Das Coronavirus beeinflusst den Alltag der Lausitzer inzwischen stark. Im Landkreis Spree-Neiße sind bis Sonntag nun sechs Corona-Erkrankungen bestätigt worden. 37 Kontaktpersonen befinden sich in häuslicher Isolation. 20 Menschen wurden am Sonnabend im Klinikum Forst einem Test unterzogen, die Auswertung liegt noch nicht vor.

Forster Klinik von Grenzschließung kalt erwischt

Die Kliniken in der Neiße-Region sind von der Schließung der Grenzen nach Polen in der Nacht zum Sonntag überrascht worden. Die Entscheidung der polnischen Staatsregierung „hat uns kalt erwischt“, bestätigt Hans-Ulrich Schmidt, Chef der Lausitzlinik in Forst. Einige Mitarbeiter aus seinem Haus pendeln täglich aus dem Nachbarland nach Forst zur Arbeit. „Wir haben für sie jetzt schnell Bescheinigungen erstellt, dass sie bei uns arbeiten“, so Schmidt.

Die polnischen Beschäftigten in der Forster Lausitz-Klinik haben am Sonntag zum Teil nur mit Problemen und auch Verspätungen ihren Arbeitsplatz erreicht. Das sagt Hans-Ulrich Schmidt. Eine Mitarbeiterin sei erst zwei Stunden später als geplant in Forst angekommen. „Der kleine Grenzverkehr kann nicht mehr genutzt werden, so musste die Kollegin über Bademeusel einreisen und somit einen Umweg in Kauf nehmen“, sagt Schmidt. Außerdem sei ihr angekündigt worden, dass sie bei einer Rückkehr nach Polen dort dann 14 Tage in Quarantäne verbringen müsse. „Hier muss es dringend Lösungen geben“, appelliert Schmidt an die Politik. Die Mitarbeiterin arbeitet im Forster Krankenhaus auf der Intensivstation. „Dort wird sie gerade jetzt natürlich besonders gebraucht“, so der Klinik-Chef. Insgesamt arbeiten sechs polnische Mitarbeiter in der Forster Klinik.

Seit Sonntag 0 Uhr sind die Grenzübergänge nach Polen für die Deutschen dicht. Die Einreise wird seitens des Nachbarstaates nur noch in Ausnahmefällen erlaubt. Die Busverbindungen sind eingestellt, die Bahnen indes fahren weiter. Bis vorerst 24. März werden wieder verstärkt Grenzkontrollen durchgeführt. Jeder Einreisende nach Polen muss seine Kontaktdaten einschließlich Telefonnummer hinterlassen. Ausnahmen werden nur bei Fahrern im Personen- und Güterverkehr gemacht. Der Grenzübergang Guben-Gubin ist für diese Ausnahme-Einreisen offen. „Zur Arbeit dürfen die Bürger weiter über die Grenze pendeln“, sagt der Gubener Bürgermeister nach Rückversicherung von polnischer Seite.

Hilfe für Kinderbetreuung drängt jetzt

Das ist wichtig vor allen in Gesundheitswesen und Pflege. Auch im Forster Krankenhaus werden zwar nicht lebensnotwendige Operationen verschoben. „Allerdings ist die Versorgung unserer Patienten dennoch gesichert“, bekräftigt der Klinikchef. Jetzt werden auch Betten für mehr Corona-Patienten mit schweren Verläufen der Infektionen bereitgehalten.

Nach der angekündigten Schließung von Schulen und Kindertagesstätten ist die Forster Klinik laut Schmidt in enger Absprache mit der Stadt, um ein Betreuungsangebot für Kinder von Mitarbeitern des Hauses zu organisieren. „Dazu laufen jetzt die Gespräche, ich bin zuversichtlich, dass wir da eine Lösung finden werden“, berichtet Schmidt.

Um die Patienten zu schützen, hat das Naemi-Wilke-Stift am Sonnabend eine Besuchersperre für alle stationären Abteilungen erlassen. Das teilt Rektor Markus Müller mit. „Wir sind dankbar, dass noch keine Corona-Infektion – weder bei Patienten noch beim Personal – behandelt werden musste. Aufgrund der aktuellen Infektionsgefahr müssen wir vorbeugen“, sagt er.

Im Krankenhaus Spremberg sind die Besuchszeiten wegen der aktuellen Infektionslage eingeschränkt und die Cafeteria für auswärtige Gäste geschlossen worden.

Guben beschränkt Leben in der Stadt auf das Nötigste

Der Gubener Bürgermeister Fred Mahro (CDU) wendet sich in einer Videobotschaft an die Bürger. Noch ist Guben infektionsfrei. Das öffentliche Leben wird jedoch vorsorglich auf das Nötigste beschränkt.

Die geplante Produktmesse am Sonnabend ist abgesagt worden. Da vor allem ältere Bürger mit Vorerkrankungen eine besonders von schweren Verläufen der Infektion bedrohte Gruppe ist, werden auch die persönlichen Besuche zu Geburtstagen und Jubiläen bis auf weiteres ausgesetzt. Das teilt die Rathaus-Spitze mit.

Unklar ist nach dem Krisengespräch der Landräte und Oberbürgermeister der kreisfreien Städte Brandenburgs am Sonnabend in Potsdam noch immer, ob Eltern ab Mittwoch die Möglichkeit haben, ihre Kinder fakultativ in die Schule zu schicken. Notbetreuungen für den Nachwuchs von Eltern in Berufsgruppen, die beispielsweise im Gesundheitswesen unverzichtbar sind, werden organisiert. Bürgermeister Fred Mahro bedauert es, diese drängende Frage der Familien noch unbeantwortet lassen zu müssen. Detaillierte Informationen seien erst am Montag zu erwarten.

Geldfragen zu Kita-Beiträgen in Spremberg müssen warten

Die Stadt Spremberg bittet darum, Fragen zu Beitragsregelungen für die Kindertagesstätten und Horte hinten an zu stellen. Zuerst werde jetzt daran gearbeitet, die Einrichtungen zu schließen und die Notbetreuung für die Kinder der Eltern in verzichtbaren Berufen zu organisieren. Geldfragen können demnach erst zu einem späteren Zeitpunkt beantwortet werden.

Die Spremberger Schwimmhalle ist schon geschlossen. Weitere Entscheidungen zum Betrieb öffentlicher Einrichtungen stünden an. Der Babyempfang und das Jahrestreffen der heimischen Wirtschaft sind abgesagt. Auch Guben prüft, ob weitere städtische Einrichtungen wie die Musikschule „Johann Crüger“ und die Bibliothek geschlossen werden. Der Landkreis Spree-Neiße hat das für seine Musikschule, die Museen und Schullandheime bereits getan.

Die Bürger werden gebeten, einen Blick auf öffentliche Mitteilungen und Aushänge zu werfen. Der Landkreis Spree-Neiße informiert auf seiner Internetseite ständig transparent über den aktuellen Stand der Corona-Erkrankungen und Menschen, die sich in Quarantäne begeben mussten.