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| 09:23 Uhr

Deutsche Bahn hängt Gubens Rollstuhlfahrer ab

Rollstuhlfahrer der Neißestadt haben seit kurzem keine Chance mehr, auf dem Gubener Bahnhof in Züge einzusteigen. Grund: Die Bahn hat einen entsprechenden Service eingestellt. Allerdings deutet sich an, dass es ab dem Fahrplanwechsel im Dezember eine neue Lösung gibt. Von Thomas Engelhardt

Ralf Kirsch aus Guben ist mächtig sauer. Der 43-jährige Rollstuhlfahrer hat bis vor wenigen Wochen regelmäßig den Mobilitätsservice der Deutschen Bahn genutzt. Sechs bis zehn Mal im Monat, so Kirsch, fahre er normalerweise mit dem Zug, vorrangig nach Cottbus. Die Mitarbeiter vom Mobilitätsservice sorgten in erster Linie dafür, dass Kirsch mit einem Lift ein- und aussteigen kann. „Sie kümmern sich aber auch, wenn man längere Strecken unterwegs ist, um Fragen des Umstieges, suchen alles Wichtige heraus“ , sagt Kirsch. Außer ihm würden mindestens drei bis vier weitere Rollstuhlfahrer regelmäßig den Service nutzen, sagt der Gubener.
Doch seit rund drei Wochen ist die Reisefreiheit von Ralf Kirsch arg beschnitten. Grund: Der Mobilitätsservice wird für Guben nicht mehr angeboten. Er habe sofort bei der zuständigen Stelle in Frankfurt (Oder) angerufen. Diese habe ihm als Alternative einen Fahrdienst angeboten. Dieser könne ihn dann zu einem Bahnhof bringen, auf dem der Service weiterhin angeboten werde. „Da kämen ja nur Frankfurt oder Cottbus in Frage“ , so Kirsch. Und das mache zum einen wenig Sinn, zum anderen sorge ein solcher Fahrdienst für eine zusätzliche Belastung der Umwelt, sagt der 43-Jährige.

Brief an Hartmut Mehdorn
Doch Ralf Kirsch ist keiner, der einfach tatenlos die Hände in den Schoß legt. Er hat sich nicht nur bei der zuständigen Stelle in Frankfurt beschwert. Auch an Bahnchef Hartmut Mehdorn schrieb der Gubener einen Brief. Zudem wandte er sich über die Landtags abgeordnete Monika Schulz (CDU) an den Behindertenbeauftragten des Landes Brandenburg. Dieser wiederum verwies zurück auf Gubens Behindertenbeauftragte Regina Bellack. „Ich habe zunächst einmal in Frankfurt energisch gegen diese Verfahrensweise protestiert“ , sagt Regina Bellack. Begründet worden sei die Tatsache, dass der Mobilitätsservice in Guben nicht mehr angeboten werden könne, mit einer Strukturveränderung.
Offenbar sei Guben aber nicht die einzige Stadt, in der Rollstuhlfahrer von der Bahn abgehängt werden. Ähnlich sehe die Situation im benachbarten Eisenhüttenstadt aus, habe sie von ihrer dortigen Amtskollegin erfahren, sagte die Behindertenbeauftragte.
Allerdings scheint eine Lösung in Sicht zu sein. Demnach sollen, so hat Regina Bellack erfahren, ab dem Fahrplanwechsel am 9. Dezember Doppelstockzüge auf den Gubener Strecken zum Einsatz kommen. Die hätten den Vorteil, dass der Einstieg abgesenkt wird und der Rollstuhlfahrer keinen Lift mehr benötigt.
Ob das so kommt, hat die Bahn allerdings nicht bestätigt. Sie konnte die Fragen der RUNDSCHAU bis Redaktionsschluss nicht beantworten.
Regina Bellack will so lange nicht warten. Insgesamt gehe es zwar nur um einige Wochen, aber jede Woche sei eine zu viel. Deshalb wolle sie noch einmal den Kontakt mit der Bahn aufnehmen.