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Deutsche Stücke aus Polen bewahren

In diesem Teil seiner Ausstellung sammelt Karten Koruhn Stücke zur Geschichte einen Crossener Glasmachers.
In diesem Teil seiner Ausstellung sammelt Karten Koruhn Stücke zur Geschichte einen Crossener Glasmachers. FOTO: Haazipolo
Guben. Die Crossener Heimat- und Gedenkstube wird oft besucht. Deutsche, die vor dem Krieg in der Gegend im heutigen Polen gelebt haben, und ihre Nachfahren finden dort Stücke aus ihrer ehemaligen Heimat. Der geschichtsinteressierte Sammler Karsten Koruhn hat sie in jahrelanger Arbeit zusammengetragen. Linda Haazipolo

"Polen? Das war für mich zu DDR-Zeiten meilenweit entfernt", erzählt Karsten Koruhn, der in Frankfurt an der Oder eigentlich in direkter Nachbarschaft zu Polen aufgewachsen ist. "Aber die Grenzen waren damals ja zu. Man konnte nicht einfach hin", erklärt er. Heute ist er verheiratet mit einer Polin und hat auch zwei Kinder mit ihr. Deswegen verbringt der Deutsche inzwischen sehr viel Zeit auf der polnischen Seite der Neiße und frönt dort seiner Sammelleidenschaft, die er schon seit seiner Jugend in Frankfurt pflegt. Mit wie viel Liebe zum Detail Karsten Koruhn seinem Hobby, dem Sammeln alter Gegenstände aus der deutschen Vergangenheit, nachgeht, kann man in seiner Heimat- und Gedenkstube in Guben deutlich sehen. In der von ihm zusammengestellten Schau in der Frankfurter Straße sind Schriftstücke wie Briefe, Urkunden und Zeitungsartikel, aber auch Alltagsgegenstände wie Bügelverschlüsse alter Bierflaschen und Dachziegel zu finden.

"Früher habe ich einfach alles gesammelt, was alt war. Heute beschränke ich mich auf Stücke aus dem Kreis Crossen", erzählt er. Das kommt daher, dass er durch seine polnische Familie besonders mit jener Region verbunden ist. "Unser Haus liegt ganz nah am Kreis Crossen. Da stolpert man fast automatisch regelmäßig noch auf Stücke, die auf die deutsche Vergangenheit hinweisen", erzählt der Geschichtsinteressierte. Alte Ofenkacheln aus deutscher Handwerkskunst gehören ebenso dazu wie Schulhefte, die früher Crossener Kinder benutzten. Alles das findet man in seiner Ausstellung. Auch die Geschichte einzelner Crossener kann man verfolgen. Mit Fotos, Briefen und anderen Dokumenten werden ihre Lebenswege gezeigt.

Einen Einblick in seine Sammlung gibt der Geschichtsinteressierte auf Nachfrage immer gerne. Wer die Telefonnummer wählt, die im Schaufenster der Heimatstube zu finden ist, kann einen Termin für eine Besichtigung vereinbaren. Regelmäßig zeigt er so seine Sammlung. "Hier in Deutschland sind es eher ältere Menschen, die vorbeikommen und sich interessieren. Von der polnischen Seite sind es eher die Jüngeren", erzählt er. Dass er die Stücke, die er in den letzten sieben Jahren zusammengetragen hat, mit anderen Interessierten teilt, ist dabei nicht ganz uneigennützig. Da oft Menschen, die früher in der Region gelebt haben, oder ihre Nachfahren vorbeikommen, bringen sie auch des Öfteren eigene Erinnerungsstücke mit. "Ich hoffe natürlich immer noch, ein paar Bilder oder etwas anderes dazuzubekommen,, um mein Archiv zu erweitern", sagt der Sammler. Auch der Heimatkreis Crossen, eine Vereinigung, die sich für die Deutschen, die die Region nach dem Krieg verlassen mussten, einsetzt, unterstützt die Heimatstube in Guben.

Für Karsten Koruhn ist es ebenfalls wichtig, diese Menschen zu unterstützen. Er wünscht sich einen Gedenkstein für die Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten. "Gerade hier in Guben ist das Thema Heimatverlust doch wegen des Tagebaus ständig um uns herum. Da wäre es schön, noch mal über so etwas zu sprechen", sagt er. Mit seinem Museum versucht er nun, die Geschichte des Kreises möglichst gut zu bewahren, sowohl für junge Polen, die wissen wollen, wie ihre jetzige Heimat früher war, als auch für Deutsche, die sich erinnern wollen.