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| 15:30 Uhr

Jugendarbeit
„Wir trinken Brause - kein Bier“

Stefan Labahn als der neue Vorstandsvorsitzende vom Förderverein für alternative Jugendarbeit und Jugendkultur. Er kennt den Jugendclub Comet seit seiner Kinderheit.
Stefan Labahn als der neue Vorstandsvorsitzende vom Förderverein für alternative Jugendarbeit und Jugendkultur. Er kennt den Jugendclub Comet seit seiner Kinderheit. FOTO: Michèle-Cathrin Zeidler
Guben. Der neue Vorstandsvorsitzende will mit Vorurteilen gegenüber dem Comet aufräumen.

Stefan Labahn ist der neue Vorstandsvorsitzende vom Förderverein für alternative Jugendarbeit und Jugendkultur. Er löste den langjährigen Vorsitzenden Peter Stephan ab, der aber weiterhin im Vorstand aktiv sein wird. Der Comet ist Stefan Labahn bestens bekannt, verbrachte er doch den Großteil seiner Kindheit hier. „Früher habe ich in der Kaltenborner Straße gewohnt“, erzählt der Gubener. „Ich bin jeden Tag nach der Schule in den Comet gekommen und habe mich mit meinen Freunden getroffen.“ Schon damals sei der Comet neben dem Spielplatz der einzige Anlaufpunkt für Jugendliche in diesem Stadtteil gewesen. „Seit 2006 warst du regelmäßig bei uns“, bestätigt auch Comet-Leiterin Evita Brülke. „Der Comet hat mir damals einfach gut gefallen. Ich hatte immer einen Ort, wo ich hingehen konnte“, fügt der neue Vorsitzende hinzu,

Auch nach seiner Schulzeit hat Stefan Labahn die Einrichtung weiterhin besucht. „Ich habe den Comet eigentliche nie so richtig verlassen“, schmunzelt der 21-Jährige. Seine Ausbildung zum Koch absolvierte er im Vattenfall Hotel in Lübbenau. „Danach zog ich wieder zurück nach Guben“, erzählt der ehemalige Vorsitzende vom Kinder- und Jugendbeirat. Heute arbeitet er als Koch in der Fleischerei During und ist der Vorsitzende der Jusos in Spree-Neiße. Außerdem ist Stefan Labahn seit zwei Jahren nicht nur ein gern gesehener Gast im Jugendclub, sondern arbeitet auch im Förderverein mit. „Der Wechsel an der Spitze hatte sich dann im Gespräch mit dem Vorstand ergeben“, verrät er.

Sein Ziel als neuer Vorstandsvorsitzender ist es, denn Comet noch bekannter zu machen und an dem Image der Einrichtung zu arbeiten: „Es muss raus aus den Köpfen, dass wir hier Alkohol trinken, rauchen und Drogen nehmen.“ Seit einigen Jahren herrsche auf dem gesamten Gelände ein striktes Rauchverbot. „Und aus den braunen Glasflaschen trinken wir Brause - kein Bier“, räumt der Gubener mit einem weiteren Vorurteil auf. „Es hat sich viel verändert.“

Außerdem möchte sich Stefan Labahn dafür einsetzen, dass die Arbeit der Pädagogen mehr Wertschätzung erfährt. „Hier prallen so viele verschiedene Charaktere an Kindern und Jugendlichen aufeinander und dabei leisten alle Mitarbeiter tolle Arbeit“, so Stefan Labahn. „Diese Leistung wird leider oftmals übersehen.“

Diese Erfahrung hat der Comet in den vergangenen Jahren immer wieder gemacht. Erst nach der Neuausrichtung der Sozialarbeit im Landkreis Spree-Neiße im vergangenen Herbst musste die Einrichtung um ihre zwei Vollzeitstellen bangen. Aber der Förderverein kämpfte: In  einem Brief an die Abgeordneten lehnte der Verein die vorgeschlagene Reduzierung der zwei Vollzeit- auf zwei 0,9-Kräfte in seiner Einrichtung ab und bat die Abgeordneten um Hilfe. Daraufhin hielt die Stadt an der Jugendarbeit im bisherigen Umfang im Comet fest. Die dafür nötigen 8000 Euro jährlich mehr werden aus dem Haushalt finanziert. „Aber auch diese zwei Stellen sind schon sehr gering“, weiß Stefan Labahn. „Teilweise ist ein Pädagoge zehn Stunden am Stück alleine mit 20 Kindern im Club – das ist hart.“ Eine zusätzliche Stelle würde Entlastung bringen. „Aber dafür sehe ich kaum Chancen“, gesteht Stefan Labahn.

Der Comet ist als offener Jugendtreff von Montag bis Samstag geöffnet. Im Schnitt kommen täglich 20 bis 30 Kinder und Jugendliche. „Wir sind nicht mehr der typische Jugendclub. Das hat sich gewandelt“, sagt Evita Brülke. Ihre Zielgruppe sei heute deutlich jünger. „In den vergangenen zwei Jahren hat sich der Anteil der Sechs- bis Elfjährigen von sechs auf 22 Prozent erhöht.“ Diese Entwicklung führt sie auf den Flüchtlingszuzug zurück. „Die Kinder toben gerne in der großen Halle, fahren Inliner oder spielen mit der Playstation“, weiß Evita Brülke. „Auch der neue Spielplatz wird im Sommer gut angenommen und unsere Ferienfahrten sind immer schnell ausgebucht.“ Aktuell sucht der Comet Unterstützer für neues Spielmaterial. „Wir brauchen dringend neue Schaumstoffklötze“, verrät die Leiterin des Jugendclubs.