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| 01:04 Uhr

Die Weinsucher

Guben.. An die 600 Jahre lang war an der Neiße Wein angebaut worden. Doch die Weinbautradition verschwand Ende des 19. Jahrhunderts fast vollständig. Jetzt haben sich drei Männer gefunden, die diese Alte Gubener Tradition wieder beleben wollen. Und sie können erste Erfolge vermelden. (fw)

In seinem Hauptwerk, "Geschichte der Stadt Guben", nimmt der Heimatforscher Karl Gander Bezug auf Beiträge von Paul Winkler in den Ausgaben 221 und 222 der Gubener Zeitung von 1900 und belegt den Rückgang des Weinbaus in der Neißestadt. Ganze vier Hektar waren damals noch feldmäßig mit Wein bebaut.
Die 600-jährige Weinbautradition in Guben und der Region war vorüber. Geblieben sind einzelne Weinstöcke an Gartenlauben und Hauswänden, und das bis in die heutige Zeit. So auch im Garten von Wilfried Olzog an der Straße der Solidarität 3, in dem seit Anfang der fünfziger Jahre eine Weinlaube steht.
Oft landeten die fauligen Beeren dort auf dem Kompost, der zur Düngung der Beete verwendet wurde. Überrascht war Olzog, dass tausende kleiner Weinpflanzen aufkamen. Sein Plan war es, daraus mehr zu machen.
Aber er brauchte Verbündete. Während des Frühlingsfestes 2000 veranstaltete er auf der Neißebrücke am Stand von Pro Guben eine Verkostung seiner individuell hergestellten Weine und fand in Gerd Franke und Helmut Moelle engagierte Partner.
100 Jahre nach der Talfahrt der Gubener Weinbautradition versuchen die Drei jetzt, den Weinbau wieder aufleben zu lassen. Dass dabei Lehrgeld gezahlt werden musste, war ihnen von Anfang an klar.
Aus Samen gezogene Rebstöcke tragen nicht, besser sind Stecklinge oder veredelte Reiser. Wann und wie ist Wein richtig zu schneiden„ Welche Sorten sind für die hiesige Region geeignet“ Wie kommen die Rebstöcke unbeschadet über den Winter„ Wie wird aus dem Traubensaft guter Wein“ Alles Fragen, zu denen sich die drei "Jungwinzer" belesen mussten und deren Beantwortung viele Experimente notwendig machte.
Inzwischen ist der Jahrgang 2002 Trinkreif und zeugt vom Können der Hobbywinzer. „Gubener Rubin, halbtrocken“ , tauften sie den dunkelroten, fruchtigen und recht kräftigen Wein aus der alten Gubener Rebsorte Blauer Portugieser. Bei der Rebsorte sind sich die Drei aber nicht ganz einig. Gerd Franke sagt: "Bis etwas 1892 wurde diese pflegeleichte Sorte in den Weinhängen Gubens angebaut und die Blattform weist eindeutig darauf hin." Das bestätigten ihm auch unabhängig voneinander Experten, unter anderem von der Landwirtschaftsschule Gubin. Mit Arbeitsteilung wollen die drei Weinkenner weiter vorankommen.
So widmen sich Gerd Franke und Wilfried Olzog der Weinbereitung, der Gärung bis hin zum Abfüllen und Etikettieren, während sich Helmut Moel le um die Rebsorten, den Anbau und die Pflege kümmert.
Moelle, der aus einer Bauernfamilie stammt, wohnt in Grano, Am Weinberg, einem geschichtsträchtigen Acker in Sachen Weinbau. Beim Bau seines Hauses hat er noch Wurzelreste alter Rebstöcke gefunden und in den letzten Jahren selbst Weinstöcke gepflanzt, die schon beachtliche Erträge bringen. Die Hobbywinzer sind motiviert. Ihnen schwebt vor, der Stadt und der Region wieder zu mehr Ansehen zu verhelfen. Ein Anfang ist gemacht und erste Anfragen nach Bezugsmöglichkeiten für den guten Tropfen, darunter aus Hamburg, machen Wilfried Olzog, Gerd Franke und Helmut Moelle Mut. Auf alle Fälle wollen sie weiter machen und noch andere Interessenten für ihre Sache begeistern und mit ins Boot nehmen.