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| 20:15 Uhr

Villa Wolf
Hausbau im Bauhausjahr?

 Die Villa Wolf in alten Aufnahmen und als Modell. Die Vorbereitungen für den Wiederaufbau laufen, das Projekt aber sei kein leichtes, sagt Initiator Florian Mausbach.
Die Villa Wolf in alten Aufnahmen und als Modell. Die Vorbereitungen für den Wiederaufbau laufen, das Projekt aber sei kein leichtes, sagt Initiator Florian Mausbach. FOTO: privat halpick
Gubin/Guben/Berlin. Zum Jubiläum gibt es zwar noch keine neue Villa Wolf, aber Neuigkeiten zum Wiederaufbau. Von Daniel Schauff

„Es sind bleibende Impulse gesetzt worden, die bis in die Gegenwart nachwirken und bis heute zu denken geben.“ Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat am Mittwochabend bei der Eröffnung des Bauhausjahres keine Zweifel daran gelassen, wie sehr die Weimarer „Heimstätte der Avantgarde der Klassischen Moderne“ das heutige ästhetische Denken beeinflusst. 1919 gründete Walter Gropius in Weimar das Bauhaus, gerade einmal sechs Jahre später gibt der Tuchfabrikant Erich Wolf ein Wohnhaus bei dem Architekten Ludwig Mies van der Rohe in Auftrag, das ein Jahr später das Bauhaus-Prinzip nahezu in Perfektion umsetzen soll. Bis 1945 ziert die Villa Wolf den Neißehang im heutigen Gubin. Dann fällt sie dem Krieg zum Opfer. Über 70 Jahre später, in denen buchstäblich Gras über die Reste der Villa gewachsen ist, ist das Erstlingswerk des Architekten seit einer ganzen Weile wieder in aller Munde. Die Villa Wolf soll wiederaufgebaut werden. Das Herzensprojekt des einstigen Präsidenten des Bundesamtes für Bauwesen, Florian Mausbach, schlägt Wellen. Kritiker sind gegen den Wiederaufbau, Mausbach hält an seinen Plänen fest, hat Unterstützung in den beiden Stadtverwaltungen in Guben und Gubin, beginnt, Geld zu sammeln. Je näher das Bauhausjubiläum allerdings rückt, desto seichter werden die Wellen rund um die Villa Wolf – zumindest in der breiten Öffentlichkeit. Wann steht das Gebäude denn nun wieder an der Neiße?

In der heutigen Zeit sei das mit dem Sammeln von Spenden nicht so einfach, sagt Mausbach einen Tag nach der Eröffnung des Bauhausjahrs. Mittlerweile sind Unterstützer der Wiederaufbau-Idee in einem Förderverein organisiert. Das sei notwendig gewesen, um Spenden sammeln und quittieren zu können und um zu organisieren. Ein Jahr sei ins Land gegangen, um den Verein zu gründen, sagt Mausbach und räumt ein: Ja, Verzögerungen gibt es. Mithilfe der Internetseite des Vereins lässt sich die Verzögerung sogar beziffern. Als „Meilenstein“ wird dort noch der Baubeginn im Jahr 2018 genannt. 2020 soll die erste Ausstellung eröffnen.

Ersteres ist passé, Letzteres wird arg knapp. Trotzdem: Mausbach ist optimistisch. „Ich erhoffe mir vom Bauhausjahr den Durchbruch“, sagt der 74-Jährige. Die Zeichen stehen offenbar gut. Beim Neujahrsempfang in Wroclaw (Breslau) hatten der Gubiner Bürgermeister Bartlomiej Bartczak und Gubens Rathauschef Fred Mahro (CDU) das Modell der Villa aus dem Naemi-Wilke-Stift im Gepäck, um über das Wiederaufbauprojekt zu berichten. In noch illusterem Rahmen wird es nach derzeitigen Plänen laut Mausbach im Herbst vorgestellt, am Illinois Institute of Technology in Chicago in der dortigen Crown Hall. Die stammt auch von Mies van der Rohe, ziehe Ikonen der Architektur und Bauhaus-Freunde aus aller Welt an – potenzielle Geldgeber also für die Pläne in Gubin.

Das Kulturministerium in Warschau habe Unterstützung zugesagt, berichtet Mausbach. Das stimme ihn froh, immerhin bedeute das staatliche Unterstützung für sein Projekt. Die geplanten Bodenuntersuchungen per Geo-Radar, die genaue Maße vom Fundament der zerstörten Villa und den einzelnen Werksteinen liefern sollen, würden mit Unterstützung des polnischen Militärs durchgeführt, kündigt Mausbach an.

Parallel zu den Vorbereitungen eines tatsächlichen Wiederaufbaus der Villa läuft an der Fachhochschule Potsdam bereits seit 2014 eine Untersuchung zum Gebäude und den Außenanlagen. Ziel ist eine zeichnerisch akkurate Rekonstruktion. Förderverein und Fachhochschule kooperieren. Mausbach und seine Mitstreiter profitieren von den Erkenntnissen aus Potsdam. In diesem Jahr noch sollen die Untersuchungen abgeschlossen werden. Ebenso sei ein Buch in Arbeit, kündigt der ehemalige Bundesbehördenpräsident an. All das sei bereits Teil des Wiederaufbauprojekts.

Allein 50 000 Euro für die Baugenehmigungsplanung seien notwendig, betont Mausbach. Wie viel Geld in den Wiederaufbau fließen wird, ist kaum abzusehen. Mausbach: „Das ist kein einfaches Projekt.“