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| 17:24 Uhr

Die Kaninchenseuche geht um

Der Kerkwitzer Züchter Wolfgang Straße zeigt eins von fünf Kaninchen, die die Seuche überlebt haben. Die Ställe hinter ihm sind leer.
Der Kerkwitzer Züchter Wolfgang Straße zeigt eins von fünf Kaninchen, die die Seuche überlebt haben. Die Ställe hinter ihm sind leer. FOTO: S. Halpick
Kerkwitz. Leer stehen die Kaninchenställe beim amtierenden Landesmeister Wolfgang Straße in Kerkwitz. "Nur fünf Tiere haben überlebt, mehr als 30 sind tot", sagt er. Silke Halpick

"Wie eine Wolke" habe sich die Seuche durchs Dorf gezogen. Mittlerweile sind alle Mitglieder des ortsansässigen Kleintierzüchtervereins betroffen, aber auch private Halter. "Die Krankheit verläuft sehr schnell", berichtet Straße. Noch am Abend habe er seine Tiere gefüttert, am nächsten Morgen lagen sie verendet in den Boxen.

Von einem "flächendeckenden Krankheits- und Todesgeschehen" spricht auch Dr. Helfried Kröber, Amtstierarzt im Spree-Neiße-Kreis. Betroffen seien Kaninchenbestände in der gesamten Region, auch über den Spree-Neiße-Kreis hinaus. Seinen Angaben zufolge handelt es sich um eine neue Variante der sogenannten Chinaseuche, die durch den Virus RHDV-2 ausgelöst wird. Konkrete Zahlen gibt es nicht, da diese Tiererkrankungen im Gegensatz zur Vogelgrippe nicht anzeige- oder meldepflichtig ist.

Beim Gubener Tierarzt Christian Pietsch steht das Telefon kaum noch still. "Gegen das Virus ist kein Kraut gewachsen", sagt er. Ist ein Stall erst einmal betroffen, komme es meist zum Totalverlust des Bestandes. Übertragen wird das Virus durch die Luft, durch Insekten, aber auch durch Kontakt. "Für Menschen und andere Tiere ist es ungefährlich", erklärt Pietsch. Die Kaninchen hingegen hätten einen "elenden Tod". Das bestätigt auch Wolfgang Straße. "Manche von ihnen schreien regelrecht vor Schmerzen", sagt er.

Viele Kaninchenhalter mit noch gesunden Beständen schlachten jetzt ihre Tiere. Für den Züchter Wolfgang Straße ist das durchaus ein probates Mittel. "Die meisten Kaninchen werden ja für die Eigenversorgung gehalten", sagt er. Das Fleisch sei beliebt und billig herzustellen, weil die Tiere ohne großen Aufwand gefüttert werden können. "Klassische Kaninchenländer" sind Thüringen und Sachsen.

Von Experten wird aber auch die Impfung empfohlen. Der Impfstoff aus Frankreich wird einmalig eingesetzt und erzeugt einen Schutz gegen RHDV-2 sowie den Vorgänger RHDV-1. Allerdings können nach Angaben des Veterinäramtes Tiere erst ab der zehnten Lebenswoche geimpft werden. Bei Jungtieren ab vier Wochen sei hingegen ein in Deutschland hergestelltes Präparat verwendbar. Allerdings muss hier nach drei Wochen nachgeimpft werden.

Und was kostet das? Bei Massenimpfungen von mehr als 50 Tieren wird mit Kosten in Höhe von 3,50 bis vier Euro pro Kaninchen gerechnet. Eine Einzelimpfung könne allerdings auch mit 15 Euro zu Buche schlagen. Der Impfstoff ist allerdings rar. "Frühestens Ende Juli, Anfang August bekommen wir neuen", sagt Pietsch. Bis dahin bleiben die Kaninchenhalter auf sich allein gestellt.

"Bei Null anfangen", muss jetzt auch Wolfgang Straße. Sein "Heller Großsilber", mit dem er die Landesrammlermeisterschaften gewonnen hat, ist tot. Seinen Titel verteidigen will der Kerkwitzer bei den kommenden Meisterschaften trotzdem. Dafür schaut er sich nach neuen Tieren um. Seit mehr als 35 Jahren züchtet Wolfgang Straße Kaninchen. Doch so etwas wie die Chinaseuche habe er in "seiner gesamten Laufbahn noch nicht erlebt".

Zum Thema:
Die Chinaseuche, Rabbit Hemorr-hagic Disease (RHD), ist seit den 1980er-Jahren bekannt. Erstmals trat sie in China auf. Verursacht wird sie durch den RHD-Virus (RHDV). Eine neue Variante (RHDV-2) trat 2010 in Frankreich auf, die 2013 erstmals auch in Deutschland nachgewiesen wurde. Bei der Myxomatose (Kaninchenpest) wird hingen die Erkrankung durch Pockenviren ausgelöst. Es treten im akuten Verlauf Schwellungen und Entzündungen auf. Nach 10 bis 14 Tagen endet auch die Krankheit meist mit dem Tod.