| 14:57 Uhr

Veranstaltung
Die zwei Seiten der Schwarzarbeit

Die Stühle beim 12. Stadtwächterstündchen am Samstag reichten kaum aus. Geschichtsinteressierte und Weggefährten kamen zum Jubiläum „25 Jahre Schreibarbeit“ von Andreas Peter.
Die Stühle beim 12. Stadtwächterstündchen am Samstag reichten kaum aus. Geschichtsinteressierte und Weggefährten kamen zum Jubiläum „25 Jahre Schreibarbeit“ von Andreas Peter. FOTO: Ute Richter
Guben. Der Gubener Verleger Andreas Peter blickt auf 25 Jahre Schreibarbeit zurück. Von Ute Richter

25 Jahre Schreibarbeit waren es am Samstag Stadtwächter Andreas Peter wert, gemeinsam mit den Besuchern beim 12. Stadtwächterstündchen zurückzuschauen und zu feiern. Und auch wenn der Titel „Schwarzarbeit“ war, so hatte das doch gar nichts mit der Umgehung von Dienst- oder Werkleistungen unter Verstoß gegen Steuer- und Sozialversicherungsrecht zu tun.

Im Gegenteil: Gemeint ist die schwarze Farbe, mit der Gedanken, Worte und Sätze auf dem Papier sichtbar werden. Denn das war damals der Grund, dass der heutige Stadtwächter und Verleger mit dem Schreiben begann: „Ich kam frisch vom Studium und wollte mich – auch aufgrund der Wendesituation – einfach mit einmischen und meine Meinung kundtun. Damals war das dann plötzlich auch möglich.“

Vor allem stadtgeschichtliche, kulturelle und literarische Themen und Rezensionen sind entstanden, Gedichte, Beiträge für überregionale Zeitschriften, Projekte der BTU Cottbus sowie Radio- und Fernseh-Sendungen. Aber auch Bücher hat Andreas Peter verfasst und herausgebracht. Er hat sich stets Themen gewidmet, die vorher kaum Beachtung fanden, wie zum Beispiel die jüdische Geschichte oder das Kriegsgefangenenlager in Groß Breesen im Ersten Weltkrieg.

Dass seine Arbeit nicht nur im stillen Kämmerlein passierte und passiert, sah man auch daran, dass die Plätze im Stadtwächterstübchen kaum ausreichten. Geschichtsinteressierte Bürger und Weggefährten waren gekommen.

Und so ließ Andreas Peter alle noch einmal teilhaben an seinem Weg als einer der Wenigen, die sich mit der Gubener Geschichte auch kritisch auseinandersetzen. Er erzählte von seinem ersten Schultag als Lehrer am Pestalozzi-Gymnasium, als ihm seine damalige Vermieterin eine Zuckertüte und eine Pizza mitgab. Die Besucher erfuhren einiges über die Theatergruppe an der Schule, zu der ein kleines Heft „Fünf Jahre Laienspiel am Pestalozzi-Gymnasium“ entstanden ist. Peter erzählte über Uschi Knels ebenso wie über Dieter Lehmann: „Er konnte ununterbrochen Geschichten erzählen, da musste ich auch eine über ihn machen.“ Herbert Sommer ist ebenfalls Weggefährte, genau wie Ursula Tschöpe, die gemalt und geschrieben hat. Und auch wenn sie bei den Gubenern aufgrund ihrer vielen Katzen eher in anderer Erinnerung ist, für den Verleger war sie eine wunderbare Frau, die leider schon verstorben ist.

Doch manchmal gab es auch Begegnungen, über die sich Andreas Peter heute noch wundert. So wie die mit dem Welt-Journalisten Wolfgang Bischer. Er schrieb damals das Buch „Deutschland eine Reise“, machte in Guben Station und traf dort auf Andreas Peter. „Wie halten Sie das hier nur aus?“, hatte Bischer Peter gefragt. „Ich mache Lokalgeschichte, denn ich kann mich ja nicht jeden Tag betrinken“, sagte Peter. Und genau das steht wohl auch so in diesem Buch. Nichts von der Schönheit der Stadt und nichts von den Menschen. „Das hat mich damals sehr verwundert“, so Andreas Peter.

Doch es gibt auch viele positive Geschichten und Begegnungen, die er in den 25 Jahren erlebt hat: mit Heinz (Henry) Kronheim, der sich als Jude noch vor dem Zweiten Weltkrieg nach England retten konnte, oder mit Rita Buts, „Die Kleene aus der Salzmarktstraße“ und kürzlich die Enkelin des ehemaligen Gubener Oberbürgermeisters Dr. Alfred Glücksmann. Oder Dr. Heinz-Dieter Krausch, Mitbegründer des Gubener Heimatkalenders, mit dem Andreas Peter in regem Briefkontakt steht. In einem Brief fand Peter einst ein Gedicht, welches wohl aus den 40er-Jahren stammt – „Verflucht alle, die Kanonen bauen“.

Unterstützung fand Andreas Peter bei Freunden und Mitstreitern wie beispielsweise Prof. Günter Bayerl von der BTU, Steffen Lohbrandt, der seine Texte in die Buch-Form brachte, oder Thomas Zach, der mit seinem Wissen die beiden Bildbände der „Gubener Impressionen“ ermöglichte. Bei Hermann Walter und seiner Frau bekam der Gubener Verleger über Jahre hinweg bei der Leipziger Buchmesse eine Bleibe sowie Unterstützung und Zuspruch.

Gedankenloser und unsachgemäßer Umgang mit Kunst und Geschichte sind ihm zuwider – das macht er auch deutlich, so wie in der Veröffentlichung „Von der Doppelstadt zur Deppenstadt“. Sie sollte zeigen, wie schlecht recherchiert, lieblos und mit Rechtschreibfehlern versehen die Broschüre „Der Grüne Pfad“ erstellt wurde. Mittlerweile ist eine halbwegs bessere Ausgabe auf dem Markt. Aber dass der Gubener Stadtwächter nicht nur zurück, sondern auch nach vorn blickt, hat er unter anderem mit seinen drei Piepsi-Kinderbüchern über die Klosterkirchenmaus bewiesen.

Im Publikum saß am Samstag  auch Eelco Bisschop aus Hamburg. Der Architekt hatte einst eine Studienarbeit über Guben geschrieben und war zufällig dabei. „Jetzt sieht man mal die Person hinter manchen Publikationen“, lobt er.