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Dem Biber auf der Spur

Der Biber fühlt sich auch in Groß Breesen bei Guben sehr wohl. Hier unterhöhlt er Straßen und sorgt für überflutete Flächen.
Der Biber fühlt sich auch in Groß Breesen bei Guben sehr wohl. Hier unterhöhlt er Straßen und sorgt für überflutete Flächen. FOTO: dpa
Groß Breesen. Die geschützten Nager fühlen sich wohl in der Region. Groß Breesen gilt als Biber-Hochburg. Wenig begeistert sind die betroffenen Anwohner. Silke Halpick

Mehr als 3000 Biber gibt es mittlerweile wieder in Brandenburg. Der Bauernbund schätzt die Zahl sogar auf mindestens zehntausend. Die streng geschützten Tiere nagen sich durchs Unterholz und überfluten landwirtschaftliche Flächen oder lassen Wege und Zufahrten einbrechen. Die Schäden sind erheblich.

Wie Biberschutz und die Interessen der Betroffenen unter einen Hut gebracht werden können - darüber will die RUNDSCHAU im Rahmen ihrer Veranstaltungsreihe "LR vor Ort" diskutieren. Als Gesprächspartner eingeladen sind Jens-Uwe Kellberg (Ortsvorsteher von Groß Breesen), Sven Rogosky (Baufachbereichsleiter der Stadt Guben), Henrik Schuhr (Sachgebietsleiter der Unteren Natur-, Jagd- und Fischereibehörde), Sven Alich (Geschäftsführer des Gewässerverbandes Spree-Neiße) und Mathias Gutt (Biberbeauftragter in Brandenburg). "Es ist schon erschreckend, welchen Schaden die Biber anrichten", sagt Ortsvorsteher Jens-Uwe Kellberg. Multicars, Radlader und Traktoren seien in Groß Breesen schon eingebrochen, weil die Nager die Wege unterhöhlt haben. Besonders betroffen ist der Bereich am ehemaligen Weinberg. Hier müssen mehrere Biberfamilien leben, wie Kellberg vermutet. Gezählt hat sie noch niemand, weil die Tiere dämmerungs- und nachtaktiv sind. "Groß Breesen ist ein Hotspot der Biberpopulation", bestätigt auch Henrik Schuhr vom Landkreis. Das liege an der großen Vielfalt fließender Gewässer. Das Grano-Buderoser Mühlenfließ plätschert hier entlang, aber auch die Alte Mutter und das Schwarze Fließ. So vielfältige Bachstrukturen, die für Biber besonders geeignete Habitate darstellen, gebe es erst wieder in Richtung Sachsen zu finden. Klar, dass sich die Biber in Groß Breesen wohlfühlen.

"Der Biber hat sich in unserem Verbandsgebiet flächendeckend ausgebreitet", betont Silvio Alich vom Gewässerverband. Besonders problematisch sei es immer dort, wo Stauanlagen umspült, komplett zerstört oder stark beschädigt werden. Als aktuelles Beispiel nennt er das Naturschutzgebiet Hispe an der Neiße südlich von Forst. Hier sei ein Schaden in Höhe von 60 000 Euro entstanden. Alle Bemühungen des Verbandes, finanzielle Unterstützung für die Schadensbeseitigung zu finden, seien bisher ins Leere gelaufen.

Auf sein aktives Bibermanagement ist das Land Brandenburg eigentlich stolz. Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger (SPD) hat vor zwei Jahren einen Sieben-Punkte-Maßnahmeplan ins Leben gerufen. Dieser umfasst unter anderem eine Biberverordnung mit dem Ziel, Ausnahmen beim strengen Biberschutz zur Gefahrenabwehr zuzulassen. Zudem werden Fördermittel von 700 000 Euro bis 2020 über die ELER-Richtlinie "Natürliches Erbe" für Präventionsmaßnahmen zur Verfügung gestellt.

"Zu viel Bürokratie" bei der Beantragung von Fördermitteln kritisiert Sven Rogosky. Für die Gubener Stadtverwaltung ist der Nager ein Dauerthema. Problematisch ist auch die Umsetzung der Tiere. "Alle Reviere sind besetzt", sagt er. Wohin also mit den störenden Bibern?

Vier ehrenamtliche Biberbeauftragte, die Betroffenen bei Problemen "beraten und helfen" sollen, gibt es seit Juli 2017 im Landkreis Spree-Neiße. Darauf weist Henrik Schuhr hin. Zudem gibt es sachkundige Personen, die Vergrämungsmaßnahmen übernehmen können. Das ist in der Jägersprache die Vertreibung und das Fernhalten von Wildtieren.