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| 19:15 Uhr

Guben und die Kohlekommission
Kohleausstieg: Das sagen Gubener

 Zehn Jahre lang wurde beim Sternmarsch der Dörfer Atterwasch, Grabko und Kerkwitz gegen neue Braunkohle-Tagebaue und speziell den geplanten Tagebau Jänschwalde-Nord protestiert. Nun wurden erste Eckpfeiler für einen Ausstieg aus der Kohle festgemacht.
Zehn Jahre lang wurde beim Sternmarsch der Dörfer Atterwasch, Grabko und Kerkwitz gegen neue Braunkohle-Tagebaue und speziell den geplanten Tagebau Jänschwalde-Nord protestiert. Nun wurden erste Eckpfeiler für einen Ausstieg aus der Kohle festgemacht. FOTO: Patrick Pleul
Guben/Schenkendöbern. Abschlussbericht der Kommission wird vorsichtig optimistisch bewertet. Von Thomas Engelhardt

Der Abschlussbericht der so genannten Kohlekommission, der am Wochenende unter Dach und Fach gebracht wurde, sorgt auch in Guben und Umgebung für reichlich Gesprächsstoff. Gubens Bürgermeister Fred Mahro bewertet die vorgelegten Ergebnisse zum Beispiel grundsätzlich positiv. „Ich finde es erst einmal gut, dass man sich auf Abläufe und Zeiträume verständigt hat und darauf, dass diese Abläufe auch noch einmal überprüft werden sollen“, so das Stadtoberhaupt.

Gut sei auch, dass in dem Papier die besondere, schwierige Situation der Lausitz als solche erkannt worden sei. Und für die Gubener sei natürlich wichtig, dass sich im Abschlussbericht der Kommission auch die Frage der Entwicklung der Neißestadt wiederfindet. Mahro macht sich in diesem Zusammenhang unter anderem für die weitere verkehrstechnische Erschließung des Industriegebietes Forster Straße stark.

Steffen Krautz hat sich jahrelang für den Kampf gegen den Tagebau Jänschwalde-Nord engagiert. Der Kerkwitzer war einer der Hauptinitiatoren der Sternmärsche, die jeweils zu Jahresbeginn stattfanden und bei denen sich mehrere Hundert Tagebaugegner am Alten Schafstall bei Kerkwitz trafen, um gegen neue Tagebaue zu protestieren. Krautz sagt zum Abschlussbericht: „Ich habe in den vergangenen Jahren gelernt, dass es wichtig ist, beide Seiten zu sehen, die der Bergleute genauso wie die der Dörfer, die abgebaggert werden sollen. Denn beide haben Angst um ihren Heimatbegriff, beide Seiten müssten völlig neu beginnen, wenn das Szenario eintrifft, das ihnen droht – ein Szenario, dass ernsthaft durchzuspielen lange Jahre sträflich vernachlässigt wurde.“ Deshalb sei es aus seiner Sicht jetzt auch wichtig, dass die Vertreter der verschiedenen, konträren Meinungen weiter gemeinsam am Tisch bleiben. „Man muss jetzt weiter dranbleiben, darf nicht nur meckern“, sagt Krautz.

Bernd Starick, Vorstandsmitglied der Bauern AG Neißetal mit Sitz in Groß Gastrose, hatte am Montag angefangen, den Abschlussbericht zu lesen. „Es ist richtig, dass es jetzt ein Werk gibt, auf dem aufgebaut werden kann.“ Er betrachte dies auch als ein Signal an die jungen Menschen, dass man in der hiesigen Region leben kann. Nun müsse dieses Papier mit Leben erfüllt werden. „Auch wir als Landwirte wollen dazu gehört werden, wollen uns äußern“, so Starick. Da gehe es zum Beispiel um Fragen der Rekultivierung. Es gelte, innovative Geschichten anzuschieben, neue Ideen für die Region. Deshalb bleibe der Ausstieg aus der Kohle eine Riesenaufgabe.

Für die Bauern AG sei die noch wichtigere Entscheidung vor zwei Jahren die Aufgabe der Pläne zum Tagebau Jänschwalde-Nord gewesen. „Wäre dieser Tagebau gekommen, wäre das für uns ein härterer Eingriff gewesen.“

Weniger zufrieden zeigte sich der Schenkendöberner Kreistagsabgeordnete Andreas Stahlberg mit den Ergebnissen der Kommission. Er habe sich speziell für die Lausitz konkretere Ziele erhofft. So sei lediglich das geplante Enddatum für den Kohleausstieg, das Jahr 2038, festgelegt worden. Kritik äußerte Stahlberg unter anderem daran, dass die Brandenburger Landesregierung nicht von den Plänen für den Tagebau Welzow II abgerückt sei.