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Die Flemmingstraße in Guben: Ein bisschen schön darf sie sein

Eine Holperpiste ist sie noch, dennoch gut befahren: Die Flemmingstraße in der Gubener Obersprucke.
Eine Holperpiste ist sie noch, dennoch gut befahren: Die Flemmingstraße in der Gubener Obersprucke. FOTO: Daniel Schauff
Guben. Für die künftige Gubener Flemmingstraße gibt es drei Varianten – und einen klaren Favoriten. Der ist attraktiv, praktisch und vor allem nicht zu hübsch. Daniel Schauff

Immerhin: Fast 4000 Mal passiert in 24 Stunden ein Auto die Flemmingstraße. Zumindest war das an einem Freitag 2016 so und hat dann doch für Überraschung bei den Ingenieuren und der Stadtverwaltung gesorgt. Allerdings, das hat Straßenbauexperte Torsten Pelk vom Eisenhüttenstädter Ingenieurbüro Richter auch zu bedenken gegeben: Gerade einmal 107 Laster befahren die Straße in der Neustadt im gleichen Zeitraum. Für die Verwaltung sind das gleich zwei gute Nachrichten: Der grundhafte Ausbau, für den ein paar Hunderttausend Euro fällig werden, lohnt sich bei dem Verkehrsaufkommen. Gleichzeitig kann die Straße mit einer Belastungsklasse 1,8 gebaut werden und gilt nicht als Hauptgeschäftsstraße oder gar Industriestraße. Eine niedrigere Belastungsklasse heißt für die Stadt: weniger Kosten.

Zu hohe Kosten hingegen würde eine "Variante vier" verursachen, um deren Prüfung Günter Quiel (SPD), Vorsitzender des Umweltausschusses gebeten hat. Eine Allee stellt sich Quiel vor, mit Bäumen an den Straßenrändern, die eine Art Sichtschutz zu den vielen Plattenbauten entlang der Flemmingstraße bieten würden. Dafür gab es allerdings eine eingermaßen schnelle Absage - angesichts des angespannten Haushalts und der Pläne der Stadt, den Rückbau von Wohnungen vor allem in der Neustadt vorzunehmen, sei eine Großinvestition wie eine neue Allee durch die Obersprucke kaum durchsetzbar und schlicht zu teuer.

Ganz ohne optische Reize soll die Flemmingstraße der Zukunft aber nicht bleiben. Statt der jetzt rund 8,50 Meter breiten Fahrbahn soll ein Großteil des Teilstücks zwischen Cottbuser und Ahornstraße künftig deutlich enger werden. Dafür wächst der Straßenrand. Die Verkehrsinseln sollen nur zum Teil bleiben - zwei bis drei, wie Pelk sagt. An den Stellen bleibt folglich auch die Fahrbahn in Originalbreite erhalten. 700 000 Euro würden für die Variante fällig, die zumindest im Umweltausschuss den größten Zuspruch erhalten hat. Auch die Stadtverwaltung favorisiere die Variante, sagt Baufachbereichsleiter Sven Rogosky.

Der Vorschlag von Jens Kaehlert (Wir Gubener Bürger), die bleibenden Verkehrsinseln zu verbreitern, um die Raser auf der Strecke zum Bremsen zu zwingen, fand dagegen eher wenig Zuspruch. Nicht, weil Stadt und Ausschuss die Raser als unwichtig ansähen, sondern weil scharfe Biegungen, die dadurch entstehen würden, den Tollkühnen nur noch mehr Anreiz zum Rasen gäben, wie Rogosky vermutete.

Mit dem Wegfall von zwei Verkehrsinseln und dem Erhalt von zwei bis drei Inseln sowie der Verengung der Fahrbahn wählt die Stadtverwaltung den Mittelweg. Die vom Ingenieurbüro Richter vorgestellte Variante eins wäre mit 740 000 Euro deutlich teurer gewesen. Die Verkehrsinseln wären geblieben. Variante drei kommt ohne Inseln aus, ist preiswerter (690 000 Euro), hat allerdings auch kaum optischen Reiz. Und bei allen Sparzwängen in Guben: Ein bisschen schön darf die Flemmingstraße dann doch sein. Aktuell stehen die Planungen allerdings noch ganz am Anfang.

Zum Thema:
Als finanzschwache Kommune hat Guben im Dezember 2015 vom Bund 2,1 Millionen bekommen - eine Pauschalförderung, die nicht an bestimmte Maßnahmen gebunden ist. Der ohnehin geplante grundhafte Ausbau der Flemmingstraße rückte näher. 750 000 Euro hatte die Stadt zu Beginn für das Erneuern der 580 Meter langen Straße in der Obersprucke angesetzt. Nun wird es preiswerter, aber auch später. Wegen der Sanierung der Brücke an der Karl-Marx-Straße kann die Flemmingstraße als Umleitungsstrecke vermutlich erst Anfang 2018 begonnen werden.