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| 19:19 Uhr

RUNDSCHAU mit Forum vor Ort in Guben
Strukturwandel als Chance?

 Das Ende des Braunkohletagebaus in der Lausitz ist absehbar. Einen Tagebau Jänschwalde-Nord wird es nicht geben. Wo wird Guben den Platz in der Lausitz finden, die neue Schwerpunkte in der Wirtschaft setzen muss?
Das Ende des Braunkohletagebaus in der Lausitz ist absehbar. Einen Tagebau Jänschwalde-Nord wird es nicht geben. Wo wird Guben den Platz in der Lausitz finden, die neue Schwerpunkte in der Wirtschaft setzen muss? FOTO: Patrick Pleul
Guben. LR vor Ort in Guben – die Redaktion diskutiert mit Lesern und Podiumsgästen.

Strukturwandel – zumindest in der Lausitz hat dieses Wort Hochkonjunktur. Auch wenn ziemlich klar ist, was Strukturwandel im Kern bedeutet – der Ausstieg aus der Kohle –, bedeutet er gleichzeitig für jede betroffene Kommune etwas anderes. Was aber für Guben?

Klar ist: Guben hat mit Blick in die Zukunft Vorteile gegenüber anderen Städten. Die Nähe zu Polen, vor allem zur polnischen „Schwesterstadt“ Gubin, gilt bei vielen Gubenern, nicht zuletzt bei denen, die in der Stadtverwaltung die Fäden zusammenhalten, als nützlich. Erst kürzlich sagte Bürgermeister Fred Mahro (CDU) während eines Besuchs des brandenburgischen Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (SPD) noch einmal: „Wir werden unsere Probleme besser lösen mit den Gubinern als ohne sie.“ Ein polnischer Journalist aus Gubin hat kürzlich sogar von einem gemeinsamen Parlament geträumt, das weitreichendere Kompetenzen hätte als die Deutsch-Polnische Kommission, die bereits seit Langem tagt.

Gerade der Strukturwandel aber trennt Gubin und Guben dann doch. Polen setzt weiterhin auf die Kohle als sicheren Energielieferanten. Auch wenn der Tagebau Gubin offenbar nicht realisiert wird. Die strukturellen Herausforderungen jenseits der Neiße sind andere.

In Guben gilt es, Unternehmen zu locken, Arbeitsplätze zu schaffen, Rückkehrer zu gewinnen. Die Initiative „Guben tut gut“ läuft, erste Erfolge gibt es, sagt Mahro beim Bürgerdialog mit dem Ministerpräsidenten. Eine für Unternehmen und potenzielle neue Einwohner interessante Stadt muss aber etwas bieten – ob eine Willkommensprämie ausreicht: fraglich. Wie sieht es in der Stadt mit den weichen Standortfaktoren aus? Kita? Schule? Kultur? Und was ist mit der Infrastruktur? Der Weg zur nächsten Autobahnauffahrt ist weit, für die Reise ins gerade einmal 150 Kilometer entfernte Berlin braucht es mehr als zwei Stunden. Gleichzeitig ist der Weg nach Polen so kurz wie in wenigen Städten Deutschlands.

Ein Vorteil, den sich nicht zuletzt das Unternehmen ATT Polymers zu Nutze gemacht hat und die einzige deutsche Dependance im Gubener Industriegebiet Süd betreibt. Dort soll sich in Zukunft einiges tun – das Industriegebiet wird erweitert, um neuen Investoren Platz zu schaffen und gute Voraussetzungen zu bieten. Welche Möglichkeiten hat eine Verwaltung, fürs Industriegebiet in Guben zu werben, welche davon nimmt sie wahr?

Und was bedeutet es für eine Stadt, wenn sich die Post aus ihr zurückzieht, wenn Wohnbebauung weichen muss, weil die Bevölkerungszahl immer kleiner wird?

Ein Phänomen, mit dem auch Schenkendöbern zu kämpfen hat. Die Gemeinde hat noch gut 3500 Einwohner, zu klein, um künftig effektive Verwaltungsarbeit leisten zu können, glaubt die Landesregierung. So klein die Gemeinde aber auch sein mag, so groß sind die Themen, die in ihr eine Rolle spielen. Im Gegensatz zu Guben liegt Schenkendöbern direkt am Tagebaurand. Der Tagebau Jänschwalde rückt vor. Die Taubendorfer werden das besonders deutlich spüren, wenn der Tagebaurand genau vor ihrer Haustüre angekommen ist.

Unter dem Motto „Strukturwandel – eine Chance für Guben und Schenkendöbern?“ will die RUNDSCHAU am Donnerstag, 16. Mai, ab 19 Uhr im Ausstellungsraum der Alten Färberei mit Gästen diskutieren. Zugesagt haben bereits Gubens Bürgermeister Fred Mahro (CDU) und Andreas Stahlberg (parteilos), Mitglied des Spree-Neiße-Kreistags.