| 02:35 Uhr

Dankeschön an alle Unterstützer

Eine Fotoausstellung erinnerte den Kampf gegen die Abbaggerung von Kerkwitz, Atterwasch und Grabko.
Eine Fotoausstellung erinnerte den Kampf gegen die Abbaggerung von Kerkwitz, Atterwasch und Grabko. FOTO: utr1
Atterwasch/Kerkwitz. Kerkwitz, Grabko und Atterwasch fallen nicht der Braunkohle zum Opfer. Am Samstag wurde an geschichtsträchtiger Stelle gefeiert. Ute Richter / utr1

Wie ein Lauffeuer hatte sich am 30. März die Nachricht verbreitet: Der Kampf in der Region mit der breiten Unterstützung aus aller Welt hat sich gelohnt. Die drei Dörfer in der Gemeinde Schenkendöbern werden nicht dem Tagebau zum Opfer fallen. Vor und in der Atterwascher Kirche, wo sich zehn Jahre lang Hunderte Menschen am Reformationstag versammelten, um gegen den Klimawandel und die Abbaggerung zu demonstrieren, fand Anfang April ein spontaner Gottesdienst mit anschließender Feier vor der Kirche statt.

Am Samstag nun wurde noch einmal diese erlösende Nachricht an einem ebenso geschichtsträchtigen Ort gefeiert. Seit zehn Jahren marschierten die Einwohner aus Grabko, Atterwasch und Kerkwitz gemeinsam mit den von Tagebaurandlage bedrohten Ortsteilen Taubendorf und Groß Gastrose mit einem Sternmarsch in Richtung "Alter Schafstall" zu einer Wiese zwischen Kerkwitz und Atterwasch. Sie demonstrierten dafür, dass sie ihre Heimat behalten können. Von Jahr zu Jahr wurde die Unterstützung und die Züge aus den Dörfern größer.

Am Samstag nun trafen sich alle wieder - um zu feiern und um sich zu erinnern. Bürgermeister Peter Jeschke fasste noch einmal den langen Leidensweg der Einwohner der betroffenen Dörfer zusammen. Er habe am 18. September 2007 aus dem Radio die vernichtende Nachricht erfahren. "Die Lawine hat uns damals überrollt", sagt er. Große Unterstützung bekam er von der damaligen Europaabgeordneten Elisabeth Schröder, die am Samstag auch vor Ort war. Sie hat damals den Akteuren sehr geholfen, hat auf vieles aufmerksam gemacht, woran die Schenkendöberner nie gedacht hätten. Ihr galt am Samstag ein ganz besonderer Dank. Aber Jeschke dankte auch Nicole Haustein und Andreas Stahlberg, die die Gemeinde als Mitarbeiter für bergbaubedingte Sonderaufgaben eingestellt hatte. Auch René Schuster von der Grünen Liga und Thomas Burchardt von der Klinger Runde sind Namen, die beim Kampf gegen die Braunkohle immer wieder auftauchen.

Woran alle am Samstag mit einem breiten Grinsen und großem Stolz dachten, war die Menschenkette im August 2014. Gut 7500 Menschen aus 27 Ländern hatten einst große Solidarität mit den bedrohten Dörfern zwischen Kerkwitz und dem polnischem Grabice gezeigt. "Das hatten wir in unseren kühnsten Träumen nicht erwartet", so Jeschke. Die jährlichen Treffen zum Reformationstag und der Sternmarsch wurden noch einmal in Erinnerung gerufen. Und dann kam am 30. März 2017 die erlösende Nachricht: Atterwasch, Kerkwitz und Grabko bleiben stehen. Und damit es jeder auch glaubt, zitierte Jeschke unter großem Applaus aus dem offiziellen Schreiben der Landesplanung an die Leag, worin die Einstellung des Braunkohleplans Jänschwalde-Nord schwarz auf weiß geschrieben steht.

Der Samstagnachmittag an historischer Stelle war sehr emotional. Vor allem die Ortsvorsteher der betroffenen fünf Dörfer haben viel erlebt: Verärgerung, Angst, Hoffnungslosigkeit, Sorgen, Zukunftsangst. "Wir sind heute so stolz, dass wir die ersten sind, die es geschafft haben Abbaupläne zu ändern. Kampf lohnt sich eben", so Roland Lehmann, dem am Samstag oft die Tränen in den Augen standen in Erinnerung an die große Unterstützung, die sie erfahren haben.

Dank galt am Samstag auch den Menschen, die aus anderen betroffenen Regionen in jedem Jahr zum Reformationstag oder zum Sternmarsch kamen. "Vergessen wir die nicht, die heute noch Angst um ihre Dörfer haben müssen: Welzow/Proschim oder auch auf polnischer Seite Gubin", waren sich alle einig.

Aber auch die Tagebauranddörfer des aktiven Tagebaus Jänschwalde dürfen nicht vergessen werden. Die erste Möglichkeit, Solidarität mit ihnen zu zeigen, gibt es am 29. Oktober, wenn in Taubendorf eine Lesung im Wald mit Udo Tiffert stattfindet. Treffpunkt ist um 15 Uhr an der Mahnglocke in Taubendorf.