Von Daniel Schauff

Wer weiß schon, dass die Deutschen besonders gern nach Polen auswandern? In der Statistik liegt das Nachbarland auf Platz drei hinter der Schweiz und den USA. In internationalen Ehen belegt Polen ebenfalls einen der drei Top-Plätze. Besonders viele Deutsche heiraten Türken, Russen und eben die Ostnachbarn. Das mag nur mittelmäßig wichtig sein, zeigt aber: Deutschland und Polen rücken näher. Das will Justyna Michniuk zeigen, wenn sie diese und ähnliche Fakten an den Anfang der Termine der kommenden Partnerschaftstour der Euroregion Spree-Neiße-Bober stellt. Letztere soll noch ein bisschen mehr Nähe zwischen den beiden Ländern schaffen.

Acht Termine stehen ab dem 14. März in Cottbus und Spree-Neiße fest. Zielgruppe sind Vereine, Träger von Einrichtungen, eben alle die, für die deutsch-polnische Projekte infrage kommen. Und das sind nicht nur Einrichtungen, die ohnehin einen engen Draht ins Nachbarland haben.

Carsten Jacob, Geschäftsführer der Euroregion Spree-Neiße-Bober auf deutscher Seite, zeigt eine Liste, in der er die neuen Träger markiert hat, die Projekte mit Hilfe des Kleinprojektefonds umgesetzt haben. Die Cottbuser Narrenweiber etwa gehören dazu, die gemeinsam mit dem Zentrum für Sport und Erholung im polnischen Zielona Góra eine Karnevalsfeier veranstaltet haben. Der Kulturverein Manitu in Forst, der gemeinsam mit dem Kulturzentrum in Kozuchow gleichsam einen mittelalterlichen Austausch zwischen Ritterfest und Mittelalterspektakel organisiert hat. Das Institut für Maschinenbau und Management an der Brandenburgischen Technischen Universität in Cottbus mit einem deutsch-polnischen Innovationsnetzwerk mit der Uni in Zielona Góra. Der Oldtimer-Club Guben, der gemeinsam mit dem Gemeinde-Kulturzentrum in Kargowa deutsch-polnische Oldtimertreffen organisiert.

Die Liste ist lang – von 2016 bis jetzt sind 23 neue Träger dazugekommen, rechnet Jacob vor. Eine Zahl, mit der die Euroregion sehr zufrieden sei. Das Ziel hatten sich Jacob und Kollegen deutlich selbst gesetzt – die Fördermöglichkeiten für deutsch-polnische Partnerprojekte sichtbarer machen, mehr nach außen gehen, um die Euroregion und ihre Arbeit bekannter zu machen. Stände auf Stadtfesten und anderen Veranstaltungen haben dazu beigetragen. Eine Analyse, mit der „weiße Flecken“ im Gebiet der Euroregion sichtbar werden sollten, ging dem voran. Längst nicht jede Region ist so Kleinprojektefonds-affin wie etwa Guben. In Spremberg etwa, sagt Jacob, gab es nur sehr wenige Projekte, die mit dem Geld aus dem Fonds realisiert wurden. Das habe sich in den letzten gut zwei Jahren aber deutlich verändert.

Die Partnerschaftstour soll weitere Interessierte über die deutsch-polnischen Kooperationsmöglichkeiten aufklären. Vorstellen wird die Euroregion dabei auch die digitale Datenbank, mit der Vertreter von interessierten Einrichtungen potenzielle Partner im Nachbarland suchen und finden können. Im Juni dann endet die Tour mit der ersten Partnerschaftsbörse der Euroregion in Guben, bei der in drei Workshops deutschen und polnischen Interessierten auch andere Fördermöglichkeiten, kulturelle Unterschiede und erfolgreiche Träger von Partnerschaftsprojekten vorgestellt werden sollen.