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Comet bangt um Sozialarbeit

Sozialarbeiter Thomas Krantz-Tarnick (l.) zeigt am Computer die Bilder von der gemeinsamen Ferienfahrt.
Sozialarbeiter Thomas Krantz-Tarnick (l.) zeigt am Computer die Bilder von der gemeinsamen Ferienfahrt. FOTO: S. Halpick
Guben. "Hallo", sagt ein 14-jähriger tschetschenischer Junge beim Hereinkommen. Seinen Rucksack stellt er auf den Boden, bevor er sich an einen Computer setzt. Silke Halpick

Er ist der erste Besucher an diesem Dienstagnachmittag im Gubener Jugendclub Comet. Mit 20 Weiteren wird noch gerechnet. "Zum Schuljahresbeginn müssen sich die Gruppen erst wieder finden", sagt Comet-Chefin Evita Brüllke. Das sei auch an der aktuell geringeren Frequenz in der Einrichtung zu spüren. "Im Sommer hatten wir täglich zwischen 50 und 60 Besucher hier", erklärt Stellvertreter Thomas Krantz-Tarnick.

Der Jugendklub Comet in der Kaltenborner Straße ist einer der wichtigsten Anlaufpunkte für Kinder und Jugendliche in Guben. Das bestätigt auch Mandy Große, Fachbereichsleiterin für Schulen, Kitas und Soziales. Trotzdem droht der Einrichtung womöglich eine Stundenreduzierung beim Personal. Der Grund dafür ist die Entscheidung des Jugendhilfeausschusses des Landkreises Spree-Neiße, die Schulsozialarbeit zu stärken, allerdings zulasten der Jugendarbeit. In Guben sollen rechnerisch zwei ganze Stellen bei den offenen Treffs wegfallen.

Die Stadtverwaltung hat in ihrem ersten Entwurf zur Neuordnung der Sozialarbeit vorgesehen, die zwei Vollzeitstellen im Comet auf jeweils 90 Prozent zu reduzieren. Der Sozialausschuss hat das mit einem Änderungsantrag vorerst verhindert. Heute müssen aber die Stadtverordneten ihre Entscheidung treffen. Stundenreduzierungen sind auch im Kinder-, Jugend-, Freizeitzentrum (KJFZ) sowie im Zippel vorgesehen.

"Wenn wir wirklich weniger Stunden bekommen, müssen wir unsere Öffnungszeiten reduzieren", kündigt Brüllke an. Derzeit hat der Jugendclub montags bis samstags jeweils von 14 bis 20 Uhr geöffnet. In den Ferien geht's sogar schon um 10 Uhr los. "Volles Haus" haben die beiden Sozialarbeiter vor allem samstags. "Außer uns gibt es keine Einrichtung, die dann geöffnet ist", sagt Krantz-Tarnick.

Der Förderverein für alternative Jugendarbeit und Jugendkultur als Träger der Einrichtung hat sich deshalb mit einem offenen Brief an alle Gubener Stadtverordneten gewandt. Darin wird auch auf die steigenden Besucherzahlen trotz demographischen Wandels hingewiesen. 2016 kamen den Angaben zufolge insgesamt 9271 Kinder, Jugendliche und Familien in die Einrichtung, die 270 Tage und 1745 Stunden geöffnet war. Der Förderverein spricht sich gegen die zehnprozentige Kürzung der Personalstellen aus und bittet die Abgeordneten um ihre Mithilfe.

Evita Brüllke ärgert sich vor allem darüber, dass die Stadt Guben nicht bereits im Vorfeld gegen den Beschluss des Jugendhilfeausschusses interveniert hat. "Spremberg hat nicht zugestimmt", sagt sie. Für sie ist die offene Jugendarbeit auch weiterhin wichtig, weil das Angebot niederschwellig und offen für alle ist. Die Atmosphäre im Jugendclub unterscheidet sich deutlich von der in der Schule. Die Sozialarbeiter sprechen die Sprache der Kids. "Was wir vorleben, ist cool, geil und straight", sagt Krantz-Tarnick. Allerdings brauche man für die individuellen Gespräche mit den Jugendlichen auch Zeit, wie er betont.

Beliebt ist der Comet auch bei Flüchtlingskindern, von denen viele mit ihren Familien im angrenzenden Neubaugebiet leben. Das habe auch für eine "Verdrängung" anderer Gruppen gesorgt, wie Brüllke einräumt. "Wir vertreten aber den Standpunkt, dass jeder rein darf, egal welche Hautfarbe er hat", sagt Krantz-Tarnick.