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Das fröhliche Dreiergespann aus Jänschwalde

Familienfoto nach einem Jahr: René Richter mit Alexander und Konstantin und Christina Richter mit Katharina und Annalena (v.l.).
Familienfoto nach einem Jahr: René Richter mit Alexander und Konstantin und Christina Richter mit Katharina und Annalena (v.l.). FOTO: Steffi Ludwig
Jänschwalde. Der 25. April 2014 stellte bei Familie Richter aus Jänschwalde alles auf den Kopf – ihre Drillinge wurden geboren. Nun wird die kleine Rasselbande schon ein Jahr alt, ist vom Typ her grundverschieden und noch immer pflegeleicht: Alle drei schlafen beispielsweise seit einem halben Jahr durch. Kurz vor dem 1. Geburtstag besuchte die RUNDSCHAU die Familie. Steffi Ludwig

Katharina steht an der Tischkante und grinst schelmisch. An ihrer Kauleiste blitzen drei Zähnchen - da ist sie den beiden Jungs um einen Zahn voraus. Auch bei der Fröhlichkeit ist sie klar im Vorteil. "Sie ist auch eher die Ruhige, Geduldige, die erstmal alles beobachtet", sagt Mama Christina (33).

Konstantin mit der flauschigen Sturmfrisur, der sich gerade am DVD-Player vorbeihangelt, ist da eher der Meckerer. Und Alexander, der noch immer die dicksten Bäckchen hat, ist der Draufgänger im Bunde. Mit Blitzgeschwindigkeit robbt er durch die Wohnung, vorbei an der Tür bis in den Flur und grinst von dort seine Mama an.

Es geht wuselig zu bei Familie Richter - kein Wunder bei drei gleichaltrigen Kleinkindern. Und doch ist die Atmosphäre irgendwie entspannt. "Ich kann mich gar nicht erinnern, wann zuletzt alle drei gleichzeitig gebrüllt haben", schmunzelt Christina Richter. "Das war seit der Geburt auch nur zweimal der Fall."

"Unglaublich viel Glück gehabt"

Und nur einmal habe es zwei blutige Nasen gegeben - kleiner "Unfall" beim Krabbeln. "Das A und O sind feste Zeiten", findet Mama Christina. So geht es nachmittags erst raus an die frische Luft, dann zum Spielen in den Laufstall und nach dem Abendbrot nochmal eine halbe Stunde in den Laufstall, bevor Schlafenszeit ist.

Aus Sicht gestresster Kleinkindmütter mit extremem Schlafmangel ist die Familie gesegnet mit Kindern, die durchschlafen. "Sie gehen 19 Uhr ins Bett und schlafen dann bis halb sieben", freut sich Christina Richter. Ungefähr vor einem halben Jahr hätten sich alle drei gleichzeitig dazu entschlossen, die Eltern nachts nicht mehr zu stören. Auch bei durchstoßenden Zähnchen gab es keine Probleme.

Zu beachten ist nur, dass Katharina vier Nuckel braucht, Konstantin dagegen gar keinen. Früh wartet das Dreiergespann dann geduldig im Bettchen, bis es geholt wird. "Sie sind eben so aufgewachsen, dass sie wissen, dass sie warten müssen. Sie beschäftigen sich auch viel alleine", sagt Christina Richter. "Insgesamt gesehen haben wir schon unglaubliches Glück gehabt."

Schon die Schwangerschaft war recht unproblematisch gewesen, die Drillinge hielten bis zur 33. Schwangerschaftswoche im Mutterleib aus - sonst werden Drillinge oft schon in der 28. Woche geholt.

Deshalb waren die drei bei der Geburt im Carl-Thiem-Klinikum Cottbus auch für Drillinge ungewöhnlich gut entwickelt: Katharina wog 1750 Gramm bei 43 Zentimetern Größe, Alexander maß 1725 Gramm und war 44 Zentimeter groß und Konstantin 1490 Gramm und 41 Zentimeter.

So ähnlich ist das Größenverhältnis noch heute: Katharina ist noch immer die Schwerste und Konstantin, der "Kleine", noch immer ein knappes Kilo leichter - obwohl er genau wie seine Schwester beim Essen ordentlich reinhaut. "Beide essen fast alles, Stullchen und auch schon richtiges Mittagessen", erzählt Christina Richter. Alexander dagegen sei, obwohl er die dicksten Bäckchen habe, eher mäkelig, will am liebsten nur süßes Zeug wie Apfelmus essen.

Friedliches Trio bei der Taufe

Aber insgesamt gesehen sind sie ganz normal entwickelt wie ihre Altersgenossen - auch in motorischer Hinsicht. Konstantin setze sich zwar noch nicht alleine hin, aber am Tisch oder am überdimensionalen achteckigen Laufgitter ziehen sich alle drei seit Monaten in den Stand hoch. Zwei rufen bereits nach "Mama" oder verlangen "Nane".

Auch bei der Taufe am Ostersonntag zeigte sich das Trio von ihrer besten Seite. Eingestrickt in Taufkleidung von ihrer Oma Monika Riese - Mützen und Pullunder für die Jungs und ein Kleidchen für Katharina - machten sie keinen Mucks. "Manche haben sich gefragt, ob da überhaupt Babys waren", verkündet Mama Christina.

Auch die Eingewöhnung in der Kita in Tauer, die in der vergangenen Woche startete, sei kein Problem gewesen. "Ich hätte auch sofort gehen können", schmunzelt Christina Richter.

Die große Tochter Annalena (4) weine dagegen jetzt noch gelegentlich beim Abgeben im Kindergarten. Sie sei sowieso in einigen Punkten schwieriger als die Drillinge. Und fordere jetzt natürlich auch ihre Zeit ein - gerade in der gegenwärtigen Trotzphase könne das schon mal heftig ausfallen. "Das ist überhaupt das Schlimmste, das schlechte Gewissen gegenüber unserer Tochter, nicht genügend Zeit für sie zu haben", meint Christina Richter. "Denn vorher war sie immer die Prinzessin, hatte die ungeteilte Aufmerksamkeit, das geht ja nun nicht mehr."

Doch noch hat Papa René Richter (34) Elternzeit und kann auch mal mit Annalena auf dem Trampolin hüpfen - von den zwei Monaten pro Kind nahm er jeweils drei nach der Geburt und drei am Ende des ersten Jahres. Als der Papa wieder arbeiten ging, hatte die Familie eine Kinderfrau auf Minijobbasis eingestellt. "Meine Tante Martina war dafür eingesprungen, sie machte ihren Job toll", so Christina Richter. Wieder ein Glücksgriff.

Für die Hausarbeit hatte die Familie für die erste Zeit nach der Geburt eine Haushaltshilfe organisiert, die sie selbst bezahlen musste. Denn Christina Richter ist als Bundesbeamtin im gehobenen Dienst beim Zoll in Cottbus zwangsläufig privat krankenversichert, und die Versicherung lehnte eine Kostenübernahme ab. Doch seit über einem halben Jahr putzt die Mama wieder allein, das klappe eigener Auskunft nach ganz gut.

Eine Woche nach dem ersten Geburtstag der Drillinge beginnt jedoch für die Richters der Ernst des Lebens. Christina Richter will wieder arbeiten gehen. Darauf freut sie sich schon. Sie hat Teilzeit beantragt, 30 Stunden pro Woche. Weniger sei nicht möglich, da sie die Hauptverdienerin in der Familie ist.

Auch mal Zeit zu zweit gönnen

Da ihr Mann als Kamin- und Ofenbauer in Tauer frühmorgens bereits kurz nach sechs beginnt, wird ihr dann die Aufgabe zufallen, alle vier Kinder alleine in den Kindergarten zu bringen. "Da habe ich schon ein bisschen Bammel", gibt sie zu. "Aber irgendwie wird auch das klappen." René Richter wird die Kinder dann meist gegen halb vier abholen.

In der kommenden Woche will sich das Ehepaar Richter jedoch Zeit zu zweit gönnen, wenn alle vier Kinder im Kindergarten sind. Beide haben Urlaub und haben sich zumindest vorgenommen, mal in der Burger Therme zu relaxen oder shoppen zu gehen.

Die Richters hoffen, dass da etwas draus wird. Denn sie wissen - im Hinterkopf den Winter, in dem immer ein anderes Kind krank war - dass bei Kleinkindern immer etwas dazwischen kommen kann. Doch sie sind guter Dinge. Denn bis jetzt haben sie ja oft viel Glück gehabt.