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| 01:03 Uhr

Die Glücksbringer

Helga Bähr (l.) und Annerose Traut mit Agnieszka. Ein Kinderwagen voller Plüschtiere begeisterte das Mädchen.
Helga Bähr (l.) und Annerose Traut mit Agnieszka. Ein Kinderwagen voller Plüschtiere begeisterte das Mädchen. FOTO: Foto: Jana Pozar
Guben/Zabor.. Am Samstagmorgen starteten Annerose und Heinz Traut, Helga und Horst Bähr, Ruth und Wolfram Beier sowie Karl-Heinz Uherek gemeinsam zu einer Fahrt ins polnische Dorf Zabor, in der Nähe von Zielona Gora. Ihre Autos waren vollgeladen, voll mit nützlichen Dingen, die hilfsbereite Gubener spontan gespendet hatten. Den Transport begleitete Jana Pozar

Während die Familien Traut und Bähr bereits zum zweiten Mal mit voll gepacktem Kofferraum an die Tür von Jan Gorecki klopften, wussten die anderen nicht, was sie erwarten würde. Die polnische Familie lebt zu siebt in ärmlichsten Verhältnissen (die RUNDSCHAU berichtete).
Über den Bauernhof liefen die drei Kinder der Familie, als vier Autos, voll belanden mit Waschmaschinen, Kleidung, Bettwäsche, Schuhen, Wäscheschleudern, Nähmaschine, Nahrungsmitteln, Süßigkeiten, Fahrrädern und Spielzeug, vor der Tür hielten. Vater Jan war vor Überraschung sprachlos. Agnieszka (3) erkannte sofort Helga Bähr und rannte auf sie los. "Ich habe beim ersten Besuch Fotos gemacht", sagte die Gubenerin gerührt. Gemeinsam mit Rafal (12) und Przemek (10) schauten sie sich Bild für Bild an. Und immer wieder juchzte die Dreijährige vor Begeisterung, als sie sich selbst auf einem Foto erkannte. Die Wiedersehensfreude war riesig.
"Es ist unvorstellbar, dass Menschen so leben können", war Ruth Beier beim ersten Blick in die Kammern der Familie sichtlich erschüttert. "Es ist schlimm, schlimm, schlimm", kann auch Horst Bähr seine Gefühle nicht unterdrücken. Die dunkle, enge Küche, die seit vielen Jahren keinen neuen Farbanstrich bekam, das kleine Zimmer mit zwei Pritschen für die Jungs - der Anblick ließ Beiers nachdenklich verstummen.
Für die Eheleute war klar, dass sie den Goreckis helfen wollen, als sie von der ersten Hilfsaktion in der Zeitung lasen. "Wir kaufen so oft billig in Polen ein, warum sollen wir nicht mal etwas zurückgeben", sagte Ruth Beier. Leider trafen die Gäste auch dieses Mal Mutter Dorota nicht an, denn sie musste für den kargen Lebensunterhalt der Familie auch am Samstag arbeiten.
Plötzlich schallte das Lachen der kleinen Agnieszka über den Hof. Helga Bähr hatte einen Puppenwagen und ganz viele Kuscheltiere ausgepackt. Das Mädchen stürzte sich überwältigt auf die vielen Spielsachen, von denen es gar nicht wusste, dass es sie gibt. Der Küchentisch füllte sich mit Lebensmitteln.

Filzstiefel und Kaugummis
"Mit dem Kaugummi und den Apfelsinen konnten die Kinder gar nichts anfangen, so etwas müssen sie noch niemals gesehen haben", schüttelte Ruth Beier nachdenklich den Kopf. "Ich gab dem Vater ein paar Filzstiefel, die er beinahe beschämt entgegen nahm", so Wolfram Beier. Jan Gorecki stand sprachlos in einer Ecke, es schien, als ob er Tränen der Freude nur mit Mühe zurückhalten konnte. Und auch die beiden Söhne „tauten“ langsam auf. Neugierig stöberten sie in den Tüten und Kartons, die die deutschen Gäste nach und nach abluden.
"Beim ersten Besuch konnten die Kinder noch nicht lachen. Jetzt huschte wenigstens schon ein kleines Lächeln über die Gesichter der Jungs", freute sich Annerose Traut. Agnieszka gab plötzlich Ruth Beier einen dicken Schmatz auf die Wange. Die Oma, die sich rührend um ihre Enkelkinder kümmert, freute sich riesig über neue Kochtöpfe.

Die Hilfe geht weiter
"Die Stromrechnung der Familie werden wir jetzt von Deutschland aus bezahlen", freute sich Heinz Traut. Er macht sich auch Gedanken über die Regenrinne am Haus der Goreckis. "Die müsste ausgebessert werden."
Beim nächsten Besuch, den die Helfer bereits für Ostern geplant haben, soll Farbe und Abtönpaste für die Wände mitgenommen werden. "Vielleicht finden wir ja auch Sponsoren", denkt Traut nach. "Das Wichtigste sind jedoch Kleidung und Lebensmittel für die Kinder", sagt Vater Jan Gorecki. Geräte und Kleidung, die die Familie selbst nicht braucht, werden in den nächsten Tagen im ganzen Dorf verteilt.
"Wir haben ein gutes Werk getan", freute sich Helga Bähr am Nachmittag, "wir haben die Kinder glücklich gemacht." "Es ist viel beeindruckender, wenn man die Geschenke persönlich übergeben kann, selbst sieht, wie sich die Menschen freuen", fügte Ruth Beier an.