis heute als "Urvilla der Moderne" gilt und vor allem von Mausbach und seinen Mitstreitern als solche beworben wird. Den Krieg hat das Original nicht überstanden, soll aber in ein paar Jahren als Kopie wieder an gleichem Ort stehen. Rund drei Millionen Euro wird der Wiederaufbau kosten, rechnet Mausbach.

Finanziert werden soll die Villa-Wolf-Rekonstruktion durch Spenden. Ideelle Unterstützung gebe es bereits viel, sagt der heutige Vorsitzende des Vereins "Architekturpreis Berlin" Mausbach. Die Namen, die auf der eigens für den Wiederaufbau der Villa Wolf eingerichteten Internetseite als Unterstützerliste aufgeführt sind, machen einiges her: Ex-Bundestagspräsidentin Rita Süßmuth und Ex-Finanzminister Hans Eichel sowie einige deutsche, polnische und amerikanische Architektur- und Bauhausgrößen stehen demnach hinter dem Rekonstruktionsprojekt. Die Aufgabe des Fördervereins sei es nun, die ideelle Unterstützung zu einer materiellen und finanziellen zu machen, sagt Mausbach. In einem zweiten Schritt soll eine gemeinnützige Villa-Wolf-Gesellschaft gegründet werden, die Planung, Bau und Betrieb des vorgesehenen Mies-van-der-Rohe-Museums übernehmen soll. Wie ein solches Museum aussehen könnte, hat Anna Stryszewska-Slonska vom deutsch-polnischen Architektenbüro Heinle, Wischer und Partner im Rahmen eines Workshops zum Wiederaufbau der Villa Wolf am Montag vorgestellt. Das Büro hatte den Wettbewerb zum Wiederaufbau der Stadt- und Hauptkirche in Gubin 2013 gewonnen, bei dem Mausbach als Preisrichter fungiert hatte. So sei der Kontakt entstanden, sagt der Architekturkenner. Anna Stryszewska-Slonska gehört auch zu den Gründungsmitgliedern des Fördervereins. Neben ihr sitzt auch Jakub Bartczak, Bruder des Gubiner Bürgermeisters Bartlomiej, mit im Boot. Darüber hinaus wird der Förderverein aus weiteren Architekten und Bauhaus-Spezialisten bestehen, kündigt Mausbach an.

Unumstritten ist Mausbachs Plan nicht - auch wenn er und seine Mitstreiter mittlerweile Nägel mit Köpfen machen. Unter Architekten und Denkmalpflegern gibt es zahlreiche Gegner einer Rekonstruktion. Das Argument: Ein Wiederaufbau ersetzt niemals das Original, zumal auch das Umfeld der Villa Wolf nicht mehr dasselbe sei wie vor ihrer Zerstörung. Auch im Gubener Stadtrat wurde das Thema über Wochen hinweg kontrovers diskutiert. Der amtierende Bürgermeister Fred Mahro hat aus seiner Begeisterung für Mausbachs Pläne allerdings nie ein Geheimnis gemacht. Auch sein Amtskollege Bartczak hat wiederholt betont, dass er für einen Wiederaufbau der "Urvilla der Moderne" ist.