Sie ist eigentlich ein ganz fester Termin im jährlichen Veranstaltungskalender: die Maifeier in der Gubener Gartenanlage „Süd-West“. Parteien und Gewerkschaften laden dazu ein, gemeinsam in den Wonnemonat zu feiern und über Aktuelles rund um das Thema Arbeit ins Gespräch zu kommen.

Doch die Coronakrise sorgt auch in diesem Fall dafür, dass eine langjährige Tradition unterbrochen werden muss: Die Maifeier 2020 fällt aus. „Dabei ist der Anlass, der Tag der Arbeit, in diesem Jahr so aktuell wie selten zuvor“, sagt Peter Stephan. Stephan ist seit Jahren so etwas wie das Gesicht der Gubener Maifeier, derjenige, bei dem die organisatorischen Fäden zusammenlaufen. Er ist nicht nur Mitglied der Fraktion Die Linke in der Gubener Stadtverordnetenversammlung, sondern auch Mitglied der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau). Er weiß, wovon er spricht, wenn er sagt, dass er Bauchschmerzen hat, wenn er an das Thema Arbeit und Corona denkt.

„Diese Bauchschmerzen habe ich zum Beispiel, wenn ich an die Kollegen im Bereich Nahrung und Genussmittel denke, an jene, die in Gaststätten angestellt sind. Und auch wenn sie nicht direkt unser Klientel sind, denke ich da auch an die Selbstständigen und die Kleinstunternehmer“, sagt Stephan.

Gubener hat die Geschichte des Kurzarbeitergeldes recherchiert

Und er ist froh, dass es in Deutschland die Kurzarbeit und mit ihr das Kurzarbeitergeld gibt: „Das sorgt zumindest für eine gewisse soziale Abfederung.“ Und das schon seit vielen Jahren, wie Stephan erklärt: „Dieses arbeitsmarktpolitische Instrument blickt in Deutschland auf eine über 100-jährige Geschichte zurück und würde ohne eine starke Gewerkschaft nicht existieren.“

Die ursprüngliche Form des Kurzarbeitergeldes gehe auf ein Gesetz aus dem Jahr 1910 zurück. Damals, so hat der Gubener recherchiert, ging es um den Ausgleich von Arbeits- und Verdienstausfällen im Kalibergbau und der Düngemittelindustrie.

Was seine eigene Branche, das Baugewerbe, angeht, sieht Peter Stephan dieses aktuell noch weniger betroffen, vor allem, weil die Auftragslage momentan noch gut sei. Nicht auszuschließen sei aber, dass es auch in diesen Gewerken zu einer deutlich höheren Belastung komme könne.

Doch trotz all der Sorgen blickt Peter Stephan auch ein Stück weit optimistisch nach vorn: „Ich hoffe, dass im Zuge der Krise vielleicht auch mehr Menschen erkennen, was sie wirklich brauchen. Dass wir naturverbundener leben sollten und nicht alle Ressourcen verbrauchen.“

Enttäuschung beim Gubener Gartenverein

Traurig darüber, dass die Maifeier in diesem Jahr ausfällt, ist man übrigens auch in der Gartensparte „Süd-West“. Schatzmeister Harald Lerke: „Das ist schon schlimm. Das war immer ein Zusammentreffen von Jung und Alt, auch von Leuten, die nicht Mitglied unserer Sparte sind.“ Es sei für den Verein zudem auch stets die Gelegenheit gewesen, leere Gärten zu präsentieren. „Schließlich sind wir auch weiter bestrebt, leere Parzellen wieder an den Mann zu bringen. Das gleiche gilt für unsere Vereinsgaststätte, für die wir immer noch einen neuen Pächter suchen.“

Die Coronakrise bietet auch Städten wie Guben eine Chance

Was die Coronakrise betrifft, geht Gewerkschafter Stephan davon aus, dass sie noch lange ein Thema bleiben wird. „Völlig unklar ist, welche Folgen sie haben wird. Wie werden beispielsweise die Auswirkungen auf die dritte Welt sein? Und was wird aus der Globalisierung?“

Genau darin könnte letztlich sogar eine Chance bestehen. Stephan hält es zumindest für möglich, dass eine Erkenntnis der Pandemie sein könnte, bestimmte Waren wieder verstärkt vor Ort, in Deutschland, zu produzieren. Und dann könnte es von Vorteil sein, dass man beispielsweise ein gut funktionierendes Industriegebiet besitzt. In der Hinsicht sei man in Guben gerade dabei, die entsprechenden Voraussetzungen zu schaffen.