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| 01:07 Uhr

Der letzte Sirtaki

Guben.. Sie sind jung. Sie sind hübsch. Ihre lächelnden Gesichter kennen die meisten Gubener von einem ihrer zahllosen Tanzauftritte in den letzten Jahren. Doch jetzt flossen bei den vier „Magix“ die Tränen. Die Geschichte der erfolgreichen Tanzgruppe ging mit einem Vortanzen aller Tanz-Musikschüler in der Aula des Pestalozzi-Gymnasiums zu Ende. Jana Pozar


Das junge Leben von Liane Wickmann (20), Stefanie Hausmann (19), Noreen Appelt (29) und Daniela Hugler (19) ist eng mit dem Leben der Gubener Musikschule und der Dance Company verbunden. Getanzt haben die vier jungen Frauen schon immer, anfangs in unterschiedlichen Gruppen, später zu viert als die „Magix“.
Jede der vier Tänzerinnen kann ihre eigene Geschichte zum Tanzen, zur Musikschule und zur Dance Company erzählen. Stefanie war als Fünfjährige die erste Tanzschülerin von Wilgried Zarske in der damals neu eröffneten Musikschule. Stefanie weiß noch, wie sie als Kind immer zappelig war, nie stillsitzen konnte. „Damit ich ,ausgelastet’ war, meldete mich Mutti an der Musikschule an. Ich war froh, weil ich nun richtig tanzen lernen konnte“, sagt Stefanie heute.
Die heute 20-jährige Liane tanzt seit der 1. Klasse. „Die ersten Begegnungen mit dem Tanzen hatte ich in der U-Baracke, wo ich den Tänzern oft zuschaute und gern mitgetanzt hätte. Meine Mutti hörte damals von dem neuen Angebot in der Musikschule und schickte mich hin.“
Noreen, die Erfahrendste der Vier, kam über eine Freundin zum Tanz. Sie wusste, dass die Lehrerin Wilgried Zarske „toll sein soll, also sind wir da hingegangen“ , erzählt Noreen, die nun schon seit 15 Jahren tanzt.
Eher ein tänzerischer Spätzünder war Daniela. Sie fing erst in der 8. Klasse an, sich für die abgestimmten rhythmischen Bewegungen in einer Gruppe zu interessieren. Die Dance Company trat damals in ihrer Schule auf, Daniela war begeistert und wollte es selbst probieren.
Stefanie weiß noch genau, wie früher die kleinen Tänzerinnen immer die großen bewunderten. „Die Großen waren für uns immer die Besten.“ Am Ende waren sie die „Großen“ , und sie haben es genossen.
Keine der vier jungen Frauen fand das Tanzen und Trainieren irgendwann anstrengend. „Das lag aber auch an Frau Zarske. Sie war Respektperson und Freundin zugleich“, sind sich Stefanie und Noreen einig.
An lustige Pannen erinnern sich die Vier auch. So flog während des Tanzes auch mal ein Schuh im hohen Bogen durch die Luft, Kleiderverschlüsse sprangen auf, Gummis rissen. „Aber das bekamen wir in den Griff, jeder half jedem. Unauffällig“, erzählt Stefanie schmunzelnd.
Die Gedanken an den letzten Auftritt verdrängten die vier „Magix“ lange. Stefanie wachte an dem Tag schon mit einem Kloß im Hals auf. Schon während der letzten Proben flossen dann die Tränen. Wilgried Zarske, die oft burschikos wirkende Trainerin, hatte seit Tagen „nah am Wasser gebaut“ .
Nach dem „Letzten Sirtaki“ , es war der letzte der „Magix“ in Guben, brachen in der Aula des Pestalozzi-Gymnasiums dann alle Dämme. Nicht nur bei den Tänzerinnen flossen die Tränen. Im vollbesetzten Saal gab es wohl kaum einen, der sich nicht zumindest verstohlen eine Träne aus dem Augenwinkel wischte. Jahrelanges Training, unzählige Auftritte und plötzlich die letzten gemeinsamen Schritte.
Jetzt zieht Stefanie zu ihrem Freund nach München. Liane und Daniela werden studieren. Nur für Noreen ist es kein echter Abschied. Sie arbeitet weiterhin im Ensemble. Ihre zweieinhalbjährige Tochter Prisca tanzt auch schon mit.
„Wir wollen in Verbindung bleiben“, sind sich die vier „Magix“ sicher. Ob das Glänzen in ihren Augen dabei schon wieder Tränen sind?