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| 02:38 Uhr

Die Stadt mit zwei Rathäusern

Guben und Gubin sollen näher zusammenrücken. Dafür gibt's eine halbe Million Euro.
Guben und Gubin sollen näher zusammenrücken. Dafür gibt's eine halbe Million Euro. FOTO: S. Winter/D. Schauff/Montage: Neumann/LR
Guben/Gubin. 590 000 Euro – die Summe, die in die gemeinsame Entwicklung der beiden Städte Guben und Gubin fließt, ist wahrlich kein Pappenstiel. Knapp 300 000 Euro ist das Zusammenwachsen der Doppelstadt Guben wert, ebenso viel zahlt Gubin, zu 85 Prozent gefördert durch Interreg-Mittel. Daniel Schauff

Nicht sonderlich aussagekräftig ist der Titel, den die Projektpartner auf den beiden Neißeseiten ihrem Vorhaben gegeben haben: "Zwei Rathäuser - eine Eurostadt" nennt sich das Projekt, das am 1. April dieses Jahres beginnen wird und bis zum 31. März 2020 läuft. Die Maßnahmen, die in dieser Zeit allerdings umgesetzt werden sollen, zeichnen ein konkretes Bild davon, wie sich beide Verwaltungen die Nachbarschaft künftig vorstellen.

Auf zwei Ebenen wird das Förderprojekt realisiert: auf Verwaltungsebene und auf Bürgerebene. Bereits jetzt bringt die Deutsch-Polnische Kommission die Vertreter der Stadt regelmäßig zum Austausch zusammen. Künftig sollen auch die Stadträte zweimal im Jahr gemeinsam tagen, heißt es in dem Maßnahmenkatalog zum Projekt. Um den Austausch auch über politische Fragen hinweg zu fördern, sollen Kommissionsmitglieder und Stadtverordnete künftig an Studienreisen und Workshops teilnehmen können, um über das jeweilige Nachbarland und dessen Strukturen zu lernen. Ebenso sollen Verwaltungsangestellte und möglicherweise auch Stadtverordnete ein Angebot über die Teilnahme an Sprachkursen erhalten.

Greifbar auch für die Gubener und Gubiner wird das Projekt vor allem mit der Einrichtung einer Kontaktstelle an der Neißebrücke auf Gubiner Seite. Dort sollen nicht nur Verwaltungsmitarbeiter über den Fortlauf des Projekts informiert werden und ebenso Informationen zur Wirtschaftsförderung erhalten. In der Kontaktstelle sollen darüber hinaus auch Vereine von beiden Seiten der Neiße zusammenkommen können und möglicherweise Projektideen austauschen, die sich wiederum für eine Förderung aus dem Kleinprojektefond qualifizieren könnten. Darüber hinaus gibt es laut Projektplan künftig auch eine Beratung zu deutschen und polnischem Recht in der Kontaktstelle.

Ein Multimedia-Führer fürs Mobiltelefon und gemeinsame Bürgerforen sollen die Marke "Eurostadt Guben-Gubin" für Einwohner und Besucher stärken. Darüber hinaus planen die Projektpartner die Installation eines sogenannten Hotspots, mit dem in einigen Bereichen kostenloses Internet verfügbar ist.

Künftig soll sich die Doppelstadt auch gemeinsam auf Messen und resonanzstarken Veranstaltungen präsentieren, heißt es in der Projektbeschreibung.

Außerdem sollen gemeinsame Werbemittel und Marketingaktionen geplant werden, um die Doppelstadt ins Interesse von Besuchern und Investoren zu rücken.

Herzstück und kostenintensivster Teil des Projekts wird voraussichtlich das gemeinsame Entwicklungskonzept, das während des Projektzeitraums entstehen soll. Während Guben mit dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept (Insek) zumindest eine Fahrtrichtung für die nächsten Jahre vorgibt, fehlt ein solches Konzept beim polnischen Nachbarn.

Mit einem abgesprochenen Doppelstadt-Konzept wollen sich die beiden Stadtverwaltungen vorab darüber einig werden, wie sich Guben und Gubin gemeinsam weiterentwickeln können und wie die beiden Städte voneinander profitieren können.

"Eine Entwicklung, die ohne eine der beiden Seiten vonstattengeht, wird scheitern", sagte Gubens amtierender Bürgermeister Fred Mahro beim Neujahrsempfang beider Städte im Januar. Dass die gemeinsame Zukunft auf beiden Seiten der Neiße weit oben auf der Prioritätenliste steht, zeigt das Vorhaben "Zwei Rathäuser - eine Eurostadt", das auch bei den Fördermittelgebern auf offene Ohren gestoßen ist.