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Die SWG und die E-Apfelsine

Thomas Jänsch zeigt das neue SWG-Gefährt mit Elektroantrieb. Gut 31 000 Euro war der Wagen teuer.
Thomas Jänsch zeigt das neue SWG-Gefährt mit Elektroantrieb. Gut 31 000 Euro war der Wagen teuer. FOTO: dsf
Guben. "Sieht aus, wie eine Apfelsine, die durch die Straßen rollt." – so richtig schmeichelhaft waren die Gedanken von Thomas Jänsch, Medienmanager der Städtischen Werke Guben (SWG) in den ersten Tagen nach der neuesten SWG-Anschaffung nicht. Daniel Schauff

Das macht Jänsch aber schnell wieder wett bei der Probefahrt im neuen Elektroauto, das seit Kurzem den Fuhrpark der SWG schmückt. Knallorange ist der Kia, statt rund wie eine Orange eher kantig wie ein Bodybuilder, bis zu 145 Stundenkilometer schnell, mit 110 Pferdestärken unter der Haube und einem Gewicht von stolzen zwei Tonnen. Preislage: gut 31 000 Euro.

Kein Wunder also, dass Jänsch ein wenig Überzeugungsarbeit leisten musste, um SWG-Geschäftsführer Fred Mahro von der Anschaffung zu überzeugen. Hat er geschafft: Die Fahrten der SWG-Verwaltungsmitarbeiter sind fast ausschließlich innerstädtisch, ein paar Tausend Kilometer kommen trotzdem im Jahr zusammen. Für 100 Kilometer mit der E-Apfelsine werden rund 4,13 Euro fällig, hat Jänsch ausgerechnet und einen Kilowattstundenpreis von 25 Cent angesetzt. Bei einem Dieselpreis von 1,10 Euro müsste ein Diesel-getriebener Wagen also 3,73 Liter auf 100 Kilometer verbrauchen, um beim Preis fürs Fahren gleichauf zu liegen. Das wiederum wäre bei einem Wagen in ähnlicher Ausstattung unrealistisch.

Rund 20 Minuten sind Jänsch und der LR-Reporter im E-Mobil durch Guben unterwegs. Der Apfelsinen-Look wirkt, die Blicke der Passanten bleiben am Südkoreaner hängen. Das sei auch Sinn der zusätzlichen Investition in die orangefarbene Folie, den Werbeaufdruck für die SWG am Autorand und den aufgeklebten grünen Stromsteckern gewesen, sagt Jänsch. Die SWG wolle darauf aufmerksam machen, dass sie ab sofort mit einem E-Auto unterwegs sei. So richtig angekommen, sagt der Medienmanager, sei das elektrische Fahren bei potenziellen Autokäufern noch nicht. Fehlende Werbung sei nur ein Grund, viel schwerer aber wiegt die Seltenheit von Ladestationen. Die Nächste öffentliche, sagt Jänsch, sei rund 50 Kilometer entfernt und stehe bei Cottbus. Bei einer Reichweite des E-Autos von gut 200 Kilometern wäre ein Viertel des Akkus bei Ankunft an der Säule schon leer.

Die SWG lädt ihren neuen fahrbaren Untersatz in der eigenen Garage - spätestens bei Mietern im Mehrfamilienhaus ein Problem, weiß Jänsch. Die Infrastruktur für E-Mobile sei noch lange nicht ausgereift, öffentliche Säulen kaum zu finden.

Das soll sich in Guben ändern - die Energieversorgung Guben (EVG) will eine E-Tankstelle am Rathaus installieren, in Forst soll der umgestaltete Lindenplatz im Zentrum eine Ladestation erhalten. Auch in Spremberg soll noch in diesem Jahr eine öffentliche Ladestation entstehen. Die Zahl der Kunden wird sich an allen diesen Säulen in Grenzen halten - zu Beginn des Jahres waren im gesamten Kreis Spree-Neiße gerade einmal 36 Elektroautos zugelassen, in Cottbus waren es 27. Zum Vergleich: Mehr als 75 000 Kfz sind insgesamt in SPN registriert - nicht einmal jeder 2000. Autofahrer entscheidet sich für ein E-Auto. Die SWG hingegen wird sich vielleicht noch ein zweites Mal dafür entscheiden. Denkbar wäre, künftig die Mülleimer in der Stadt mit einem E-Transporter zu leeren, sagt Thomas Jänsch.

Zum Thema:
Käufer von E-Autos erhalten 4000 Euro Förderung. Die Hälfte davon übernimmt der Hersteller, die andere Hälfte der Bund. Ziel der Förderung ist es, den Verkauf von E-Autos anzukurbeln und einen zusätzlichen Anreiz zu schaffen. Auch für von außen aufladbare Hybridfahrzeuge gibt es Fördergelder in Höhe von 1500 Euro pro Anteilzahler. Unter www.bafa.de stellt das Wirtschaftsministerium weitere Informationen zur Förderung von E-Autos bereit. Dort findet sich auch ein Förderantrag zum Ausfüllen.