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Cottbus/Guben: Diebe nehmen Autohäuser ins Visier

Cottbus/Guben. Die Wut wächst. Seit immer mehr Autohändler in der Region Opfer von Einbrüchen und Diebstählen werden, fordern die Geschäftsleute Hilfe von der Polizei. Die Handwerkskammer will jetzt mit Brandenburgs Innenminister und dem Cottbuser Polizeipräsidenten Abwehrmaßnahmen besprechen. Von Andrea Hilscher

Hagen Ridzkowski, Chef verschiedener Mercedeshäuser in der Region, ist ein besonnener Mann. Doch wenn er derzeit auf das Thema Kriminalität angesprochen wird, verliert er seine Gelassenheit.

Nachdem Diebe im vergangenen Jahr 40 000 Euro Schaden in seinem Gubener Autohaus angerichtet haben, schlugen Weihnachten Kriminelle in Cottbus und Neujahr in Guben zu. Wieder musste Ridzkowski 25 000 Euro Schaden an die Versicherung melden. "Die Diebe bauen aus Sprinter-Modellen Auspuffanlagen und Katalysatoren aus", sagt er.

Im vierten Quartal 2011 wurden im Bereich Cottbus /Spree-Neiße 156 Fälle von Diebstählen an und aus Kfz gemeldet. 81 Delikte wurden in Cottbus begangen, 23 in Guben und 16 in Forst (24 Prozent Steigerung). Reduziert hat sich die Zahl der Kfz-Diebstähle an sich. Hier gab es im letzten Quartal 2011 genau 90 Fälle in Cottbus /Spree-Neiße, im Vergleich zu 114 Delikten 2010 (minus 21 Prozent).

Matthias Schulze, Mitgeschäftsführer von VW-Autohäusern in Cottbus, Spremberg und Forst, weiß kaum noch, wie er seine Filialen schützen soll. Allein der Wachschutz in Cottbus kostet ihn 35 000 Euro. "In Forst haben sie uns gerade ein Auto direkt von der Hebebühne geklaut", sagt Schulze. Einen Einbrecher hat sein Wachschutz vor wenigen Wochen auf frischer Tat ertappt. Um 22 Uhr wurde der Mann gefasst, um 3 Uhr früh war er wieder auf freiem Fuß." Auch Siegmar Ruprecht, Geschäftsführer von zwei Autohäusern für Skoda, VW und Audi in Guben und Peitz, beklagt steigende Ausgaben für die Sicherheit. "Im vergangenen Jahr hatten wir etwa 10 000 Euro Mehrausgaben für Alarmanlagen und Wachschutz", sagt er.

Ridzkowski, Schulze, Ruprecht und ihre Kollegen fordern jetzt eine massive Erhöhung der Polizeipräsenz. Hagen Ridzkowski: "Das Thema muss ausführlich diskutiert und die Polizeipräsenz erhöht werden." Es könne nicht angehen, dass Privatleute regelrechte Bürgerwehren organisieren müssten, um ihr Eigentum zu schützen. "Das Sicherheitsgefühl unserer Handwerksbetriebe in der Grenzregion ist erschüttert", sagt Knut Deutscher, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Cottbus (HWK).

Deshalb habe die HWK Cottbus ein Treffen mit Brandenburgs Innenminister Dietmar Woidke (SPD) und Polizeipräsident Arne Feuring organisiert. In dem Gespräch solle über geeignete Maßnahmen diskutiert werden, um die Handwerksunternehmen besser vor Diebstählen zu schützen. Eines der Themen wird auch die "künstliche" DNA sein.

Kati Prajs von der Abteilung Prävention der Polizei erklärt: "Künstlicher DNA ist eine lackähnliche Flüssigkeit." In dieser Flüssigkeit befinden sich winzige, gekennzeichnete Partikel, die unter UV-Licht leuchten. "So lassen sich Gegenstände dauerhaft identifizieren", so Prajs. In einem Pilotprojekt hat die Polizei 500 Fläschchen mit der Flüssigkeit in Frankfurt (Oder) verteilt. Warnaufkleber an den Autos machen auf die Markierung aufmerksam. "Alles, was markiert wurde, wurde in Frankfurt (Oder) nicht gestohlen", so ein Polizeiexperte. Das Pilotprojekt soll auf Schwedt, Eisenhüttenstadt, Guben und Forst ausgedehnt werden.

Zum Thema:

Im Herbst 2011 wollten die Handwerkskammern Cottbus und Dresden von ihren Mitgliedsbetrieben wissen, wie sie die Sicherheitslage im grenznahen Raum einschätzen. Die Betriebe im Spree-Neiße-Kreis bewerten ihre Sicherheitslage mit schlecht (44 Prozent). In Cottbus / Spree-Neiße entstanden innerhalb eines Jahres Schäden in Höhe von 1,2 Millionen Euro. 43 Prozent der befragten Betriebe sehen eine Verschlechterung der Sicherheitslage im letzten Jahr.