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| 02:36 Uhr

Deckel ab und Geld dafür

André Schurmann, Mandy Kleemann und Matthias Bärmann (v. l.) vom Gubener Rotary Club beim Verladen der Deckelsammlung.
André Schurmann, Mandy Kleemann und Matthias Bärmann (v. l.) vom Gubener Rotary Club beim Verladen der Deckelsammlung. FOTO: dsf
Guben. Was haben eine Limoflasche und Kinderlähmung miteinander zu tun? Bei den Gubener Rotariern viel, denn mit einer Deckel-Sammelaktion unterstützen sie den weltweiten Kampf gegen Polio – und das mit Erfolg. Daniel Schauff

Auf den ersten Blick sehen die vier Riesensäcke, die beim Gubener Fahrzeugbauer Popp gelagert sind, nicht sonderlich spektakulär aus. Der Inhalt aber hat es in sich. Tausende Kunststoff-Deckel von Trinkflaschen, Zahnpastatuben und Milchkartons sind über den Winter zusammengekommen, eingesammelt an Dutzenden Annahmestellen in der Neißestadt und darüber hinaus. "Sogar in Chemnitz steht eine Sammeltonne", sagt Matthias Bärmann, Präsident des Rotary Club Guben.

Bärmann hatte mit gerade einmal zwei so genannten Big Packs gerechnet, die sich am Montag per Lkw auf den Weg nach Berlin machen würden. Dass es doppelt so viele sind, überrascht und freut den Rotarier.

Die Deckel-Aktion wird vor allem in Guben gut angenommen, wo Bärmann und die Rotarier bereits im September mit 50 Sammelbehältern gestartet sind. Wie viele es jetzt sind, das weiß er gar nicht so genau. Das Sammeln ist zum Selbstläufer geworden.

Initiative gegen Polio

Grund für die Freude bei den Neißestadt-Rotariern ist nicht ein lebenslanger Vorrat verschiedenster Kunststoffdeckel in allen Farben und Formen, sondern die Absicht, die sie mit der Deckelsammlung verfolgen. Den Kunststoff kauft eine Berliner Recyclingfirma, für den Sammler gibt's Geld. Die wiederum fließt in die Initiative "End Polio Now", die sich weltweit für dem Kampf gegen die Kinderlähmung einsetzt. Das Ziel, mit Spendengeldern gegen die Kinderlähmung zu kämpfen, hat sich der Rotary Club bereits vor fast 40 Jahren gesetzt. Die Deckel-Aktion ist 2013 in Deutschland ins Leben gerufen worden. In Guben gibt es sie seit September 2015.

Mit 500 Deckeln, so die grobe Rechnung der Rotarier, lässt sich eine Impfung bezahlen. Wie viele Deckel in den vier Big Packs sind, kann Matthias Bärmann erst am nächsten Tag sagen, wenn die Berliner Recycler das Material gewogen haben. Klar ist allerdings schon am frühen Montagmorgen, dass allein die Arbeit der Hände fürs Verladen nicht ausreicht. Per Gabelstapler werden die Säcke in den Lkw geladen.

Dass gerade in Guben die Deckelaktion so erfolgreich läuft, liegt vor allem an der Bindung zu zahlreichen Einrichtungen im Stadtgebiet, sagt Bärmann. Es muss nicht eigens ein Transport organisiert werden, der die Tonnen leert. Ein Vater etwa, der sein Kind zur Friedensschule fährt, bringt die Deckel von dort mit. Ähnlich funktioniere das bei den anderen Sammelstellen. Fahrzeugbau Popp stellt seine Halle zur Verfügung für die Lagerung, die Spedition Wilke übernimmt die Fahrt nach Berlin. Von der Bäckerei Dreißig kommen die Sammeltonnen. Die Rotarier selbst haben in der vergangenen Sommerhitze die Plakate auf die Tonnen geklebt, die an zahlreichen Orten auf die Aktion hinweisen.

Kein Ende in Sicht

"Vor allem da, wo Kinder sind, läuft die Aktion besonders gut", sagt Bärmann. In der Friedensschule, sagt er, hätten die Lehrer einen Wettbewerb gestartet - wer die meisten Deckel sammelt, hat gewonnen. "Für Kinder ist das natürlich toll", so der Rotary Club-Präsident. Auch beim Weihnachtsmarkt seien Hunderte Deckel zusammengekommen. Mitunter hätten die Gäste ganz aufgeregt gefragt, wo sie nun ihre Deckel hinwerfen dürfen.

Gerade weil die Deckelsammel-Aktion in Guben so gut ankommt, sieht Bärmann auch keinen Grund, mit dem ersten Großtransport zum Recycler das Sammeln zu beenden. Selbst wenn es den Rotariern irgendwann nicht mehr um die Kinderlähmung gehen sollte, dann gebe es sicherlich ein neues Spendenprojekt, so Bärmann.

Kommentar: Einfach nur sammeln

Zum Thema:
Pro Euro, den der Rotary Club für den Kampf gegen Polio spendet, legt die "Bill und Melinda Gates Stiftung" zwei Euro drauf. Auch das Geld aus der Deckelaktion in Guben wird mithilfe der Stiftung verdreifacht. Kinderlähmung ist als Krankheit in weiten Teilen der Welt kein akutes Problem mehr. Fälle gibt es aber noch in einigen Ländern wie etwa Nigeria, Afghanistan und Pakistan.