Ihre erste eigene Wohnung haben sich Nadine und ihr Freund Benjamin zu einem kuscheligen kleinen Nest eingerichtet. Zurzeit ist es allerdings ein bisschen kuscheliger, als ihnen lieb ist. Überall stehen Kerzen, kein TV- oder Radio-Gedudel stört die Idylle. So ganz ohne Strom ist das Leben etwas ruhiger als gewöhnlich.
„Am schlimmsten ist, dass ich nicht waschen kann. Die Waschmaschine ist total voll.“ Aber ansonsten hat sich Nadine ihren Tag ohne Strom eingerichtet. Morgens geht sie zum Duschen ins Bad, das kein Fenster hat - „mit drei Kerzen“ . Inzwischen gibt es wenigstens wieder warmes Wasser. In den ersten Tagen musste Nadine kalt duschen. Beim Schminken hat sie inzwischen ihre ganz eigene Technik raus: „Ich lege eine Taschenlampe so hin, dass sie in den Spiegel leuchtet.“ Den Kühlschrankinhalt hat Nadine auf den Balkon verlagert - „zum Glück ist es ja kalt draußen“ . Als sie am vorigen Dienstag nach Hause kam, war der Strom schon weg. Da funktionierte kein Herd mehr, auf dem sie verderbliche Sachen schnell noch hätte wegkochen können. Zurzeit gibt es nur Stulle oder was vom Imbiss um die Ecke - Hauptsache warm. Apropos: Die Heizung funktioniert halbwegs. „Aber sie wird nicht so warm wie sonst.“
Etwas Gutes hat die Situation für Nadine aber doch: „Ich komme abends viel mehr dazu, was für die Schule zu machen“ , sagt die Floristik-Auszubildende. Bücherstudium bei Kerzenschein. Und wenn es Nadine und Benjamin doch mal zu dunkel zu Hause wird, gehen sie zu ihren Eltern. „Oder shoppen.“