Von Ute Richter
und Thomas Engelhardt

28 Mitglieder wird die neue Stadtverordnetenversammlung (SVV) haben, die am 26. Mai gewählt wird. Um diese 28 Plätze bewerben sich 77 Kandidaten. Das Interesse, bei der Entwicklung der Stadt im wahrsten Sinne des Wortes mitzureden, ist also groß. Ebenso groß ist die Bandbreite bei den Kandidaten. Sie reicht vom Studenten bis zum Rentner und beweist somit: Kommunalpolitik ist keine Frage des Alters.

Als jüngster Bewerber geht Thomas Laugks am 26. Mai ins Rennen – und das gleich doppelt. Für die SVV kandidiert der 19-Jährige auf der Liste der CDU. Zudem bewirbt er sich um einen Platz im Kaltenborner Ortsbeirat. Dort geht er zusammen mit Heiko Balzer und Christian Kühne für die Wählergruppe Generation Kaltenborn an den Start.

Laugks ist in Guben kein Unbekannter. Der junge Mann war einst Vorsitzender des Kinder- und Jugendbeirates und Geschäftsführer der Gubener Apfelwein SchülerGmbH. Mit Aufnahme seines Lehramtsstudiums zog sich der Kaltenborner etwas zurück, doch weil er fast an jedem Wochenende und in seinen Semesterferien sowieso in seiner Heimat ist, will er nun wieder „angreifen“. Gemeinsam mit Balzer (50) und Kühne (30) will er den Generationenwechsel im Ortsbeirat einläuten und für frischen Wind in Kaltenborn sorgen.

Die drei Männer wollen beratend Politik für den Ortsteil machen und sich der Themen Anbindung, Ortsgestaltung und Strukturwandel annehmen. „Nicht wir geben primär Lösungen vor, sondern die Einwohner Kaltenborns sollen mit eingebunden und gehört werden“, erzählt Thomas Laugks. „Wir sind sozusagen die Kümmerer und wollen uns für unseren Ortsteil einsetzen.“ Das Motto der drei lautet „Aus der Mitte mit Anbindung an die Zukunft“.

Der Zuspruch im Ortsteil ist auf alle Fälle vorhanden. „Innerhalb kürzester Zeit haben wir die Unterstützungsunterschriften, die für neue Wählergruppen notwendig sind, zusammen bekommen“, berichtet Laugks’ Mitstreiter Balzer. „Die Leute finden die Mischung unserer Wählergruppe gut“, fügt Kühne an. Alle drei sind übrigens parteilos und gehören dem Kaltenborner Bürgerverein an.

Auf der anderen Seite der Alters­skala steht Günther Krause. Der 77-Jährige geht für die FDP an den Start und sitzt bereits seit 2002 im Stadtparlament. „Wir sind im Ortsverein ja relativ wenig Mitglieder. Deshalb habe ich mich im Dienst für meine Partei erneut aufstellen lassen.“

Der gelernte Chemiefacharbeiter lebt seit 1964 in Guben und hat sich schon immer für Kommunalpolitik interessiert. „Ich wäre aber nie in die SED gegangen“, betont er. Krause entschied sich für die LDPD als Alternative und führte nach der Wende sein Engagement in der FDP weiter. Gern erinnert er sich noch an einen Besuch des einstigen Bundesvorsitzenden Otto Graf Lambsdorff in Guben und ein Treffen in der Gaststätte „Universum“.

Günther Krause weiß, dass Kommunalpolitik machmal ein zähes Ringen ist. Zeitweise saß er als FDP-Einzelkämpfer im Stadtrat, zeitweise zu zweit mit Rainer Zuchold. Geht es um die Dinge, die seine Zeit als Abgeordneter geprägt haben, dann fällt zu allererst der Name Klaus-Dieter Hübner und das Hin und Her um dessen Person. Krause ist überzeugt: Hübner wurde „unrechtmäßig rausgeschmissen“. Und: „Zusammen mit ihm als Bürgermeister konnten wir uns meist durchsetzen.“

Doch sein Blick geht nicht nur zurück. Günther Krause hat auch klare Vorstellungen von dem, was künftig in Guben passieren soll. „Der Stadtumbau muss zu Ende gebracht werden. Ich bin in dem Zusammenhang gegen den Rückbau von außen nach innen. Besser wäre es, die Blöcke beispielsweise altersgerecht umzubauen.“

Insgesamt schaut der 77-Jährige positiv auf die Zeit seines kommunalpolitischen Wirkens. „Es lief bisher gut in der Stadtverordnetenversammlung. Wir werden sehen, wie es sich weiterentwickelt.“