ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:53 Uhr

Der stille Tod des Pastlingsees

Mitten auf dem See: Das Paddel kann kaum ins Wasser getaucht werden. Nach etwa 20 Zentimetern wartet eine meterdicke Schlammschicht. Schon das Fahren mit dem Boot wird zum Hindernis, das Retten der restlichen Fische immer schwieriger.
Mitten auf dem See: Das Paddel kann kaum ins Wasser getaucht werden. Nach etwa 20 Zentimetern wartet eine meterdicke Schlammschicht. Schon das Fahren mit dem Boot wird zum Hindernis, das Retten der restlichen Fische immer schwieriger. FOTO: Jana Pozar/zar1
Guben. Der Pastlingsee war bis vor wenigen Jahren eine Naturidylle, die von Anglern und Wassersportlern gern besucht wurde. Doch heute bietet der See inmitten eines Naturschutzgebietes (NSG) einen traurigen Anblick. Nicht nur, dass die Fläche des Sees immer kleiner wird, von unten drückt der meterdicke Schlamm an die Oberfläche. Jana Pozar / zar1

Trügerisch schwimmen die Wellen über die Oberfläche des Pastlingsees nahe Drewitz. "Der See ist lebensgefährlich", erklärt Hartmut Göllner vom Kreisanglerverband Guben. Unter der Oberfläche türmt sich eine bis zu zehn Meter hohe Schlammschicht. "Wer hier hineinspringt, kommt nie wieder raus", warnt Göllner. Mitglieder des Anglerverbandes sind fast rund um die Uhr am Pastlingsee. Die halten Leichtsinnige davon ab, in den See zu springen oder mit dem Boot loszurudern.

Und sie sind seit einem Jahr damit beschäftigt, die Fische aus dem Pastlingsee in andere Gewässer umzusetzen. Aale, Zander, Hechte, Welse und andere Arten haben kaum noch eine Überlebensmöglichkeit. "Sie können im See nicht mehr schwimmen, die Kiemen sind verschlammt, die Fische verenden jämmerlich", erklärt Hartmut Göllner. Aber schon die Fahrt mit dem Boot zu einer Rettungsaktion wird zum Abenteuer. "Der Motor saugt sich im Schlamm fest, die Ruder lassen sich kaum bewegen", beschreibt Göllner das Problem. Dabei drängt die Zeit. "Wenn die Temperaturen nur ein paar Tage über 30 Grad ansteigen, ersticken die Tiere." Und als ob die Lage nicht schon dramatisch genug wäre: Im vergangenen Jahr wurden die Netze aus dem See gestohlen. Nun ist es kaum noch möglich, Reusen aufzustellen - wegen der geringen Wassertiefe. Die Angler sind sich einig: Der See ist nicht mehr zu retten. Jens Lerche, Vorsitzender des Kreisanglerverbandes, erinnert sich: "Vor etwa 30 Jahren sind wir hier noch getaucht. Der See war bis zu fünf Meter tief, der Boden fest." Für ihn ist klar: "Der Pastlingsee müsste leer gepumpt werden, der Schlamm austrocknen und dann entfernt werden. Dann könnte wieder Wasser zugeführt werden. Doch das kann keiner bezahlen."

Thomas Frey vom Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Brandenburg (LUGV) bestätigt die Lage am und im Pastlingsee. "Allerdings ist eine abschließende Bewertung der Ursache für die sehr niedrigen Wasserstände derzeit nicht möglich", sagt er. Sicher sei jedoch, dass die außergewöhnliche Trockenheit in diesem Jahr mitverantwortlich ist für den niedrigen und sinkenden Wasserstand. Der Pastlingsee und das angrenzende Moor würden seit Jahren kontinuierlich untersucht. "Dabei wurden bei den letzten Untersuchungen Veränderungen bei Fauna und Flora festgestellt, die im Zusammenhang mit den sinkenden Wasserständen stehen", so Frey. Für Pastlingsee und Moor sei zumindest zeitweise eine Wasserversorgung erforderlich. "Vattenfall hat signalisiert, dass es die Möglichkeit gibt, kurzfristig eine Wasserversorgung des Gebietes herzustellen", deutet Frey eine Lösung an.

Fehlende Niederschläge haben die Wasserfläche der Flachwasserseen sichtbar reduziert, bestätigt Vattenfall-Pressesprecher Thoralf Schirmer. Auch wenn der Wasserspiegel nur um zehn Zentimter falle, würde an den flachenGewässern schon ein mehrere Meter breiter Uferstreifen freigelegt. Der sichtbare Wasserrückgang sei aber klimatisch und nicht bergbaulich bedingt, betont er. Eine rechtliche Verpflichtung gebe es also für das Bergbauunternehmen nicht, so Schirmer, trotzdem habe Vattenfall angeboten, zur Stützung der Wassersituation im Pastlingsee beizutragen - und zwar über die Zuleitung von Trinkrohwasser aus der Wasserfassung Drewitz des Wasserwerkes Jänschwalde Ost. Allerdings benötige das Unternehmen dazu die Zustimmung des Landesamtes für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz. "Die Behörde hat dazu bislang keine Entscheidung getroffen", so Schirmer. Für deren Vertreter Thomas Frey ist "die Situation vor Ort wichtiger als Schuldzuweisungen". Klar sei aber, dass das wertvolle Naturschutz- und Erholungsgebiet stabilisiert werden muss. Vertreter des Landesbergamtes und des Landesumweltamtes würden derzeit mit einem zügig durchgeführten Genehmigungsverfahren die rechtlichen Voraussetzungen schaffen.

Kommentar: Pastlingsee retten - um jeden Preis?