Der Journalist Günter Herlt, der im DDR-Fernsehen auch einige Male das umstrittene Politmagazin „Der Schwarze Kanal“ moderiert hatte, war diesmal als leidenschaftlicher Satiriker, zu Gast in Guben und zog innerhalb von kürzester Zeit die über 50 Besucher der Bibliothek in seinen Bann. Seine Kostproben aus den Büchern "Wenn der Opa mit der Oma", "Lach dich gesund" oder "Sekt oder Selters" strapazierten die Lachmuskeln der Gäste aufs Äußerste.
"Eigentlich ist es nur mit dem Senf der Satire zu verdauen, was in den letzten Jahren geschehen ist", sagte Herlt beinahe nachdenklich. Doch seine Nachdenklichkeit erwies sich recht schnell als bitter-süßer Sarkasmus, der auf vergnügliche, bissig-amüsante Art und Weise Geschichte, Gegenwart und Zukunft in ein Licht rückte, das dem Zuhörer entweder ein schallendes Lachen oder aber auch nur ein vorsichtiges Schmunzeln entlockte. Im ersten gesamtdeutschen Kalender versuchte sich Herlt als Regierungsberater, in dem er Ost und West die Feiertage erklärte. "Da fragte doch ein Ossi, ob man am Fronleichnam auch trinken darf. Und wenn ja, dann nur Magenbitter?", scherzte der Satiriker. Auch der Reformationstag ist heute aktueller den je, "Arbeitsreform, Gesundheitsreform....", so Herlt. Er ist sich sicher, dass Martin Luther heute auch Zoff mit der Obrigkeit bekäme. Thesen wie &bdquo ;Man darf dem Ochsen der da drischt, nicht das Maul verbieten" oder "Sprengt die Ketten von Hartz IV, denn der Mensch ist kein Arbeitstier" könnte sich Günter Herlt gut vorstellen.
Doch auch als Ratgeber für Omas und Opas von heute betätigte sich Herlt in seinen Büchlein. Heitere Geschichten vom Wohl und Wehe der jung Gebliebenen, die fit wie ein Turnschuh sind, durch die Welt reisen und für jede Überraschung gut sind. "Auf jeden Fall möchte ich hier vor falschen Geschenken für die alten Leutchen warnen", sagte er lachend. Und schon waren die Zuhörer mittendrin in der vergnüglichen Geschichte über die Tücken der Technik, die Oma mit dem Geburtstagsgeschenk ihres Enkeln überwinden musste. Das neue Handy stellte sich als "Flüstertüte" heraus, Oma war völlig überfordert, bis sie es satt hatte und das Ganze selbst in die Hand nahm.
Der Enkel staunte nicht schlecht, als sie nach einem Übungskurs "Mit dem Handy auf du und du" nur so mit Fachausdrücken um sich war. "Wenn sie also ihren Großeltern ein Handy schenken wollen, sollten sie das nur in Verbindung mit einem Nachhilfekurs tun", sagt Günter Herlt. Während ein Teil der Gäste sich in diesem Chaos selbst wiederzufinden schienen, bogen sich die anderen vor Lachen und zückten ihre Taschentücher, um sich die Tränen aus den Augen zu wischen.
"Hilfe zur Selbsthilfe wird immer mehr zur wichtigsten Hilfe", so Herlt verschmitzt. "Lach dich gesund" ist zur Anleitung der heiter-ironischen Verarztung von Körper und Geist geworden. "Allerdings hatte sich bei klinischen Tests mehr Gesunde krank gelacht als Kranke gesund gekichert, deshalb erfolgt die Einnahme dieser Texte auf eigene Gefahr", steht auf dem Beipackzettel. Auch auf dem Gebiet der Gesundheit wird "Ostelbien noch lange Entwicklungsgebiet bleiben", war sich der Autor der heiteren Kurzgeschichten. "Heute ist es noch Satire und morgen schon Gesetz. Irgendwer in der Regierung schreibt hier ab", vermutete Herlt und zog damit wieder alle Lacher auf seine Seite. Freiwillig gab er eine Zugabe: Wie schnell man so eben schon mal eben 700 Euro vertelefonieren kann, zeigte seine Geschichte "Opa und das Callgirl". "Ich dachte, bei ihre wäre ein Rohrbruch, sie b rauchte dringend Hilfe", verteidigte sich Opa.
Nach der Lesung ging kaum ein Gast ohne eines der Herlt-Bücher nach Hause. Regina Keiler von der Heron-Buchhandlung in Guben verkaufte fast 40 Bände. Günter Herlt hatte noch lange zu tun, um allen eine persönliche Widmung zu geben - gewohnt ironisch-satirisch.